André Giroux

André Giroux (1801 - Paris - 1879)

Das Santuario dell'Avvocatella in Cava de' Tirreni, 1827-9

Öl auf Papier auf Leinwand, 28,3 x 21,5 cm

Provenienz:
Sammlung Wertheimer Foundation

Literatur:
Vincent Pomarède, Alexander D. Grishin und Denis Canguilhem (Hgg.), André Giroux, London 2004, S. 38, Kat. Nr. 9, mit Abb.

 

 

 

 

 

 

 

 

Lange Zeit von der Kunstkritik vernachlässigt, gilt Giroux heute als ein bedeutender Exponent jener Generation von Landschaftsmalern, die im frühen 19. Jahrhundert den Übergang von der komponierten neoklassizistischen zur naturalistischen Landschaftsauffassung vollzogen haben. Girouxs Hauptaugenmerk richtete sich auf die von Menschen kultivierte Natur, wofür er in den seit der vorrömischen Zeit besiedelten Landstrichen Mittelitaliens eine reiche Motivauswahl fand. In späteren Jahren beschäftigte sich Giroux eingehend mit der Fotografie. [1]

Die vorgestellte Architekturstudie entstand während Girouxs Italienaufenthaltes 1825-29, ermöglicht durch den von ihm gewonnenen ersten Platz des Prix de Rome. Eine beliebte Reiseroute der Maler führte von Rom in Richtung Süden nach Neapel. Trotz seiner Abgeschiedenheit war Cava de' Terreni bei Salerno, im hügeligen Hinterland der Amalfiküste gelegen, im 19. Jahrhundert ein viel bereister Ort. Auch napoletanische en plein-air Maler, heute als Scuola di Posillipo bekannt, wie beispielsweise Anton Sminck van Pitloo (1791-1837) (Abb. 1)[2] und Giacinto Gigante (1806-76) haben verschiedene Ansichten von Cava und seiner Umgebung in Zeichnungen und Gemälden festgehalten.

Abb. 1 Anton Sminck van Pitloo, Avvocatella di Cava, Neapel, Fondazione Biblioteca Benedetto Croce

Zur selben Zeit besuchte auch Giroux Cava de' Terreni und fertigte Studien en plein-air. So entstand dort das kleinformatige Bild Die Schlucht, Corpo di Cava, 1827, heute im Musée Boucher-de-Perthe in Abbeville.[3] Die vorliegende Studie stellt das zwischen Cava de' Terreni und dem Ortsteil Badia di Cava gelegene Santuario di Maria Santissima Avvocatella vor, einen Ort der Marienverehrung. Ihren Ursprung verdankte die diese Wallfahrt einem Pfarrer, der 1654 in der sogenannten Fledermausgrotte einen Dämon mit den Worten „Jesus und Maria“ vertrieb. 1703 wurde diese Grotte dann in die Architektur einer Wallfahrtskirche integriert.[4]


[1] Vgl. André Giroux, op. cit., S. 44. Seine ersten Fotografien datieren in die frühen 1850er Jahre, jedoch ist anzunehmen, dass er sich schon früher mit dem neuen Medium beschäftigte. Sein Bruder und Geschäftspartner Alphonse-Gustave arbeitete seit 1839 eng mit Louis-Jacques-Mandé Daguerre zusammen, dem Erfinder des ersten kommerziellen fotografischen Verfahrens, und fertigte für ihn exklusiv den für die sogenannte Daguerreotypie benötigten Fotoapparat. André Giroux retuschierte die Fotographien und auch die Kollodium-Nassplatten und erhielt dadurch einzigartige Effekte malerischer Weichheit. Vgl. André Giroux, op. cit., S. 32-3 und 44-49.

[2] Anton Sminck van Pitloo, Avvocatella di Cava, Öl auf Leinwand, Neapel, Fondazione Biblioteca Benedetto Croce.

[3] Die Schlucht, Corpo di Cava, 1827, Öl auf Papier auf Leinwand, 24 x 29 cm, Abbeville, Musée Boucher-de-Perthes, vgl. <<http://www.latribunedelart.com/la-donation-jean-louis-potier-au-musee-d-abbeville>> (23.01.2014).

[4] Zur Geschichte des Santuarios vgl. <<http://www.avvocatella.it>> (23.01.2014).

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