August Wilhelm Ferdinand Schirmer

August Wilhelm Ferdinand Schirmer (Berlin 1802 - 1866 Nyon, Genfer See)

Landschaft bei Narni, 1829

Öl auf Papier auf Malpappe aufgezogen, 21,5 x 17 cm
Bezeichnet und datiert unten rechts Narni 9. mai 1829

Provenienz:
Privatsammlung, Wien
Privatsammlung, Italien

August Wilhelm Ferdinand Schirmer war Maler des preußischen Kronprinzen und späteren Königs Friedrich Wilhelm IV.[i] Seine Domäne war die Landschaftsmalerei. Wie viele Zeitgenossen unternahm Schirmer - nicht zu verwechseln mit dem namensgleichen Landschaftsmaler der Düsseldorfer Schule, Johann Wilhelm Schirmer - auch mehrere Reisen nach Italien. Zum ersten Mal brach er 1827 im Auftrag des Kronprinzen nach Süden auf um drei Jahre in Rom zu verbringen. Eine erste großformatige Italienlandschaft schickte er 1828 zusammen mit einigen kleineren Formaten auf die Herbstausstellung nach Berlin.

Seine Anregungen bezog Schirmer nicht nur aus den großartigen Landschaften der Campagna Romana und den Albaner Bergen, sondern auch aus dem internationalen Künstlerkreis in Rom. Er wurde Mitglied der deutschen Künstlervereinigung in Rom, der Ponte-Mole-Gesellschaft und Mitgründer des römischen Kunstvereins. Anzunehmen ist, dass er dem etwa gleichaltrigen Studienfreund Carl Blechen (1797-1840) aus Berlin wiederbegegnete, der ein Jahr später in Rom eintraf und mit ihm gemeinsame Ausflüge in die nähere Umgebung Roms unternahm.

Schirmers Ölskizze gibt eine Landschaft nördlich Roms entlang der Via Flaminia wieder, die das antike Rom mit dem Norden verband. Der Blick geht nach Süden, wo sich im Hintergrund die markante Silhouette des Monte Soratte abzeichnet. Im Vordergrund erhebt sich theatralisch eine Bogenbrücke, von der aus zwei Wanderer in die weite Ebene blicken. Die Brücke mit der die Via Flaminia hier eine der zahlreichen Schluchten der Bergwelt zwischen Narni und Otricoli überwindet gibt Zeugnis von der großen Ingenieurskunst der römischen Antike. Trotz ihres kleinen Formats hat die Ölskizze große Wirkung.

Abb. 1 August Wilhelm Ferdinand Schirmer, Landschaft mit dem Monte Soratte, „gesehen zwischen Narni und Otricoli“, 1831

Abb. 1 August Wilhelm Ferdinand Schirmer,
Landschaft mit dem Monte Soratte, „gesehen
zwischen Narni und Otricoli“, 1831

Unsere sicherlich en plein-air ausgeführte Ölskizze diente Schirmer zusammen mit zwei weiteren Arbeiten[ii] der ersten italienischen Reise als Grundlage, um eines seiner Hauptwerke zu realisieren, der 1831 für den Kronprinzen gemalten großformatigen Landschaft mit dem Monte Soratte, gesehen zwischen Narni und Otricoli[iii], die sich leider nicht bis zum heutigen Tage erhalten hat. (Abb.1)


[i] Vgl. August Wilhelm Ferdinand Schirmer (1802-1866). Ein Berliner Landschaftsmaler aus dem Umkreis Karl Friedrich Schinkels, Kat. Ausst. Potsdam, Römische Bäder, Berlin 1996.

[ii] August Wilhelm Ferdinand Schirmer, Landschaft mit der Flucht nach Ägypten, 1829, Öl auf Leinwand auf Pappe, bezeichnet, datiert und monogrammiert unten links Narni 1829 W. S., Hannover, Niedersächsischen Landesmuseum, Inv. Nr. PNM 523, abgebildet in Schirmer, op. cit., Kat. Nr. 2.9, S. 82.
August Wilhelm Ferdinand Schirmer, Landschaft, 1829, Öl auf Papier, 26 x 35 cm, ehemals Sammlung von Farenheid, Beynuhnen/Ostpreußen, vgl. Schirmer, op. cit., unter Kat. Nr. 4.5, S. 128 erwähnt.
Das Werk von 1829 im Niedersächsischen Landesmuseum in Hannover befindet, galt bisher als einziges Gemälde Schirmers, das nachweisbar auf seiner ersten Italienreise entstanden ist, geführt.
Eine der drei oben angeführten Ansichten war vermutlich auf der Berliner Akademieausstellung 1830 zu sehen, vgl. Helmut Börsch-Supan, Die Kataloge der Berliner Akademie-Ausstellungen 1786-1850, Berlin 1971, Bd. 2, 1830, Nr. 629.

[iii] August Wilhelm Ferdinand Schirmer, Landschaft mit dem Monte Soratte, „gesehen zwischen Narni und Otricoli“, 1831, Öl auf Leinwand, 112 x 141 cm, monogrammiert und datiert unten links, vgl. Schirmer, op. cit., Kat. Nr. 4.5, S. 128 und S. 131 mit Abb.

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