Anselm Feuerbach

Anselm Feuerbach (Speyer 1829 - 1880 Venedig)

Hohlweg, Campagna Romana, c.1860/62

Öl auf Leinwand, 47 x 36 cm
Monogrammiert unten links AF

Provenienz:
Rudolf Probst, Das Kunsthaus Mannheim, 1942[1]

Schweizer Privatsammlung
Literatur:
Weltkunst, 16. Jg. Nr. 37/38, 12.09.1942, S. 4 Abb., Anzeige ‚Das Kunsthaus Mannheim, Rudolf Probst’
Jürgen Ecker, Anselm Feuerbach. Leben und Werk. Kritischer Katalog der Gemälde, Ölskizzen und Ölstudien, WVZ, München 1991, Nr. 292

 

 

 

 

 

 

Wir danken Dr. Jürgen Ecker für seinen freundlichen Hinweis zu Provenienz und Datierung des vorliegenden Gemäldes.

Die Studie zeigt einen Hohlweg, von Gebüsch gesäumt, wie Feuerbach ihn auf einem seiner zahlreichen Ausflüge in die römische Campagna gesehen hat. Die summarische Darstellung konzentriert sich ganz auf den Gegensatz zwischen den Schattenpartien mit ihren weichen, fließenden Umrissen und den scharf konturierten belichteten Partien. Für die Entstehung in den späten 50er Jahren spricht laut Dr. Ecker die Typographie des Monogramms, das sich so auch an anderen Arbeiten dieser Jahre findet[2]. Stilistisch erscheint ihm auch eine Datierung in die frühen 60er Jahre plausibel.

Diese freie, summarische Art der Darstellung ganz auf Licht und Atmosphäre ausgerichtet, hat sich Feuerbach während seines Parisaufenthalts 1851-1854[3] angeeignet. Während er zunächst, beeindruckt vom Louvre hauptsächlich die Gemälde alter Meister studiert, setzt er sich dann auch mit zeitgenössischen Künstlern auseinander. Eindruck macht ihm das Werk von Eugène Delacroix, Gustave Courbet und der Maler der Schule von Barbizon. Entscheidend wird seine intensive Begegnung mit der Malerei Thomas Coutures (1815-1879), in dessen Atelier er zeitweise arbeitet. Hier erlernt er die großzügige Pinselführung[4], Monumentalität in Anlage und Ausführung der Komposition bei gleichzeitiger Weichheit und feiner Abstimmung der Farbwerte, die auch in der vorliegenden Studie zur Anwendung kommt. Feuerbach schreibt: Coutures Gestalten haben eine solche plastische Noblesse und Schönheit wie die Antiken. Mir geht ein Licht über dem anderen auf, was der liebe Vater [der Vater war Professor für Archäologie] trotz seiner Leiden immer wollte, und wenn ich auch spät zur Erkenntnis gelangte, so ist die Erfahrung für mein ganzes Leben[5].


[1] Anja Walter-Ris, Die Geschichte der Galerie Nierendorf, Diss. FU Berlin 2003, Anm. 31: [Dr. Herbert Tannenbaum] … gründete 1920 in Mannheim „Das Kunsthaus“. Er verkaufte im November 1936 an den Kollegen Rudolf Probst (1890-1968), der seine „Galerie Neue Kunst Fides“ in Dresden 1934 wegen der Repressionen der Nationalsozialisten hatte schließen müssen. Er hoffte in Mannheim weiterarbeiten zu können, was ihm bis 1943, als das „Kunsthaus“ durch Bomben zerstört wurde, mit „gemäßigtem“ Programm gelang. Dr. Tannenbaum emigrierte im Mai 1937 mit seiner Familie nach Holland, wo sie die Besetzung wie durch ein Wunder unversehrt überstanden. … Ab 1949 besaβ er eine Galerie in New York, in der 57. St. … Vgl. Kathrin von Welck (Hg.), Für die Kunst! Herbert Tannenbaum und sein Kunsthaus. Ein Galerist – seine Künstler, seine Kunden, sein Konzept, Kat. Ausst., Reiß-Museum der Stadt Mannheim, Mannheim 1994.

[2] Als Indiz führt er den ausgeprägten Abstrich am F an, sowie die Schrägstellung des ligierten Monogramms; beides findet sich so auch an anderen Signaturen dieser Jahre.

[3] Der Aufenthalt hatte mehrere Unterbrechungen. Feuerbach war von Mai 1851 bis Sommer 1852, von November 1852 bis Mai 1853 und von Oktober 1853 bis April 1854 in Paris.

[4] Auch die Verwendung von Spachtel und Palettmesser sah Feuerbach bei Couture und wohl auch bei Courbet.

[5] Guido Joseph Kern und Hermann Uhde-Bernays (Hgs.), Anselm Feuerbachs Briefe an seine Mutter, Bd.1, Berlin 1911, S. 299

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