Ernst Wilhelm Nay

Ernst Wilhelm Nay
(Berlin 1902 - 1968 Köln)

Scheibenbild, 1955

Aquarell auf Papier, 17 x 25 cm
Signiert und datiert unten rechts Nay. 55
verso Bleistiftzeichnung (Abb. 1)

Provenienz:
Privatsammlung, Malmö.
Die Ernst Wilhelm Nay Stiftung wird die Arbeit in Band III des bevorstehenden Werkverzeichnisses der Aquarelle, Gouachen und Zeichnungen von E.W. Nay unter der Nummer CR 55-047.1 aufnehmen.

 

Das vorgestellte Aquarell ist ein frühes Beispiel der sogenannten Scheibenbilder, die Wilhelm Nay zwischen 1954 und 1962 beschäftigten und heute zu seinen gesuchtesten Arbeiten zählen. Mit den Scheibenbildern fand Nay – ein Einzelgänger, der sich keiner Künstlergruppierung anschloss, wenn er auch dem deutschen Informel nahestand – schließlich endgültig zu einer abstrakten Bildsprache. 1955 legt er in seiner Schrift „Vom Gestaltwert der Farbe“, die Genese der Scheibenbilder dar:

So fing ich mit sehr harmlosen neuen Versuchen an und stellte fest: Wenn ich mit einem Pinsel auf die Leinwand gehe, gibt es einen kleinen Klecks, vergrößere ich den, dann habe ich eine Scheibe. Diese Scheibe tut natürlich auf der Fläche schon eine ganze Menge. Setze ich andere Scheiben hinzu, so entsteht ein System von zumindest farbigen und quantitativen Größenverhältnissen, die man nun kombinieren und weiterhin zu größeren Bildkomplexen zusammenbauen könnte.1

Abb. 1 Rückseite

Nay war einer der jüngsten Künstler gewesen, die 1937 in der Münchner Ausstellung Entartete Kunst diffamiert worden waren. Erst nach 1945 konnte er sich wieder der Malerei widmen. In einem zwei Jahrzehnte andauernden Prozess entfernte sich Nay dann zunehmend von der gegenständlichen Malerei. Während frühere Gemälde und Zeichnungen Dünen und Fischer, Berge und Seen zeigen, tritt in den 1940er Jahren die Farbe in den Vordergrund, Körper und Gegenstände treten zurück, um für Nay nach und nach an Bedeutung zu verlieren.2 Angeregt fühlte sich der in Köln lebende Künstler von der in den 50er Jahren bereits besonders regen Szene für zeitgenössische Musik, worauf auch Titel seiner Arbeiten dieser Zeit verweisen – Vokalklang (1952, WV 604), Silbermelodie (1952, WV 600) oder Schwarze Rhythmen, Rot zu Grau (1952, WV 629).

Die Scheibenbilder haben maßgeblich dazu beigetragen, die abstrakte Moderne in Deutschland zu etablieren. Mit ihnen etabliert sich Nay als einer der wichtigsten deutschen Künstler der Nachkriegszeit.

 


1 Magdalene Claesges, E. W. Nay. Lesebuch, Köln 2002, S. 246.

2 Zu Nays Biographie siehe Aurel Scheibler, Ernst Wilhelm Nay. Werkverzeichnis der Ölgemälde, Bd. 1, Köln 1990, S. 7-24.

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