Etienne-Joseph Bouhot

Etienne-Joseph Bouhot (Bard-lès-Époisses 1780 - 1862 Semur-en-Auxois)

Pendant-Ansichten der zerstörten Kapelle von Château de Bard, Burgund, 1826 und 1827

Öl auf Leinwand, je 40,5 x 33,2 cm
signiert und datiert unten rechts Bouhot / 1827 (Abb. links) und Mitte rechts Bouhot / 1826 (Abb. re)
rückseitig auf der Leinwand handschriftlich Chapelle du / Château de Bard
sowie Leinwandstempel Au /Gente des Arts/…Rue du Colombier/No. 30
auf dem Keilrahmen von anderer Hand Chapelle de Chateau / de Bard Côte d’Or /ou est né Victor de Lanneau

 

 

 

 

 

 

 

 

Etienne-Joseph Bouhot absolvierte eine Ausbildung in Dijon, bevor er 1801 zur Weiterbildung nach Paris übersiedelte. Bereits 1808 debütierte er im Salon mit La Place Vendôme[1] und avancierte in kurzer Zeit zu einem renommierten Maler topographischer Ansichten von Paris, die sich heute zu einem großen Teil im Musée Carnavalet, Paris, befinden. Seine Veduten zeichnen sich durch ihre Präzision im Detail, in der Perspektive und in der Lichtführung aus.

Bouhot ist insofern ein typischer Maler der Restauration, als viele seiner Werke sich mit historischen Monumenten beschäftigen, mit eben jenem vorrevolutionären Frankreich welchem sich seine großteils dem Adel und Hochadel entstammenden Auftraggeber zugehörig fühlten.[2] Sein bedeutendes Gesamtwerk umfasst auch Interieurs, Landschaften, Panoramen und das Genre des Alltagslebens. Bereits 1822/23 galt seine besondere Aufmerksamkeit den Monumenten und Landschaften seiner Heimat Burgund.[3] Ein Großteil dieser Arbeiten befindet sich heute im Musée de Semur-en-Auxois, wo Bouhot seit 1834 als Direktor tätig war und auch sein Nachlass einschließlich der umfänglichen Zeichenbücher verwahrt wird.

Die hier vorgestellten Ansichten zeigen die ruinösen Überreste der Kapelle des Schlosses von Bard-lès-Époisses. Das kleine Dorf, Geburtsort des Künstlers, liegt etwa 15 Kilometer nordwestlich von Semur-en-Auxois. Die Gemälde entstanden als Auftragsarbeiten für seinen Freund Victor de Lanneau (1758-1830), dessen Familie das Schloss gehörte. Bereits 1824 hatte Bouhot für ihn eine Gesamtansicht des Anwesens vollendet.[4] Miteinander bekannt waren die beiden schon früher. Bouhot hatte für de Lanneau, einen der prominentesten Reformpädagogen Frankreichs und Direktor des Collège Sainte-Barbe in Paris, bereits eine Ansicht dieser Bildungsanstalt gemalt.[5]

Die Darstellungen, welche sich in wechselnden Perspektiven ergänzen, zeigen die zerstörte gotische Saalarchitektur der Schlosskapelle, mit zwei Schiffen, ehemals zu je 4 vierstrahlig überwölbten Jochen. Die beiden unzerstörten Gewölbe werden noch von einem Rundpfeiler getragen. Die Größe der beiden Figuren, vermutlich der Künstler und sein Auftraggeber[6], veranschaulichen die ehemals stattliche Größe der Anlage. Ein zu Boden gefallener Gedenkstein für Henri de Lanneau[7], einen Vorfahren Victor de Lanneau’s, sowie ein auf dem anderen Gemälde sichtbares Allianzwappen[8] verweisen auf die ruhmreiche Familiengeschichte des Auftraggebers. Ob das heute nicht mehr erhaltene Schloss und seine Kapelle im Zuge der Revolution jene Zerstörungen erlitten haben, die auf den beiden Gemälden sichtbar sind, ist wahrscheinlich, jedoch nicht verbucht.

Wir danken Sandrine Balan, Musée des beaux-arts de Dijon und Alexandra Bouillot-Chartier, Musée municipal de Semur-en-Auxois, für die hilfreichen Informationen zur Erstellung des vorliegenden Dossiers.


[1] Öl auf Leinwand, 81 x 99cm, Paris, Musée Carnavalet.

[2] Gotischen Kathedralen, v.a Reims als Krönungsstätte der französischen Könige.

[3] Vgl. Balan, Sandrine (Hg.) Étienne Bouhot. 1780-1862. Kat. Ausst. Musée de Semur-en-Auxois 2001, S.43f und S.116 mit einem Überblick der bekannten Werke.

[4] Die Rechnungsbücher Bouhot’s listen drei Ansichten von Bard für Victor de Lanneau, freundliche Auskunft Mdme. Sandrine Balan, Musée des beaux-arts de Dijon.

[5] Öl auf Leinwand, 41 x 32,5 cm, vgl. Balan, op. cit., S. 48, Cat. 22, Anm. 38, und S. 108. Lanneau hatte das im Zuge der Revolution konfiszierte Collège - eine der wenigen noch erhaltenen Bildungsanstalten der Pariser Universität, die bis heute am selben Ort überdauert haben - 1797 erworben und richtete hier eine Oberschule ein.

[6] Im Jahr 1823 besuchte Bouhot Bard-lès-Époisses und wohnte bei de Lanneau, siehe Balan, op. cit., S. 44

[7] Henri de Lanneau/1525 [?] /Virtutis Bellicae /Praemium . Die Familie deutschen Ursprungs kam zu Beginn des 16. Jhts. nach Frankreich. Henri de Lanneau erlangte 1569 und 1589 unter den burgundischen Herzögen herausragende militärische Würden. Vgl. Dorigny Marcel. Victor Lanneau, prêtre, Jacobin et fondateur du Collège des Sciences et des Arts (1758-1830). In: Annales historiques de la Révolution française. N°274, 1988. Siehe auch Le Morvan révolutionnaire. Recherches sur les origines des traditions politiques en Morvan (XVIIIe et XIXe siècle). pp. 347-365.

[8] Wappen der Familie de Lanneau ( siehe Morena, Artikel 21072) : « d'azur à un barbeau d'argent posé en fasce, au chef aussi d'azur chargé de 3 besans d'or »

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