Carl Schuch

Carl Schuch (1846 - Wien - 1903)

Gebirgsbach mit Wasserfall, Saut du Doubs, um 1890

Öl auf Leinwand, 60,3 x 81,8 cm
Signaturstempel in Schwarz unten rechts CSchuch
Mehrere Etiketten rückseitig auf dem Keilrahmen, darunter eines bezeichnend Ch. Schuch No 332 / Wildbach bei Saut de Doubs

Provenienz:
Nachlass des Künstlers; verkauft 4. Januar 1911
Karl Haberstock, Berlin; verkauft 4. Oktober 1912
Eugen Deter, Berlin
Hugo Helbing, München, 16. Oktober 1928, Los 86
Hugo Helbing, München, 10. März 1932, Los 145
Hugo Helbing, München, 21. Dezember 1932, Los 115
Friedrich Kaltreuther, Mannheim
Carl Wambsganss, Mannheim; erworben 1935, als Dauerleihgabe in der Städtischen Kunsthalle Mannheim (Inv. S 9)
Nachlass Wambsganss
Privatsammlung, Deutschland

Literatur:
Karl Hagemeister, Karl Schuch. Sein Leben und seine Werke, Berlin 1913, Abb. S.164
Arnold Gehlen, Zeit-Bilder, Frankfurt am Main 1960, S.57
Rudolf Migacz, Carl Schuch als Landschaftsmaler, Diss., Universität Wien, 1973, S.78 und Nr. 116.

Ausstellung:
Als Dauerleihgabe in der Städtischen Kunsthalle Mannheim (Inv. S 9), bis 2008
Carl Schuch 1846-1903, Städtische Kunsthalle Mannheim, 8. März - 19. Mai 1986, und Städtische Galerie im Lenbachhaus, München, 11. Juni - 11. August 1986, Kat. Nr. 123, S.332f
Carl Schuch: Ein europäischer Maler, Österreichische Galerie Belvedere, Wien, 26 Juni - 14. Oktober 2012, Kat. S.136.

Das Gemälde ist im Carl Schuch-Archiv (E.1)/ Nachlass Claus Korte, Morat-Institut für Kunst und Kunstwissenschaft, Freiburg im Breisgau, nachgewiesen und wird in den Carl Schuch-Catalogue raisonné von Roland Dorn, gegründet und unterstützt durch großzügige Zuwendungen der Carl Schuch-Gesellschaft, Zürich, aufgenommen (Nr. C82).

Zwischen den Jahren 1886 bis 1893 verbrachte Carl Schuch die Sommermonate in der französischen Schweiz am Saut-du-Doubs, einem Wasserfall des Flusses Doubs in der Franche-Comté, nahe der Grenze Frankreich-Schweiz, unweit von La Chaux-de-Fonds gelegen. Die Landschaft dieser Region ist von außergewöhnlicher Schönheit, berühmt für ihre Seen, Wälder und Wasserfälle. Schuch dürfte Gebirgsbach mit Wasserfall, Saut du Doubs im Sommer 1890 gemalt haben. Wie die etwa gleichzeitig von seiner Hand entstandene Ölstudie Doubs Tal, die ebenfalls um 1890 datiert wird[1], führte er auch vorliegendes Gemälde sur le motif aus. Beide Werke zeigen das gleiche landschaftliche Motiv aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Die am Saut-du-Doubs entstandenen Landschaften Schuchs haben den Kunsthistoriker Arnold Gehlen im Jahre 1960 dazu veranlasst, dessen Werk neben jenes Cézannes zu stellen.[2] Im Jahr 2000 wurde dieser Aspekt im Rahmen der Ausstellung Cézanne, Manet, Schuch: Drei Wege zur autonomen Kunst, aufgegriffen. Der die Ausstellung begleitende Katalog und die darin enthaltenen wissenschaftlichen Beiträge etablierten das kunsthistorische Urteil Gehlens.[3]

Erst in den letzten drei Jahrzehnten wurde das Werk Carl Schuchs, dessen Bilder in vielen namhaften Schausammlungen deutscher und österreichischer Museen vertreten sind, einer größeren Öffentlichkeit bewusst.[4] Dazu trug der von Claus Korte zusammengetragene und von Roland Dorn weiterbearbeitete Werkkatalog ebenso bei, wie die große 1986 in München und Mannheim gezeigte Retrospektive, sowie die große Schuch Ausstellung im Belvedere, Wien, im Jahr 2012. Verdeutlichte die Ausstellung in Dortmund im Jahr 2000 welcher Platz Schuch in der Geschichte der europäischen Malerei zufällt, ermöglichte der Katalog der jüngsten Wiener Ausstellung 2012 durch die erstmalige Veröffentlichung der Notizbücher Schuchs einen Einblick in dessen künstlerische Wollen und Arbeiten.[5]

Die Diskrepanz zwischen Schuchs Bekanntheit und seiner Bedeutung für die deutsche und europäische Malerei in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde durch die erwähnten Ausstellungen zwar vermindert, aber nicht gänzlich aufgehoben.

Zu Lebzeiten Schuchs war dessen Werk völlig unbekannt. Der materiell unabhängige Künstler hatte lediglich einmal an einer Ausstellung teilgenommen und auch nur ein einziges Bild verkauft. Ansonsten waren seine Gemälde nur im Kreis befreundeter Künstler bekannt und teilweise auch in deren Besitz. Schuch hatte immer das Gefühl, künstlerisch hinter den eigenen Erwartungen zurückzubleiben, und sich deshalb die Teilnahme an weiteren Ausstellungen versagt.

Nach einer Ausbildung in Wien verbrachte Schuch sein restliches Leben an wechselnden Orten. Hervorzuheben ist München, wo der junge Maler unter dem Einfluss Trübners und dem Kreis der Maler um Leibl stand, sowie Italien, besonders Venedig, und zuletzt Paris. Er starb in geistiger Verwirrung nach zehnjährigem Leiden, wahrscheinlich den Spätfolgen einer syphilitischen Erkrankung, 1903 in einer Anstalt.

Von 1882 bis 1894 bezog Schuch Wohnsitz und Atelier in Paris. Er beschäftigte sich, wie andere Künstler aus dem deutschsprachigen Raum, intensiv mit der französischen Avantgarde. Die Besonderheit lag darin, dass sich diese Beschäftigung auf Augenhöhe vollzog. Seine sensible Auseinandersetzung mit den Werken Courbets, Manets und Cézannes unterscheidet sich von der oft retardierten, epigonalen Rezeption vieler anderer Maler.

Schuchs Stillleben sind heute ebenso begehrt wie seine Landschaften. Dies sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass er selbst noch radikaler als sein künstlerisches Umfeld die Umkehr der Rangfolge der Gattungen in der Malerei betrieb. An erster Stelle stand nicht mehr die Historienmalerei, sondern die Landschaft. In der Reihenfolge vom ‚Niedern zum Höhern’ sah Schuch die Figur, das Stillleben, das Architekturstück, die Landschaftsstudie und zuoberst das Landschaftsbild.[6] Die Beherrschung von Architekturstück und Stillleben begriff er als Entwicklungsschritte hin zu der Fähigkeit, das ‚ideale Landschaftsbild’ zu malen.


[1] Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München; Agnes Husslein-Arco und Stephan Koja (Hrsg.), Carl Schuch: Ein europäischer Maler, Kat. Ausst., Österreichische Galerie Belvedere, Wien 2012, Abb. S.134.

[2] Arnold Gehlen, Zeit-Bilder, Bonn 1965², S.57: Die Deutschen haben in der Malerei keine Fortune…Carl Schuch erreichte kurz vor seinem Zusammenbruch um 1890 in seinen Landschaften vom Saut du Doubs einen großartigen Stil der Objektbeherrschung rein von der Farbe und Bildfläche her, der sich, ganz originell, neben den besten Werken Cézannes hält – alles folgenlos...

[3] Brigitte Buberl (Hrsg.), Cézanne, Manet, Schuch: Drei Wege zur autonomen Kunst, Kat. Ausst., Dortmund, Museum für Kunst und Kulturgeschichte, 30. Mai bis 30. Juli 2000, München 2000.

[4] Erst jüngst, im Jahr 2013, erwarb die Alte Nationalgalerie Berlin Schuchs Toter Fuchs von Daxer & Marschall.

[5] Roland Dorn, in Husslein-Arco and Koja, op. cit.

[6]Vgl. op. cit. Carl Schuch. 1846-1903, S. 20.

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