Charles-François Eustache

Charles-François Eustache (Paris 1820 - 1870 Cherbourg)

Landschaft im Vorderen Orient, 1840er Jahre

Öl auf Papier auf Leinwand, 28 x 42,4 cm
Rückseitiger Stempel der vente d'atelier Ch. Eustache

Provenienz:
Vente d'atelier Charles-François Eustache

 

 

Charles-François Eustache konnte sich, gestützt auf sein privates Vermögen, der Malerei widmen ohne vom Geschmack des Publikums abhängig zu sein. Vertreten auf den Pariser Salons der Jahre 1849, 1850 und 1852 geriet er nach seinem frühen Tod 1870 in Vergessenheit, um erst hundert Jahre später durch die Initiative einer Pariser Kunstgalerie wieder entdeckt zu werden.

Geboren 1820 in Paris, wurde Eustache zunächst Schüler des Landschafts- und Orientmalers Prosper Marilhat (1811-1847), den er auch auf eine Reise in den nahen Osten begleitete.[1] Freundschaftliche Verbindung pflegte er mit den Malern Charles Desprez (1818 - nach 1852) und Eugène Fromentin (1820-1876), mit denen er auch seine Begeisterung für das Reisen teilte – so 1842 und 1847 nach Ägypten und Nubien. Außerdem bereiste er Italien, Korsika, die Provence und die Schweiz. In Genf lernte er, wohl vermittelt durch seinen Freund Desprez, Alexandre Calame kennen und schätzen. Eustache ist als Künstler durchaus experimentierfreudig. So beschäftigt er sich, wohl angeregt von einer Reise durch England und Schottland, ausgiebig mit Wolkenstudien. 1851 rückt die Darstellung des Eisenwerkes und der Gießerei in Fourchambault, die sich im Besitz der Familie seiner früh verstorbenen Frau befanden, in den Vordergrund.

Dennoch ist es der vordere Orient, vor allem die abwechslungsreiche Landschaft Ägyptens die ihn zeitlebens beschäftigt.[2] Auch nachdem Eustache 1857 aufgrund gesundheitlicher Probleme nicht mehr Reisen konnte und in Cherbourg sesshaft wurde, malte er im Atelier orientalische Sujets aus der Erinnerung und mit Hilfe seiner zahlreichen, vor Ort entstandenen Ölskizzen.[3] Unsere Ölstudie entstand wohl in Ägypten. Der Maler richtet seine Aufmerksamkeit auf die Schichtung des rötlichen, eisenhaltigen Gesteins welches gegen den begrünten Vordergrund kontrastiert. Es könnte sich um eine Landschaft im Sinai oder eine Landschaft am Nil handeln.[4] Eustache gelingt durch das Staffeln sukzessiver Lichtzonen eine eigenständige Organisation des Raumes.[5] Fein modelliert, jedoch mit schnellen Pinselstrichen ausgeführt, sind die einzelnen Gesteinsschichten der rötlichen Felswand vor den klare blauen Himmel gesetzt. Die Hütte im Mittelgrund schmiegt sich an die felsige Umgebung.


[1] Biographische Angaben zu Eustache vgl. Patrice Marandel, 'Pour Charles-François Eustache (1820-1870)', in L'Œil, Nr. 267, Paris 1977, S. 28-33.

[2] In der damaligen Zeit bezog sich der Terminus Orient auf Nordafrika und den Mittleren Osten. Verstärkt durch Napoleons zwar erfolglose Ägyptische Expedition 1789-1801, wurde das Land der Pharaonen für Künstler ein interessantes Reiseziel. Jean-Léon Gérôme (1824-1904), der wohl bekannteste Orientalist unter den französischen Malern des 19. Jahrhunderts, bereiste etwa zwölf Mal den nahen und mittleren Osten. Vgl. Jennifer Meagher, 'Orientalism in Nineteenth-Century Art', in Heilbrunn Timeline of Art History. New York 2000: http://www.metmuseum.org/toah/hd/euor/hd_euor.htm (25.09.2014).

[3] Neben orientalischen Motiven beschäftigte sich Eustache nach 1857 vor allem mit der Umgebung von Cherbourg. Es entstehen Ansichten der Normandie in Öl, aber auch in Pastell und Kohle.

[4] Einige Briefe von Eustache an seine Mutter haben sich erhalten, ebenso Briefwechsel mit Desprez. Sein Tagebuch und Reiseberichte jedoch sind nicht auffindbar. Vgl. Marandel, op., cit. S. 28.

[5] Vgl. Gérald Schurr und Pierre Cabanne, Dictionnaire des Petits Maistres de la peinture 1820-1920, Bd. I, Paris 1996, S. 411-412.

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