Christian Daniel Rauch

Christian Daniel Rauch (Arolsen 1777 - 1857 Dresden)

Elisabeth Königin von Preußen, Berlin, 1841

Carrara Marmor, 34,2 x 36,2 x 5,4 cm
Inschrift ELISABETH KOENIGIN.V. PREUSSEN

Provenienz:
Auguste von Liegnitz, zweite Gemahlin König Friedrich Wilhelms III. von Preußen; Für ihre Villa Liegnitz, am Grünen Gitter, Park Sanssouci, Potsdam;
Privatsammlung, Berlin

Literatur:
Jutta von Simson, Christian Daniel Rauch, Berlin 1996, S. 359, Nr. 226
Guido Maaz (Hg.), Nationalgalerie Berlin. Das XIX. Jahrhundert, Bestandskatalog der Skulpturen, II, Leipzig 2006, Nr. 788

 

 

1835 beauftragte Fürstin Auguste von Liegnitz, die zweite Frau des Preußischen Königs Friedrich Wilhelm III., den Bildhauer Christian Daniel Rauch mit dem Relief der Kronprinzessin Elisabeth Ludovika von Bayern, Gemahlin des Kronprinzen und späteren Königs Friedrich Wilhelm IV (1795-1864). Bisher war das Relief lediglich als Gips bekannt.[1]

Die vorliegende, kürzlich wieder entdeckte Fassung in weißem Marmor galt als verschollen. 1841, nach dem Tod Friedrich Wilhelms III., ließ sich dessen Witwe, Fürstin von Liegnitz, am Schlosspark in Potsdam-Sanssouci eine Villa umbauen. Zur Ausstattung der Villa Liegnitz beauftragte sie Rauch mit dem vorliegenden Reliefbildnis der neuen Königin, Elisabeth von Preußen, in weißem Marmor aus Carrara.[2]

In der Tradition von Reliefbildnissen der Renaissance stellt Rauch Elisabeth in einer Rundbogennische dar, die in eine annähernd quadratische Platte eingelassen ist. Die Zwickel oberhalb der Nische, dabei das Profil am Rand der Platte überspielend, füllen links der bayerische Löwe auf einem Ölzweig und rechts der preußische Adler (wohl auf einem Palmwedel). Elisabeth selbst, deren Haar zu Schläfenlocken und einem Knoten am Hinterkopf frisiert ist, wird als Büste im strengen Profil nach rechts gegeben. Ihre Schulter kleidet ein leicht über die Brüstung hängender Hermelin. In der linken Hand hält Elisabeth Blätter und Blütenstand eines Maiglöckchens, das als ihre Lieblingsblume galt und als Essenz in der Volksmedizin bei Herzleiden verwandt wurde.[3]

Christian Daniel Rauch, Sohn eines fürstlich Waldeckschen Kammerdieners, absolvierte eine Steinmetzlehre in Helsen und arbeitete bei dem Bildhauer Christian Ruhl in Kassel. Nach dem Tod seines älteren Bruders hatte er die finanzielle Versorgung der Familie zu tragen und ging in dessen Nachfolge nach Potsdam in königliche Dienste. Als Kammerdiener der Königin Luise (1776-1810) gestattete man ihm, sich weiter der Bildhauerei zu widmen. Durch eine 1802 auf der Berliner Akademie-Ausstellung gezeigte Arbeit wurde der damalige Hofbildhauer Johann Gottfried Schadow auf ihn aufmerksam. 1804 quittierte Rauch den königlichen Dienst und reiste 1805 nach Rom. Dort verkehrt er im Hause Wilhelm von Humboldts und bezog Anregungen von Antonio Canova, Bertel Thorvaldsen und dem Archäologen Friedrich Gottlieb Welcker. Seit 1812 war Rauch in Carrara mit der Marmorausführung des Grabmals für die 1810 verstorbene Königin Luise beschäftigt. 1819 errichtete er eine Werkstatt in der Berliner Klosterstraße, wo er mit Friedrich Tieck und Karl Friedrich Schinkel zusammenarbeitete. Neben Aufträgen aus Berlin war Rauch vor allem für Ludwig I. von Bayern tätig. Seine letzte Schaffenszeit war ausgefüllt mit der Gestaltung des Denkmals für Friedrich den Großen. Rauch, der bereits zu Lebzeiten als der größte deutsche Bildhauer gefeiert wurde, begründete eine eigene Bildhauerschule, aus der bedeutende Schüler wie Ernst Rietschel, Friedrich Drake, August Kiss oder Reinhold Begas hervorgingen.[4]


[1] Christian Daniel Rauch, Elisabeth, Kronprinzessin von Preußen, Gips, 34 x 36 cm, Inschrift: ELISABETH KRONPRZS. V. PREUSSEN, Nationalgalerie Berlin, Inv.-Nr. RM 259.

[2] Das Reliefbildnis wurde 1842 ein weiteres Mal in Marmor als Geschenk Friedrich Wilhelms IV. für Königin Victoria von England ausgeführt. Rauchs Tagebuch (21.12.1842) vermerkt auf dessen Rückseite Mamorviktorien, weshalb es sich nicht um das hier vorgestellte Relief handeln kann, vgl. Maaz, op. cit., S. 545 und Simson, op. cit. S. 359.

[3] Beschreibung nach Maaz, op. cit., S. 544f.

[4] Biographischer Abriss nach Bott, Gerhard u. H. Spielmann (Hg.), Künstlerleben in Rom. Bertel Thorvaldsen (1770-1844). Der dänische Bildhauer und seine deutschen Freunde, Kat. Ausst. Germanisches Nationalmuseum Nürnberg,, Nürnberg 1991, S. 730.

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