Ferdinand Georg Waldmüller

Ferdinand Georg Waldmüller (Wien 1793 - 1865 Hinterbrühl bei Wien)

Die Schauspielerin Therese Krones, 1824

Öl auf Holz, 46,8 x 37,4
Signiert und datiert unten links Waldmüller 1824
Rückseitig mit Etikett Graf Wimpffen, Hoher Markt 8

Provenienz:
Siegfried Graf Wimpffen, Wien
Gallery Jan Dik, München (1962)
Sammlung Georg Schäfer, Schweinfurt
Privatsammlung, Deutschland

Ausstellung:
Spitzen- und Porträt-Ausstellung, Vienna, K.K. Österreichisches Museum für Kunst und Industrie, März - Mai 1906
Österreichische Porträtausstellung 1815-1914, Künstlerhaus Wien Okt. - Dez. 1927, Nr. 23
‚Hagenbund’, Wien 1930, Nr. 25 (28)
Der frühe Realismus in Deutschland 1800-1850. Gemälde und Zeichnungen aus der Sammlung Georg Schäfer, Schweinfurt. Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum Jun. - Okt. 1967, S. 209 (Abb. 263).
Romantik und Realismus in Österreich. Gemälde und Zeichnungen aus der Sammlung Georg Schäfer, Schweinfurt, Laxenburg, Schloss Laxenburg Mai-Okt. 1968, S. 145 (Abb. 232)
Ferdinand Georg Waldmüller. Gemälde aus der Sammlung Georg Schäfer, Schweinfurt. Schweinfurt Sept.-Okt. 1978, Augsburg Nov. 1978 - Jan. 1979, Erlangen Jan. - Feb. 1979, Kiel März - Apr. 1979, Würzburg Juni - Juli 1979, S. 58 mit Abb. (Farbtafel 2)

Literatur:
Ludwig Hevesi, ‘Wiener Brief’, in Kunstchronik. Wochenzeitschrift für Kunst und Kunstgewerbe, XVII, Nr. 21, Leipzig 1905/06, S. 326
Arthur Roessler, Gustav Pisko, Ferdinand Georg Waldmüller. Sein Leben, sein Werk und seine Schriften, Wien 1907, 2. Bd., Abb. Nr. 10
Paul Wiegler, „Therese Krones“ in Velhagen & Klasings Monatshefte: 42. Jahrgang 1927/1928, Bd. 2, S. 472ff., Abb. S. 564
Bruno Grimschitz, Ferdinand Georg Waldmüller, Salzburg 1957, S. 287 (Nr. 131)
Maria Buchsbaum, Ferdinand Georg Waldmüller 1793-1865, Salzburg 1976, S. 41, Abb. 33
Gisela Müller, Ferdinand Georg Waldmüller: ein Beitrag zum Frauenbildnis im Biedermeier, St. Augustin 1985, S. 156ff.
Gerbert Frodl, Wiener Malerei der Biedermeierzeit, Rosenheim 1987, S. 262 f., Abb. S. 59
Ein Blumenstrauß für Waldmüller. Stillleben Ferdinand Georg Waldmüllers und seiner Zeit. Österreichische Galerie Belvedere, Wien 1993, S. 28f. (Abb. S. 29)
Rupert Feuchtmüller, Ferdinand Georg Waldmüller 1793-1865, Leben – Schriften – Werke, Wien/München 1996, S. 431 (Nr. 139 mit Abb.)
Agnes Husslein-Arco, Sabine Grabner (Hrsg.), Ferdinand Georg Waldmüller, Paris Feb. - Mai 2009, Wien Juni - Okt. 2009, S. 71

Waldmüllers Porträtkunst zeichnet sich bereits früh durch Ihre Singularität aus. Sie ist realistisch, nicht im Sinne früher Fotografie, als einfache Wiedergabe des Porträtierten, sondern als Suche nach seiner perfekten Charakterisierung. Oft erreicht der Künstler das durch die Konzentration auf einen in seinen Augen bestimmenden Charakterzug. Die große Detailtreue nicht nur seiner Porträts, sondern auch der sie umgebenden Gegenstände, sei es im Interieur oder in der Landschaft, scheint sich manchmal selbst zu genügen. Sie ist aber Ausdruck seiner Überzeugung, daß gute Malerei nur auf genauer Beobachtung der Natur basieren darf und eben das ist letztlich der Grund für die große Lebendigkeit der Waldmüllerschen Porträtkunst.[1]

Durch seine Ehe mit der Opernsängerin Katharina Weidner war Waldmüller der Opern- und Theaterwelt Wiens eng verbunden. Folgerichtig fertigte er in den 1820er Jahren zahlreiche Porträts von Wiener Künstlern. So wurde ihm 1824 der Auftrag zuteil, die junge und beliebte Schauspielerin Therese Krones zu porträtieren, im Jahr ihres künstlerischen Durchbruchs am Theater in der Leopoldstadt.[2] Das Porträt zeigt die junge Frau in ihren privaten Räumen, umgeben von Gegenständen des täglichen Gebrauchs, die sich gleichzeitig auch auf ihren Beruf beziehen. Mit dem Notenblatt, dem aufgeschlagenen Buch vor sich auf dem Tisch und dem Brief in ihrer linken Hand scheint Sie mitten in der Probenarbeit. Die Darstellung des Goldfischglases auf dem Tisch ist darüber hinaus ein Bravourstück wie es besonders der junge Waldmüller liebte[3]. Das zufällig wirkende Arrangement auf dem Tisch ist ganz Ausdruck von Waldmüllers Freude an der Schilderung des Momenthaften und charakteristisch für ihn.

Grazil und mit klarem Blick schenkt die Schauspielerin dem Betrachter ein zartes und dabei durchaus selbstsicheres Lächeln. Die opulente und weiche Stofflichkeit des hellen Seidenkleides, das vor dunklem Hintergrund kontrastiert ist meisterhaft wiedergegeben und lässt die 23-jährige umso zarter und dabei doch selbstbewusst wirken. Ungewöhnlich ist auch die diagonale Anordnung der Porträtierten. Sie erzeugt eine Fragilität, die sich so in Waldmüllers späteren Porträts nicht mehr findet.[4]

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Abb. 1 Die Schauspielerin Elise Höfer, 1827, Öl auf Holz, 68 x 53 cm. Signiert und datiert unten links. Historisches Museum der Stadt Wien (Inv. HMW 33051), Feuchtmüller 222

Dem nur drei Jahre darauf entstandene Bildnis der Schauspielerin Elise Höfer, angereichert mit Details und Attributen hoher bürgerlicher Kultur[5], mangelt es beispielsweise an solcher Subtilität (Abb. 1). Es erscheint statischer in der Komposition und ist mehr konventionelle bürgerliche Repräsentation. Beide Porträts, im typischen Wiener Kleinformat, gehören zu den frühen Spitzenleistungen des Künstlers.

Das Porträt der Therese Krones entsteht zu einer Zeit, in der auch die bürgerliche Schichten von dem Wunsch erfasst werden, ihr Abbild der Nachwelt zu hinterlassen. Es ist Waldmüllers Verdienst die individuellen Wünsche und Sehnsüchte dieser neuen Schicht in einem dafür formulierten Porträttypus adäquat umzusetzen und die Natur mit der größten Treue wieder zu geben[6]. Damit steigt er schon in seinen frühen Jahren zu einem der herausragenden Porträtisten seiner Zeit auf.


[1] Udo Felbinger, Die Imagination des Betrachters ist berechneter Teil des Bildes. Waldmüller als Porträtmaler, in Agnes Husslein-Arco, Sabine Grabner (Hrsg.), Ferdinand Georg Waldmüller 1793-1865, Paris Feb. - Mai 2009, Wien Jun. - Okt. 2009, S. 76f.

[2] Felbinger in op. cit, Pari, Wien, S. 71f.

[3] Waldmüller schafft mehrfach Figurenbilder, die er mit Stillleben kombiniert. Versatzstücke, wie in diesem Fall das Goldfischglas, finden sich auch auf anderen Gemälden wieder (siehe Feuchtmüller Nr. 244). Siehe ferner Ein Blumenstrauß für Waldmüller. Stillleben Ferdinand Georg Waldmüllers und seiner Zeit, Kat. Ausst. Österreichische Galerie Belvedere, Wien 1993.

[4] Id. in op. cit, Paris and Vienna 2009, loc. cit.

[5] Rupert Feuchtmüller, Ferdinand Georg Waldmüller 1793-1865, Leben – Schriften – Werke, Wien/München 1996, S. 47.

[6] 1847 schreibt Waldmüller rückblickend bzgl. des Auftrages die Burgschauspielerin und Mutter des Hauptmanns Stierle-Holzmeister zu porträtieren: „[...] Aber – so sprach er [Hauptmann Stierle-Holzmeister] zu mir – malen Sie mir sie [die Mutter] genau, so wie sie ist. Diesem Auftrage gemäß versuchte ich es nun, bei diesem Portraite die Natur mit der größten Treue wieder zu geben – und es gelang! Jetzt war auch mit Einemmale die Binde vor meinem Auge gefallen. Der einzig rechte Weg, der ewige, unerschöpfliche Born aller Kunst: Anschauung, Auffassung und Verständnis der Natur hatte sich mir aufgethan; was so lange als Ahnung in meiner Seele erklang, war zum Bewußseyn erwacht [...]“ (Zitiert aus Arthur Roessler, Gustav Pisko, Ferdinand Georg Waldmüller. Sein Leben, sein Werk und seine Schriften, Wien 1907, 1. Bd, Vorwort zur 2. Auflage seiner Schrift von 1847, S. 8.) Das ca. 1819 entstandene Werk gilt zwar als Inbegriff der Malerei des Biedermeier, scheint aber zugleich ein Schlüsselmoment für seine weitere Arbeit als Porträtist.

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