Carl Larsson

Carl Larsson (Stockholm 1853 - 1919 Falun)

Sven, 1917

Aquarell und Bleistift auf Papier, 44 x 29 cm
Bezeichnet, datiert und signiert oben rechts Till vännen / Dr. V. Malmström / med tack fr. / C.L. / 1917 und betitelt unten mittig SVEN (med stämjernet)

Provenienz:
Sammlung Dr. Valdemar Malmström, Falun (Geschenk des Künstlers)
Familienbesitz

Literatur:
Ulwa Neergaard, Carl Larsson. Signerat med pensel och penna, Werksverzeichnis, Stockholm 1999, Bd. 2, S. 164, Nr. 1689[1]

Ausstellung:
Minnesutställning. Carl Larsson, Stockholm, Liljevalchs Konsthall, 6.3.-5.4.1920, Kat. Nr. 338
Carl Larsson. Vänner & ovänner, Stockholm, Nationalmuseum, 13.6.-3.11.2013 (nicht im Katalog aufgenommen)

 

 

 

Carl Larsson ist der vielleicht bekannteste schwedische Künstler des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Seine Darstellungen bürgerlichen Lebens in Schweden an der Wende des 19. zum 20. Jahrhundert sind zu einem Synonym schwedischer Lebensart geworden. Der Bogen seines breiten künstlerischen Oeuvres spannt sich von Buchillustrationen und graphischen Blättern über Zeichnungen und Gemälde bis hin zu jenen monumentalen Fresken im Foyer des Nationalmuseums in Stockholm.

Larsson wurde 1853 in eine arme Familie in Stockholm geboren und bereits mit 13 Jahren in die Principskola, den Grundkurs der Königlich Schwedischen Kunstakademie Stockholm eingeschrieben. 1869 wurde er ordentlicher Student und schloss sein Studium 1876 ab. In den Jahren 1877-1882 lebte er abwechselnd in Paris und Schweden, Anerkennung und Erfolg bleiben ihm aber vorerst versagt. Im Frühjahr 1882 besuchte Larsson das französische Grez-sur-Loing, welches zu jenem Zeitpunkt eine aktive skandinavische Künstlerkolonie beherbergte. Der Aufenthalt markierte, künstlerisch und sozial, den entscheidenden Wendepunkt seines Lebens. Angeregt durch sein Umfeld vollzog er innerhalb kurzer Zeit die Abkehr von einer akademisch geprägten Malerei hin zur Freilichtmalerei. Sein bevorzugtes Medium war das Aquarell. Die Auseinandersetzung mit dem französischen Freilichtrealismus ebnete ihm den Weg in den Pariser Salon, wo er 1883 eine Medaille gewann. Erste Erfolge durch Ankäufe von Sammlern und Museen stellten sich ein. 1886 unternahm Larsson eine längere Reise nach Paris und Italien, um die Monumentalmalerei zu studieren. Im gleichen Jahr wurde er von seinem Mäzen Pontus Fürstenberg nach Göteborg geholt, wo er Mitglied des neu gegründeten Künstlerbundes und Lehrer an der Kunstschule wurde.[2]

1901 zog Carl Larrson zusammen mit seiner Frau Karin in das kleine Dorf Sundborn, in ein liebevoll umgebautes und eingerichtete Haus, ein Geschenk des Schwiegervaters. Ihr Ziel war es, Kunst und ‚wirkliches Leben’ zu einem Gesamtkunstwerk zusammenzufügen. Seine Frau, die sieben Kinder und das Haus Lilla Hyttnäs (‚kleine Hütte’) wurden zum Mittelpunkt seiner Darstellungen häuslichen Lebens.[3]

Einen Schwerpunkt und zugleich eine Sonderstellung nehmen in Larssons Oeuvre die Kinderportraits ein. Nachdem seine eigenen Kinder groß waren, nahm er des öfteren die Kinder seiner Nachbarn als Modell. Die entstandenen Portraits schenkte er meist den Eltern[4]. Unser Aquarell zeigt Sven, den Sohn von Dr. Malmström. Larsson schenkte dem Arzt das Portrait als Dank für die Behandlung einer seiner Töchter. Der kleine, blonde Junge hält ein Pferdchen in seiner linken, ein Schnitzmesserchen in seiner rechten Hand und blickt mit seinen großen, dunklen Augen den Betrachter direkt an.

Seit Mitte der 1890er Jahren entwickelte Larsson einen eigenen linearen Stil, der jede Figur und jeden Gegenstand mit einer schwarzen Kontur umzog. Auch an unserem 1917 entstandenen Aquarell benutzte er diese Technik. Die Rottöne der Kinderkleidung und die geröteten Wangen stehen in reizvollem Kontrast zu dem unbehandelten weißen Aquarellpapier.


[1] Fehlerhafte Angabe in Bezug auf das Modell, das Neergaard als Sven Nordlund anführt.

[2] Biographische Angaben vgl. Johann Georg Prinz Hohenzollern (Hg.), Carl Larsson: Ein schwedisches Märchen. Kat. Ausst. München, Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München 2005, S. 38-59.

[3] Vgl. Larsson, 2005, op. cit., S. 138 und S. 140. Larsson machte sein Haus mit dem 1899 veröffentliche Buch Ett Hem (‚Unser Heim’) der schwedischen Bevölkerung zugänglich und zeigt durch seine Illustrationen das Idealbild des gemütlichen Heims und der glücklichen Familie.

[4] Carl Larsson, Matts Larsson, 1911, Aquarell auf Papier, 64 x 46 cm, signiert mit Widmung, Stockholm, Nationalmuseum, Inv. Nr. NMB 2514. Das Portrait war Teil des 1913 herausgegebenen Bildbandes Andras barn (‚Anderer Leute Kinder’) mit einer Auswahl von Larssons Kinderportraits.

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