Carl Gustav Carus

Carl Gustav Carus (Leipzig 1789 - 1869 Dresden)

Aufgehender Vollmond hinter Tannen

Öl auf Karton
10,2 x 8 cm

Povenienz:
Sammlung Dr. Franz Ulrich Apelt, Zittau

 

Wir danken Dirk Gedlich, Dresden, der das Gemälde im Original gesehen hat, für die Bestätigung der Zuschreibung. Er wird das Gemälde in das überarbeitete Werkverzeichnis von Marianne Prause aufnehmen.

 

Carus kleinformatiges Nachtbild zeigt in engem Ausschnitt den zwischen Tannenwipfeln aufgehenden Mond – ein Schlüsselmotiv der Dresdner Romantik. Das „dunkelnde“ Blau des klaren Nachthimmels hat die Intensität mineralischer Farben. Den „bleichgolden“[1] Vollmond umgibt ein zartroter Hof. Vor dem Nachthimmel, schwarz silhouettiert ragen die Kronen der Tannen auf. In das Unterholz im Vordergrund hat der Maler helle Farbpunkte eingefügt welche die Reflexion des Mondlichtes simulieren. Die in Untersicht dargestellten mächtigen Tannen und die Steigerung der Kontraste durch eine fast monochrome Farbgebung verhelfen dem kleinformatigen Gemälde zu erstaunlicher Präsenz und suggerieren eine Bedeutung über die bloße Naturdarstellung hinaus.

Carus Interesse am nächtlichen Mondschein zeigt sich in der Vielzahl seiner mondbeschienenen Landschaften, die bis in das Spätwerk reichen.[2] In vergleichbar konzentrierter bildnerischer Form hat er das Thema jedoch nur in einer weiteren Miniatur, die sich heute im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg befindet, dargestellt.[3] Er widmet den von ihm so bezeichneten „Mondscheinbildern“ im zehnten Brief seiner kunsttheoretischen Schrift „Briefe über Landschaftsmalerei“ ein eigenes Kapitel.[4] Darin offenbart sich der Naturwissenschaftler Carus als „geistreicher Landschaftsmaler“.[5] Die romantische Synthese von „Gemüt“ und Naturleben verbindet er mit dem Bestreben, die Darstellung der Natur zu objektivieren. Die Beschreibung eines Mondaufgangs etwa beinhaltet – neben der ästhetischen Erörterung – eine genaue Betrachtung der Licht- und Farbverhältnisse: „…Wie sich das so vollgefärbt und doch in tiefer Dämmerung von dem reinen, durch das Licht der untergegangenen Sonne noch mäßig erleuchteten Himmel absetzt, und ... auf dunkelndem Blau des Himmels der reine, …erscheinende Mond…hervortrat.“[6]

Seit 1814 lebte Carus in Dresden, wo er in den unmittelbaren Einflusskreis Caspar David Friedrichs gelangte. Friedrich hat das Mondscheinthema in der romantischen Malerei zu Signetwirkung gebracht. Obwohl Carus sich bereits in den 20er Jahren von Friedrichs Einfluss zu lösen begann, wirkte dessen profundes Wissen zu Maltechnik und Bildgestaltung in ihm weiter. Carus hat lebenslang von den ästhetischen Einsichten Friedrichs profitiert. So schreibt er nach dem Tod des Freundes: „Sehr lehrreich für mich war das entschiedene Gefühl für reine Konzentration des Lichts, welches seine [Friedrichs] Werke auszeichnete“.[7]


[1] Carl Gustav Carus, Zehn Briefe und Aufsätze über Landschaftsmalerei mit zwölf Beilagen und einem Brief von Goethe als Einleitung, 1815-1835, Leipzig und Weimar 1982, Zehnter Brief, S. 116 u. S. 118.

[2] Carl Gustav Carus. Natur und Idee, Kat. Ausst. Staatliche Kunstsammlungen Dresden und Staatliche Museen zu Berlin, Juni 2009 - Januar 2010, Dresden und Berlin, 2009, Natur und Idee, v.a. Kat. Nr. 106, 107, 117 (Motiv), 142 (Maltechnik).

[3] GNM 2060, Carl Gustav Carus, Tannen bei Vollmond, Öl auf Holz, 10,5 x 7 cm.

[4] Carl Gustav Carus, Zehn Briefe…, op. cit., S. 115-119.

[5] Karge, Kendrik, ‚Die Landschaftsbriefe von Carl Gustav Carus und ihre Rezeption in der zeitgenössischen Kritik und Kunstliteratur’, in Carl Gustav Carus, op. cit., Essays, S. 233ff.

[6] Carl Gustav Carus, Zehn Briefe…, op. cit., S. 118.

[7] Carl Gustav Carus, Lebenserinnerungen und Denkwürdigkeiten, in Caspar David Friedrich in Briefen und Bekenntnissen, hg. Sigrid Hinz, München 1974, S. 194.

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