Carl Adolf Senff

Carl Adolf Senff
(Halle 1785 - 1863 Ostrau)

Pilgerknabe mit Schutzengel vor italienischer Landschaft, Rom 1825

Öl auf Holz, 29,2 x 21,5 cm
Rückseitig datiert und signiert Adolf Senff inv. Rom 1825

Provenienz:
Familie Lüdtke, München, seit den 1920er Jahren
Franziska Haunschild, München, aus Nachlass Lüdtke
Dr. Alfred Guggemoos, München, aus Nachlass Haunschild
Privatsammlung München

 

 

 

 

 

 

 

Carl Adolf Senff1 hatte sich nach einem abgeschlossenen Theologiestudium, das er 1808 in Halle absolvierte, der Kunst zugewandt. 1809 bestellte der Maler Gerhard von Kügelgen den jungen Senff als Hauslehrer für seine Söhne und erteilte ihm als Gegenleistung Unterricht in Zeichnung und Malerei. So fand er erste Kontakte zu den Vertretern der Dresdner Romantik. Als Mitglied des Freikorps der Markaner Jäger erlebte er 1815 das Ende der Napoleonischen Herrschaft und den Einzug der Alliierten in Paris. Eine Erbschaft ermöglichte ihm anschließend 1816 über Dresden, Prag, Wien und Florenz nach Rom zu reisen. Dort angekommen, bezog er Quartier in der berühmten Casa Buti.

In Rom, wo Senff bis 1848 weilte, verbanden ihn Freundschaften mit dem Maler Franz Ludwig Catel (1778-1856) und den Bildhauern Daniel Christian Rauch (1777-1857) und Bertel Thorvaldsen (1770-1844): er fertigte insgesamt vier Porträts des berühmten Dänen und transponierte dessen berühmteste Reliefs Der Morgen und DieNacht in die Malerei. Eines, die Nacht mit ihren Kindern Tod und Schlaf, von 1822, befindet sich heute in den Staatlichen Museen zu Berlin (Abb. 1). Sicherlich unterhielt Senff auch Kontakte zu der in Rom ansässigen Künstlergemeinde der Nazarener. Zunächst kopierte er alte Meister, vor allem Raffael, um dann später eigene Kompositionen in diesem Stil zu fertigen.

Abb. 1 Carl Adolf Senff, Die Nacht mit ihren Kindern Tod und Schlaf, 1822, Öl auf Leinwand, 75,5 x 75,8 cm, Staatliche Museen zu Berlin, Inv. Nr. A III 490

Auch das vorliegende Gemälde ist der Kunst Raffaels und Senffs Auseinandersetzung mit den Deutsch-Römern verpflichtet und zeigt dieselbe spröde Naivität, die sich bei jenen findet. Bemerkenswert sind die Präzision der Malerei und das herrliche Kolorit. Um 1825, auf unserer Tafel bereits deutlich sichtbar, begann Senffs intensive Auseinandersetzung mit der Darstellung von Pflanzen, vor allem Blumen. Dieses Thema beschäftigte ihn in seiner weiteren Laufbahn ganz überwiegend. Die Vielfalt und botanisch exakte Wiedergabe der Flora auf der vorliegenden Tafel deutet diese Entwicklung bereits an. Die dargestellten Muscheln, das zu Füßen des Knaben liegende Bündel, der Wanderstab und der Schutzengel sind wohl, ebenso wie der sich im Hintergrund windende Pfad, Symbole für die Pilgerfahrt, als Metapher des von Gott behüteten Weges durch das irdische Leben.

 

 


1 Zu Senff siehe Adolf Senff, Malerei und Zeichnungen, Kat. Ausst. Halle, Staatliche Galerie Moritzburg, 1985.
Eberhard Ruhmer ‚Adolf Senff: Ein Romantiker des Übergangs, in Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte, Bd. 29, München, Berlin 1990, S. 168-201.

 

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