Alexander Kanoldt

Alexander Kanoldt (1881 Karlsruhe - Berlin 1939)

Stillleben XII, 1920

Öl auf Leinwand, 85,6 x 64,2 cm
Signiert und datiert unten links Kanoldt 1920
Verso auf dem Keilrahmen nochmals signiert, datiert und XII / Nr. 128 bezeichnet

Provenienz:
Dr. Pfeiffenberger, Mannheim
Julius Baer, München
Privatsammlung, Süddeutschland
Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen
Deutsche Privatsammlung

Literatur:
Die Horen 2, 1926, Abb. 41
Brigitte Fischer-Hollweg, Alexander Kanoldt und die Kunstrichtungen seiner Zeit, Phil. Diss., Bochum, 1971, S. 37

Ausstellungen:
Neue Secession, München 1920
Alexander Kanoldt: Gemälde, Zeichnungen, Lithographien, Museum für neue Kunst, Freiburg, 14.3. - 26.4.1987 und Von der Heydt-Museum Wuppertal, 17.5. - 5.7. 1987, Kat. Nr. 32 mit Farbabb. (als Stilleben XII) sowie Abb. auf S. 20

 

Die Neue Sachlichkeit entwickelte sich über die Dauer der Weimarer Republik und manifestierte sich vor allem in der Malerei, aber auch in Literatur und Film. Der Begriff wurde 1925 von Gustav Friedrich Hartlaub als Titel für eine stark beachtete Ausstellung post-expressionistischer Kunst in der Kunsthalle Mannheim geprägt. Die Neue Sachlichkeit wird oft in drei Strömungen unterteilt: den Verismus, den Klassizismus und den Magischen Realismus; Alexander Kanoldt war den beiden letzteren zugewandt.

Das Stillleben spielt in der neuen Sachlichkeit und besonders bei Kanoldt eine hervorgehobene Rolle. Meist kommen Gegenstände des täglichen Bedarfs zur Darstellung. Oft spiegeln sie den Zeitgeschmack.

Zusammen mit einigen anderen im gleichen Jahr entstandenen Stillleben nimmt das vorgestellte Werk in Kanoldts Œuvre eine Schlüsselposition ein und thematisiert verschiedene Ambitionen. Es vereint die für die neue Sachlichkeit typische realistische Position mit dem Streben in der gegenständlichen Welt eine metaphysische Komponente sichtbar zu machen. Dieses Interesse hatte Kanoldt nach dem ersten Weltkrieg mit seinem Freund Georg Schrimpf und auf einer längeren Italienreise zusammen mit dem Maler Adolf Erbslöh kultiviert. Angeregt durch eine post-futuristischen Künstlergruppe um die italienische Kunstzeitschrift Valori Plastici, der auch Giorgio de Chirico und Giorgio Morandi angehörten. Der Klassizismus und das gleissende Licht des Stilllebens wecken dann auch Erinnerungen an Italien und die pittura metafisica de Chiricos und Morandis.

Kanoldt hat in dem Stillleben Spuren menschlicher Präsenz hinterlassen. Auf dem Tisch steht eine Kaffeetasse, ein Buch ist aufgeschlagen. Die Typographie auf dem Bucheinband in der rechten unteren Ecke, dort wo sich sonst die Signatur befindet, fügt sich zu einem stilisierten, lächelnden Gesicht.

1925 nimmt Kanoldt an der Ausstellung Neue Sachlichkeit in Mannheim teil, wo er neben Max Beckmann am zahlreichsten vertreten ist.

Herr Dr. Michael Koch, der das Werk in seinen in Vorbereitung befindlichen Werkkatalog aufnehmen wird, bezeichnete es als ein besonders schönes, frühes Stillleben von musealer Qualität.

 

Kommentare sind deaktiviert

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen