Carl Gustav Carus

Carl Gustav Carus (Leipzig 1789 - 1869 Dresden)

Herbst in Hosterwitz, ca. 1835/50

Öl auf Papier
13,5 x 17,5 cm

Provenienz:
1928 von Apelt im Dresdener Kunsthandel erworben.
Sammlung Dr. Franz Ulrich Apelt, Zittau. Dort als 'Blick über bewaldeten Abhang ins weite Land (Herbst in Hosterwitz)'.

Literatur:
Prause, Marianne, Carl Gustav Carus. Leben und Werk, Berlin 1968, S. 152, Abb. 300, Katalogtext irrtümlich zugeordnet.

 

Wir danken Dirk Gedlich, Dresden, der das Original begutachtet hat, für die Bestätigung der Zuschreibung. Er wird das Gemälde in das überarbeitete Werkverzeichnis von Marianne Prause aufnehmen.

 

Vermutlich angeregt von dem seit 1818 in Dresden ansässigen norwegischen Maler Johann Christian Dahl, dessen Ölstudien vor der Natur für zahlreiche Landschafter des frühen 19. Jahrhunderts vorbildlich geworden sind, begann Carus bereits Mitte der 1820er Jahre vereinzelt Ölskizzen in der Dresdner Umgebung zu malen. Seit Mitte der dreißiger Jahre gab die Landschaft bei Pillnitz die bevorzugten Motive für die malerischen Naturstudien des Künstlers. Carus hatte 1832 ein Landhaus in der Nachbarschaft von Schloss Pillnitz erworben, das zum Ausgangspunkt seiner Wanderungen wurde.

Die vorliegende Ölstudie ist in Hosterwitz, unweit von Pillnitz entstanden. Carus Standort ist an den Elbhängen oberhalb des Ortes gelegen. Er blickt den Elbhängen entlang nach Osten. Motivisch bietet sich ein Vergleich mit der Ölstudie Ausblick in Hosterwitz an. Die Blickrichtung ist ähnlich, der Standort ist wohl die Pergola der oberhalb Hosterwitz gelegenen Villa, die 1844 von der mit dem Künstler befreundeten Familie Lüttichau erworben worden war.[1]

Eine genaue Datierung der Studie ist bei der Heterogenität des Oeuvres schwierig. Stilistisch liegt die Studie zwischen den etwas detailreicheren, weniger auf die reine Farbwirkung abgestellten Studien ähnlichen Motivs, die Marianne Prause um 1830 datiert[2], und jenen im Detail eher summarischen, mehr auf die Farbwirkung setzenden Studien Haus Carus in Pillnitz, 1852 und Villa in Hosterwitz, 1852, die Dirk Gedlich zu einem Vergleich heranzieht[3].

Carl Gustav Carus ist eine der herausragenden Persönlichkeiten der Goethezeit. Der universal begabte und gebildete Arzt und Naturforscher war auch als Schriftsteller tätig und gehört zu den bedeutendsten Künstlern und Theoretikern der deutschen Romantik. Seine Briefe zur Landschaftsmalerei gelten als ein Schlüsselwerk zum Verständnis der Ästhetik deutscher Landschaftsmalerei der Romantik.[4]

Carus wurde 1789 in Leipzig als Sohn eines Färbereibesitzers geboren. 1806 begann er an der Universität Leipzig ein Medizinstudium, besuchte daneben aber auch die Akademie, an der zu jener Zeit Friedrich August Tischbein und Hans Veit Schnorr von Carolsfeld unterrichteten. 1811 promovierte er als Mediziner an der Universität Leipzig und habilitierte sich dort. Gleichzeitig beschäftigte er sich auto-didaktisch mit der Ölmalerei. 1814 wurde Carus Professor für Gynäkologie an der medizinisch-chirurgischen Akademie in Dresden. Starke Impulse und einen nachhaltigen Einfluss auf sein künstlerisches Schaffen verdankte Carus Caspar David Friedrich, mit dem ihn seit 1817 eine enge Freundschaft verband, sowie Johann Christian Dahl, der seit 1818 in Dresden lebte. Ende der 1820er Jahre löste sich Carus von Friedrichs künstlerischem Einfluss und gelangte zu einer persönlicheren Ausdrucksform. Seit 1827 war Carus Leibarzt des sächsischen Königshauses. Reisen teilweise in dieser Funktion führten ihn nach Rügen, in das Riesengebirge, nach Italien, Paris, England und Schottland. 1821 lernte er in Marienbad Goethe kennen, mit dem ihn eine langjährige Freundschaft und Korrespondenz verband. Er starb 1869 in Dresden.


[1] Carl Gustav Carus. Natur und Idee, Kat. Ausst. Staatliche Kunstsammlungen Dresden und Staatliche Museen zu Berlin, Juni 2009 - Januar 2010, Dresden und Berlin, 2009, Natur und Idee, Kat. Nr. 203, um 1850 ; Prause WVZ 358, nach 1835

[2] Prause WVZ, Nr. 387, 384, beide um 1830

[3] Carl Gustav Carus. Natur und Idee, Kat. Ausst., op. cit., Kat. Nr.71, 72

[4] Carl Gustav Carus, Zehn Briefe und Aufsätze über Landschaftsmalerei mit zwölf Beilagen und einem Brief von Goethe als Einleitung, 1815-1835, Leipzig und Weimar 1982

Kommentare sind deaktiviert

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen