Alexandre Calame

Alexandre Calame (Vevey 1810 - 1864 Menton)

La Tour am Genfer See, 1845

Öl auf Karton, 23 x 50 cm
Bezeichnet und datiert unten links La Tour. Août 13. 1845.
Rückseitig Siegel der Vente Calame, Etikette der Sammlung Lecène, Paris und der Galerie Dr. Rehfous, Genf

Provenienz:
Paris, Hôtel Drouot, Vente Calame, 18. Mai 1865, Los 33 (Le village de La Tour sur le lac de Genève)
Sammlung Lecène, Paris (erworben 1865 für 255 Franc im Vente Calame)[1]
Galerie Dr. Rehfous, Genf
Privatsammlung, Westschweiz

Literatur:
Valentina Anker, Alexandre Calame - Catalogue raisonné de l'œuvre peint, Fribourg 1987, S. 365, Nr. 255 (mit Abb.)

 

Alexandre Calames en plein-air gemalte Ölskizze, exakt datiert auf den 13. August 1845, zeigt das Nordostufer des Genfer Sees bei La Tour-de-Peilz in der Nähe seines Geburtstortes Vevey. Die Ölskizzen, vom Maler nicht zum Verkauf bestimmt, dienten als Vorlage für jene großen, detailgenauen Landschaften, die in seinem Atelier entstanden. Die meisten seiner Ölskizzen fanden sich nach dem Tod des Künstlers in seinem Atelier. Erst die Versteigerung seines Nachlasses in Paris im Jahr 1865 brachte sie auf den Markt. Heutige Sammler schätzen die virtuose Malerei der in freier Natur entstandenen Ölskizzen mit der Konzentration auf eine möglichst realistische Wiedergabe der herrschenden Lichtverhältnisse – eine unverzichtbare Voraussetzung für den bestechenden Realismus der großen im Atelier gefertigten Gemälde.[2]

Die Skizze gibt einen Blick über den Genfer See auf eine beeindruckende Bergkulisse wieder. Bedrohlich dunkel verfärbt sich der wolkenverhangene Augusthimmel. Das extreme Querformat nimmt den Erfolg welchen das Panorama in den nächsten Jahrzehnten in der Fotografie haben sollte voraus. Das hart modellierte, steinige Terrain der besonnten Landzunge im Vordergrund öffnet einen tiefen Bildraum. Die in Dunst gehüllten Berge im Hintergrund wirken zart und skizzenhaft. Die künstlerische Anregung und Entwicklung Calames durch seine unmittelbar vorausgehende Romreise werden in der Skizze sichtbar.

Erst 1829 begann Calame seine künstlerische Ausbildung bei dem Landschaftsmaler François Diday, finanziert durch seinen früheren Arbeitgeber, den Bankier Diodati. In seiner Freizeit kolorierte er Schweizer Veduten, um sie an Touristen zu verkaufen. Seit 1835 stellte Alexandre Calame seine Werke unter anderem in Genf, Berlin und Leipzig aus. Regelmäßige Ausstellungen seit 1839 folgten im Pariser Salon. Dadurch errang er große Erfolge und wurde vor allem in Frankreich und Deutschland ein gesuchter Maler. Zahlreiche Reisen führten ihn auf der Suche nach neuen Motiven nach Frankreich, Deutschland und Holland. 1844 begab er sich nach Rom und Neapel und lernte dort die einzigartigen Lichtverhältnisse Italiens kennen. Nach 1855 zwang ihn sein Gesundheitszustand, die Alpen zu meiden.

In den 1840er Jahren gehörte Calame in der öffentlichen Wahrnehmung zusammen mit seinem Lehrer Diday und Wolfgang-Adam Töpffer zu den bekanntesten Landschaftern der Schweiz. Heute gilt der Maler als einer der Hauptmeister der romantisch-heroischen Gebirgsmalerei der Schweiz.[3]


[1] Vgl. Anker, op. cit., S. 365.

[2] Vgl. Alberto de Andrés, Alpine Views. Alexandre Calame and the Swiss Landscape, Kat. Auss. Williamstown, Massachusetts, Sterling and Francine Clark Art Institue, New Haven und London 2006, S. 28.

[3] Die 2011 in der National Gallery in London ausgestellte Privatsammlung von Asbjorn Lunde zeigte eine wichtige Werkgruppe Calames im Kontext wichtiger nordeuropäischer Maler und dokumentierte damit eindrucksvoll seinen hohen Stellenwert in der Landschaftsmalerei des frühen 19. Jahrhunderts. Vgl. Forests, Rocks, Torrents; Norwegian and Swiss Landscape Paintings from the Lunde Collection, Kat. Ausst., London, National Gallery, London 2011.

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