Christian Friedrich Gille

Christian Friedrich Gille (Ballenstedt 1805 - 1899 Dresden)

Unterholz an einem Bachlauf, Dresden um 1830/35

Öl auf Papier, auf Pappe aufgezogen, 25,4 x 33,2 cm
Verso in Bleistift bezeichnet Gille

Provenienz:
Dresdner Privatbesitz
Prof. Ingrid Schegk, bei München
Privatbesitz Berlin

 

 

Das Ehepaar Spitzer, Dresden, hat die Zuschreibung und die Datierung mündlich bestätigt. Herrmann Zschoche (Schwenow, Brandenburg) hat das Gemälde im Original begutachtet und die Zuschreibung bestätigt. Die Handschrift der rückseitigen Bezeichnung Gille ist ihm auch von einer Reihe anderer Studien Gilles bekannt und ist wohl während der Aufbereitung des Nachlasses aufgebracht worden.

Die vorliegende Studie datiert Anfang der 1830er Jahre. Stilistisch vergleichbar sind die Ölskizzen Garten, um 1835 und Baumkronen gegen blauen Himmel, um 1834.[1] Im Vergleich mit frühen Baumgruppen-Studien wird die Hinwendung Gilles zu einer von hergebrachten Konventionen gelösten summarischen Auffassung sichtbar. Das direkte Licht modelliert und schärft die Konturen, bei Halbschatten und Schatten werden die Konturen weich, verschwinden fast. Dies lässt sich auch an der Skizze Im Parkgrund,  ebenfalls in die 30er Jahre datiert, beobachten.[2]

Christian Friedrich Gille war Schüler von Johan Christian Dahl und einer der führenden Vertreter der plein-air Malerei. Die meisten von Gilles Motiven sind kleine, unspektakuläre Ansichten vor der Natur, meist aus Dresden oder seiner näheren Umgebung. Der heutigen Kunstgeschichte gilt Gille als einer der wichtigsten Dresdener Landschafter der Romantik und als Mitbegründer einer unsentimentalen realistischen Landschaftsmalerei.

Hans Joachim Neidhardt beurteilt Gille mit folgenden Worten: Von allen Schülern Johan Christian Dahls ist Gille der bedeutendste. Er ist am weitesten über seinen Lehrer hinausgegangen. Als er 1827 in Dahls Atelier eintrat, war jener gerade von seiner so ergebnisreichen Reise durch Norwegen zurückgekehrt. … Gille knüpfte an Dahls Naturstudien an und entwickelte aus der Lockerheit ihrer abkürzenden Pinselschrift seinen eigenen breiten Malstil. Er sah, im Gegensatz zu Dahl, seine vor der Natur geschaffenen Studien nicht als Vorarbeiten zu größeren Gemälden an, sondern malte sie um ihrer selbst willen. In seinen besonders durch den Dresdner Sammler Friedrich Lahmann wiederentdeckten und bewahrten Landschaftsbildchen äußert sich ein starkes koloristisches Temperament, eine elementare Freude am Malvorgang und natürlich auch am Motiv. Gille wurde in der Nachfolge Dahls zum eigentlichen Maler der Dresdener Landschaft, die er mit tiefem Verständnis für die Eigenart einfühlsam interpretierte. Dabei verbindet ihn das lebhafte Interesse an atmosphärischen Erscheinungen, das durch zahlreiche Wolkenstudien belegt ist, mit Dahl und Carus. Was diese Landschaftsstudien kunstgeschichtlich so bedeutsam macht, ist die neuartige ästhetische Einstellung, aus der heraus sie entstanden sind. Es ist das Streben, das schnell Vergängliche eines optischen Eindrucks mit raschem Pinsel festzuhalten.[3]


[1] Ausst. Kat., Christian Friedrich Gille 1805-1899, bearbeitet von Gerd Spitzer, Staatliche Kunstsammlungen Dresden und Kunsthalle Bremen 1994-95, Leipzig 1994, Kat. Nrn. 17 und 19.

[2] Ausstl Kat. Gille, op. cit. Kat. Nr. 10.

[3] Hans Joachim Neidhardt, Die Malerei der Romantik in Dresden, Leipzig 1976, S. 191 f.

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