François Ménard de La Groye

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François Jean-Baptiste Ménard de la Groye (Le Mans 1775 - 1827 Saint-Samson)

 Muscheln von der Natur, zehn Blätter, ca. 1807-26

 Aquarell, Feder und Tinte, Bleistift auf Vellum, 45 x 33,5 cm
Signiert unten links in Gold Ménard, vier Blätter mit Bleistiftinschriften

Provenienz:
Sammlung Eila Grahame (1935-2009), London

 

Seit der Renaissance war die möglichst exakte Abbildung der realen Welt, mittels Zeichnung oder Malerei, ein erklärtes Ziel der bildenden Kunst. Anders als heute waren die Grenzen zwischen Wissenschaft und Kunst weniger scharf und entsprechend war das exakte Abbild der Welt sowohl in der Kunst wie auch in der Wissenschaft zu Hause. Die vorgestellten aquarellierten Zeichnungen des Naturforschers François Jean-Baptiste Ménard de la Groye stehen in dieser Tradition. Auch wenn sie in erster Linie der Naturwissenschaft dienten, ist augenfällig, dass sie auch höchste ästhetische Ansprüche zufriedenstellen. Man könnte sagen, diese Darstellungen Ménards fallen mit dem Höhe- und Schlusspunkt einer langen europäischen Tradition zusammen, die in den folgenden Jahrzehnten durch die Verbreitung der Fotografie endete. Es ist bemerkenswert, das ein Naturforscher wie Ménard in der Lage war Abbildungen solcher Qualität herzustellen. Im 18. und frühen 19. Jahrhundert war es allerdings, mangels anderer abbildender Verfahren wie beispielsweise der Fotografie, integraler Bestandteil einer wissenschaftlichen Ausbildung, sich mit der Zeichenkunst vertraut zu machen. Auch andere Naturforscher, man denke etwa an Alexander von Humboldts Selbstporträt in Bleistift von 1814 (Abb. 1)[1], überraschen durch die Qualität ihrer Zeichnungen. Dennoch muss man bei Ménard sicherlich eine hohe künstlerische Begabung voraussetzen.

Zeichnungen von Ménard de la Groye sind extrem selten. Unsere zehn Blätter sind mit Aquarell auf Vellum ausgeführt. Der Großteil der Zeichnungen erschien als Farbgravur im zweiten Band der bedeutende Arbeiten zu Muscheln und Fossilen von Jean-Charles Chenu mit dem Titel Illustrations conchyliologiques ou Description et figures de toutes les coquilles connues vivantes et fossiles, classées suivant le système de Lamarck modifié d'après les progrès de la science et comprenant les genres nouveaux et les espèces récemment découvertes (Paris, 1842).

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Abb. 2 Panopea Ménard de la Groye

François Jean-Baptiste Ménard de la Groye war ein bedeutender französischer Geologe, Vulkanologe, Forscher und Wissenschaftler. Seine wahre Berufung – die Naturwissenschft – entdeckte er bereits in jungen Jahren. Von 1799 bis 1807 studierte er in Paris und besuchte regelmäßig die Vorlesungen im Muséum d'Histoire naturelle, im École Polytechnique und im École des mines. Seine Karriere begann als Assistent von Jean-Baptiste de Lamarck (1744-1829) und Alexandre Brongniart (1770-1847). Beide erforschten fossile Weichtiere im Pariser Becken. Ménard zeichnete sich besonders durch die Entdeckung einer neuen Seeweichtier- beziehungsweise Muschelart, der Panopea aldrovandi Ménard de la Groye aus, die zu seiner Ehren benannt wurde. Eines unserer Blätter zeigt ein solches Exemplar (Abb. 2). Die Entdeckung wurde 1807 in einer angesehenen wissenschaftlichen Zeitschrift veröffentlicht. [2]

Ménard de la Groye nahm an vielen wissenschaftlichen Expeditionen nach Zentral- und Südfrankreich, nach Italien, in das Rheinland und in die Schweiz teil, woraufhin er diverse bahnbrechende Artikel, die auf seinen Entdeckungen basierten, veröffentlichte. 1813-14 war er in Neapel und unternahm einige Ausflüge zum Vesuv, um den Vulkan und seine Umgebung zu erforschen. Er wurde auch Zeuge einer vulkanischen Aktivität. Seine Publikation mit dem Titel Observations avec réflexions sur l’état et les phénomènes du Vésuve (1814-15) erweckt das Interesse von Georges Cuvier (1769-1832), der Ménard 1818 eine führende Lehrstelle im Naturhistorischen Institut am Collège de France anbot. Dort lehrte er bis zu seinem Tod 1827.[3]

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[1] Früher im Besitz von Thomas le Claire Kunsthandel, Hamburg.

[2] Ménard de la Groye, F.J.B. (1807), ‘Mémoire sur un nouveau genre de Coquille de la famille des Solénoides’, in Annales du Muséum d’Histoire naturelle de Paris, 9 (1807), S. 131-9, Tafel XII.

[3] Siehe <https://explore.univ-psl.fr/fr/thematic-focus/ménard-de-la-groye-géologue-et-explorateur> (accessed 29.01.2017) und siehe <https://salamandre.collegedefrance.fr/ead.html?id=FR075CDF_00CDF0069#!{"content":["FR075CDF_00CDF0069_e0000018",true,""]}> (accessed 29.01.2017).

 

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