Johan Christian Clausen Dahl

Johan Christian Clausen Dahl (Bergen 1788 - 1857 Dresden)

Abenddämmerung über Dresden, 1841

Öl auf Karton, 6,5 x 11,7 cm
Monogrammiert und datiert unten rechts D. / 1841
Rückseite einer Einladungskarte der Dresdner FLORA Einladung zur Monats-Versammlung der FLORA für / Herrn Professor Dahl / Local: im Zwinger Salon /
Zeit: Donnerstag 4. Juny / präcise 5 Uhr

Provenienz:
Wohl Frau von der Decken, Dresden (seit 1845)
Süddeutscher Privatbesitz

 

Immer wieder hat Johan Christian Dahl Dresden, seine zweite Heimat, aus verschiedenen Blickpunkten und zu unterschiedlichsten Tageszeiten dargestellt. Nach Beendigung seines Studiums an der Akademie der schönen Künste in Kopenhagen, begab sich der Norweger im Sommer 1818 auf die ‚Grand Tour’ und machte im Herbst des Jahres in Dresden Halt. Er befreundete sich mit Caspar David Friedrich. Im Anschluss an seine 1820 begonnene Italienreise ließ er sich 1821 dauerhaft in Dresden nieder. Ab 1823 lebte er gemeinsam mit Friedrich in einem Haus mit Blick auf die Elbe. Dahl ist zusammen mit Friedrich und Carl Gustav Carus der wichtigste Dresdner Künstler der Epoche und prägend für die deutsche Malerei der Romantik.[1]

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Abb. 1 Dresden bei Mondlicht, 1841

Eines seiner Lieblingsmotive war, wie in der erstgenannten der hier vorgestellten Skizzen, die sich gegen den Abendhimmel abzeichnende Dresdner Stadtsilhouette mit ihren charakteristischen Türmen und Kuppeln. Man blickt auf das weitläufige Panorama Dresdens, am Horizont von den bewaldeten Hügeln des Elbtals begrenzt. Wie so oft bei Dahl, ist der Abendhimmel mit seinem reichen Farbspektrum besonders eindrucksvoll. Den leicht erhöhten Standort hat er bei dieser Ölskizze anders als bei den meisten Dresden Ansichten – beispielsweise jener, ebenfalls 1841 entstandenen Fassung Dresden bei Mondlicht in der Niedersächsischen Landesgalerie in Hannover (Abb. 1)[2] – auf die rechte Elbseite verlagert. Trotz der geringen Bildmaße und des flüssigen Pinselduktus ist die Stadtsilhouette präzise festgehalten - von links nach rechts der Turm der Kreuzkirche, die Kuppel und die Türme der Frauenkirche, der Hausmannsturm der Residenz und der Turm der Hofkirche. Ein qualmender Fabrikschornstein am linken Bildrand und der Elbsegler dokumentieren die beginnende Industrialisierung und die wirtschaftliche Prosperität der Stadt.

Beide Ölskizzen wurden auf Rückseiten von Einladungskarten der Dresdner Flora, der Gesellschaft für Botanik und Gartenbau, ausgeführt (Abb. 2). Dahl war Mitglied dieser Vereinigung und hat die monatlich versandten Einladungskarten des Öfteren als Malkartons für kleine Ansichten genutzt, die er dann gerne als Freundschaftsgaben verschenkte.[3]

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Abb. 2 Flora Einladungskarte, Rückseite von 'Die Augustusbrücke bei Mondschein'

Die zweite Ölskizze Die Augustusbrücke bei Mondschein war bisher nur durch eine Nachzeichnung in der Billedgalleri in Bergen bekannt. Sie ist Bestandteil von Dahls Liber Veritatis, einer Sammlung von Zeichnungen, die der Maler seit Mitte der 1820er-Jahre zu seiner Erinnerung an verkaufte oder verschenkte Werke fertigte, meist mit Maßen und Informationen zum Eigentümer des zugehörigen Gemäldes. Auf der Nachzeichnung der Augustusbrücke bei Mondschein notierte Dahl, dass er die Ölskizze 1845 Frau von der Decken überlassen hatte. Zwischen 1837 und 1856 schenkte er seiner in Dresden ansässigen guten Freundin des Öfteren ein kleines Bild zu Weihnachten. Sie verwahrte diese in einem zu diesem Zwecke angelegten Album.[4]

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Abb. 3 Die Augustusbrücke in Dresden während der Reparatur 1845

Das Motiv der Dresdner Augustusbrücke hat Dahl wiederholt beschäftigt. Allein aus dem Jahr 1845 existieren drei Ölskizzen[5] der Elbbrücke, die alle den Hochwasserschaden von 1845 thematisieren. Zu Weihnachten 1845 schenkte Dahl seiner Tochter Caroline eine ebenso kleine Ölskizze, die wie unser Bild an die Zerstörung der Elbbrücke durch die Wasserfluten im März erinnert. Im August 1845 entstand eine etwas größere nächtliche Dresden Ansicht (Abb. 3), welche ebenfalls die Reparatur der Brücke und Nutzung einer Notbrücke darstellt. Alle drei Gemälde tragen eine rückseitige Anmerkung über das Ereignis, das als Sächsische Sintflut in die Geschichte einging. Das extreme Hochwasser der Elbe mit einem Höchststand von 8,77 Meter brachte am 31. März 1845 den fünften Pfeiler der Augustusbrücke zum Einsturz.[6]

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Abb. 4 Boote auf der Elbe, 1833

Dahl bindet das aktuelle Tagesgeschehen um die Brücke in die Darstellung einer stimmungsvollen Mondnacht ein. Auch an dieser Skizze kann man die Meisterschaft Dahls, seine Detailgenauigkeit im kleinen Format, bewundern. Den Standpunkt hat der Maler am linken Elbufer unterhalb der Semperoper gewählt. Man blickt flussaufwärts in Richtung Augustusbrücke. Auf der Befestigungsanlage stehen Schaulustige. Die hölzerne Behelfskonstruktion rechts und links des beschädigten Brückenpfeilers liegt im Fackelschein, der sich zusammen mit dem Mond in der Elbe spiegelt. Die Takelage der Elbsegler im Vordergrund setzt sich gegen den Nachthimmel ab. Der Komposition der Ölskizze liegt eine 1833 entstandene Zeichnung zu Grunde (Abb. 4)[7].


[1]  Hans-Joachim Neidhardt, 'Johan Christian Dahl – ein norwegischer Maler in Dresden', in Johan Christian Dahl 1788-1857. Ein Malerfreund Caspar David Friedrich, Kat. Ausst., München, Neue Pinakothek, München 1988, S. 15-19.

[2] Dresden bei Mondlicht, 1841, Öl auf Leinwand, 26,7 x 34,5 cm, Hannover, Niedersächsischen Landesgalerie. Bang, op. cit., Bd. II, Nr. 953.

[3] Vgl. Bang, op. cit., Bd. I, S. 11.

[4] Vgl. Bang, op. cit., Bd. I, S. 93, Bd. II, S. 271 und S. 389. Bang führt insgesamt fünfzehn Bildgeschenke an.

[5] Die Augustusbrücke in Dresden, 1845, Öl auf Leinwand, 9 x 14 cm, Privatsammlung Norwegen. Vgl. Bang, op. cit., Bd. II, Nr. 1034. Die Augustusbrücke in Dresden während der Reparatur, 1845, Öl auf Leinwand, 25,5 x 37 cm, Bergen Billedgalleri, Inv.-Nr. 148 (1901). Vgl. Bang, op. cit., Bd. II, Nr. 1026 (Abb. 3).

[6] Vgl. Guido N. Poliwoda, Aus Katastrophen lernen: Sachsen im Kampf gegen die Fluten der Elbe 1784 bis 1845, Köln 2007, S. 211-2.

[7] Boote auf der Elbe, 1833, Bleistift auf Papier, 7,1 x 10,7 cm, Oslo, Nasjonalmuseet, Inv.-Nr. NG.K& H.B.08052.

 

 

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