Alexandre Calame

Alexandre Calame
(Vevey 1810 - 1864 Menton)

Felsige Küste bei Cannes - Bords de mer à Cannes, 1858-60

Öl auf Leinwand, 30 x 46,5 cm

Provenienz:
Nachlass des Künstlers
Amélie Calame, die Ehefrau des Malers, Genf (1865)
Arthur Calame, Genf (1843-1919) (1907)
Marguerite Buscarlet-Calame, Genf (1919), (Etikett auf der Rückseite, Nachlass Arthur Calame, Nr. 289, 1922)
Daniel Buscarlet, Genf (Etikett auf der Rückseite) (1898-1988)
Jean-Marc Buscarlet, 1988 (Etikett auf der Rückseite)
Durch Erbfolge an europäische Privatsammlung

Literatur:
Paris, Hôtel Drouot, catalogue de la vente Calame, 1865, Nr. 45
Daniel Buscarlet, Müntz-Berger, Alexandre et Arthur Calame, Genf 1969, S. 73 (mit falschen Maßangaben)
Valentina Anker, Alexandre Calame – Vie et œuvre, Werkverzeichnis, Freiburg 1987, S. 445, Nr. 717 (Anker listet unter der WVZ Nr. 717 zwei Variationen auf, Nummer 292 und 45 des vente Calame: die abgebildete Ölskizze ist die Variation Öl auf Leinwand, 25 x 32,5 cm, Nachlass Nr. 292)

Cette nature est bien difficile pour moi, et j’ai toutes les peines du monde à m’y faire.[1] (Alexandre Calame)

Auch wenn Alexandre Calame, wie das Zitat belegt, die eigene Begabung kritisch sah, ist er doch der Autor herrlicher Licht durchfluteter Landschaften, wobei seine Ölskizzen besonders hervorzuheben sind. Ein Lungenleiden zwang den Maler in den 1850er Jahren, das Hochgebirge zu verlassen und das milde Klima Südfrankreichs zu suchen. Drei Reisen an die Côte d’Azur sind belegt: 1853, 1858 und 1860.[2] Während seiner Aufenthalte schuf Calame zahlreiche Ölstudien der Küstenlandschaft, ihrer Vegetation und Gesteinsformationen. Die wenigsten führte er zu großformatigen Gemälden aus. Der Schweizer Maler, dessen Hauptmotiv bisher die Darstellung von Alpen- und Waldlandschaften gewesen war, fand in den mediterranen Landschaften eine neue Herausforderung, die eindrucksvolle Werke entstehen ließ.

Unsere relativ große Ölstudie, en plein-air konzipiert und sorgfältig ausgearbeitet, gehört zu einer Gruppe von Studien und Skizzen ähnlichen Motivs, die Alexandre Calame in den Jahren 1858 bis 1860 fertigte. Das Thema bizarrer Felsformationen, sei es am Meer oder im Gebirge, kehren in Calames Schaffen immer wieder. Der Künstler war fasziniert von dem Licht- und Schattenspiel welches das Sonnenlicht auf den Felsen erzeugte, von dem konstanten Wechsel der Farben, den harten und weichen Konturen. Erstaunlich plastisch stehen die Felsen vor dem tiefen Blau des Meeres und dem helleren Blau des wolkenlosen Himmels. Die Vegetation ist karg. In der Wasserlache im Vordergrund beobachtet der Maler die Spiegelung des azurblauen, wolkenlosen Himmels.

Die Ölskizzen, vom Maler nicht zum Verkauf bestimmt, dienten als Vorlage für jene großen, detailgenauen Landschaften, die in seinem Atelier entstanden. Die meisten seiner Ölskizzen fanden sich nach dem Tod des Künstlers in seinem Atelier. Erst die Versteigerung seines Nachlasses in Paris im Jahr 1865 brachte sie auf den Markt. Heutige Sammler schätzen die virtuose Malerei der in freier Natur entstandenen Ölskizzen mit der Konzentration auf eine möglichst realistische Wiedergabe der herrschenden Lichtverhältnisse – eine unverzichtbare Voraussetzung für den bestechenden Realismus der großen im Atelier gefertigten Gemälde.[3]

Ab den 1840er Jahren gehörte Calame in der öffentlichen Wahrnehmung zusammen mit seinem Lehrer François Diday und Wolfgang-Adam Töpffer zu den bekanntesten Landschaftern der Schweiz. Heute gilt der Maler – der trotz zahlreicher Auszeichnungen nach seinem Tod 1864 fast in Vergessenheit geriet – als einer der Protagonisten der romantisch-heroischen Gebirgsmalerei der Schweiz.[4]


[1] Zitiert nach Eugène Rambert, Alexandre Calame: sa vie et son oeuvre; d'après les sources originales, Paris 1884, S. 447.

[2] Vgl. Alfred Schreiber-Favre, Alexandre Calame, peintre paysagiste, graveur et lithographe: Ouvrage illustré d'un portrait de l'artiste et de 75 planches en héliogravure, dont 4 en héliochromie et 8 en bichromie, Genf 1934, S. 29. Vgl. Valentina Anker, Alexandre Calame – Vie et œuvre, Werkverzeichnis, Freiburg 1987, S. 464.

[3] Vgl. Alberto de Andrés, Alpine Views. Alexandre Calame and the Swiss Landscape, Kat. Auss. Williamstown, Massachusetts, Sterling and Francine Clark Art Institue, New Haven und London 2006, S. 28.

[4] Die 2011 in der National Gallery in London ausgestellte Privatsammlung von Asbjorn Lunde zeigte eine wichtige Werkgruppe Calames im Kontext wichtiger nordeuropäischer Maler und dokumentierte damit eindrucksvoll seinen hohen Stellenwert in der Landschaftsmalerei des frühen 19. Jahrhunderts. Vgl. Forests, Rocks, Torrents; Norwegian and Swiss Landscape Paintings from the Lunde Collection, Kat. Ausst., London, National Gallery, London 2011.

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