Frans Vervloet

Frans Vervloet (Mechelen 1795 - 1872 Venedig)

Die Abtei von Montecassino, 1826

Öl auf Leinwand, 42 x 32,5 cm
Signiert, bezeichnet und datiert unten links F. Vervloet / Monti Cassino / 1826

Provenienz:
Österreichische Privatsammlung

 

Reges Treiben herrscht im Innenhof des Klosters Montecassino, dem Mutterkloster des Benediktinerordens. Gegründet von Benedikt von Nursia im Jahr 529 war Montecassino eines der bedeutendsten geistlichen Zentren des Mittelalters. Mehrmals in seiner Geschichte wurde das Kloster zerstört und wieder erbaut. Als Frans Vervloet das Kloster 1826 malte, sah er es so wie es nach dem großen Erdbeben von 1349 wiedererrichtet worden war zusammen mit den Ergänzungen der Renaissance und des Barock. Da man nach den schweren Zerstörungen des zweiten Weltkrieges bei der Rekonstruktion des Klosters auf die ursprünglichen Baupläne zurückgegriffen hat, ist Vervloets Gemälde nicht nur eine äußerst reizvolle Vedute, sondern auch ein Dokument der wechselvollen Baugeschichte dieses berühmten Klosters.

Vervloet stellt den Innenhof des zweiten Kreuzgangs in Zentralperspektive dar. Die Bögen des ersten Kreuzganges verwendet er einem Portal gleich, durch der Betrachter in den Bildraum tritt. Die Architektur wird dem Renaissance Baumeister Donato Bramante zugeschrieben. In der Mitte befindet sich eine achteckige Zisterne. Am Fuß der Treppe im Hintergrund erkennt man zwei Statuen: links die des heiligen Benedikt, rechts jene der heiligen Scholastika. Vervloet überzeugt durch seine gekonnte Lichtführung ebenso wie durch seine Perspektivmalerei.

Frans Verlvoet stammt aus einer belgischen Malerfamilie und studierte an der Akademie seines Geburtsortes Mechelen. Schon früh setzte er den Schwerpunkt auf die Architekturmalerei. Ab 1818 unterrichtete Vervloet selbst an der Akademie und 1821 verlegte er seinen Lebensmittelpunkt nach Brüssel. Von der Société pour l’encouragement des Beaux-Arts de Bruxelles erhielt Vervloet 1822 ein zweijähriges Stipendium nach Rom. Die Monate Juli und August verbrachte der Maler in Paris, im September traf er in Rom ein. [1] Die Kirchen und Ruinen in und um Rom wurden schnell zu seinem bevorzugten Thema und waren bei einem anspruchsvollen Klientel aus ganz Europa geschätzt: 1824 erwarb der niederländische König das Gemälde der Innenansicht von Sankt Peter (heute Rijksmuseum, Amsterdam) für 2400 Francs, wie der Maler in seinem Tagebuch vermerkte.

Nach Ende des Stipendiums im August 1824 zog Vervloet nach Neapel, das für die nächsten 30 Jahre seine Heimat werden sollte. Vor allem die Jahre bis 1830 sind bedeutend für die Weiterentwicklung der neapolitanischen Malerei. Zusammen mit seinem Freund, dem in den Niederlanden gebürtigen Maler Anton Sminck Pitloo, (1790-1837), Lehrer an der örtlichen Kunstakademie und Begründer der sogenannten Schule von Posillipo,[2] wird Vervloet zum Hauptvertreter der Neapolitanischen Landschaftsmalerei. Zu seinen Auftraggebern zählten u.a. die Zarenfamilie (Zwei Ansichten der Villa Floridiana, 1845/1846) und König Ferdinand II. Auf der Suche nach neuen Motiven reiste der Maler durch ganz Italien – so war er bereits 1834-1835 in Venedig anzutreffen – und hielt sich 1844 in Istanbul auf. Seit 1854 bis zu seinem Tod 1872 ist Vervloet in Venedig nachweisbar. Im Museo Correr befinden sich sowohl eine große Anzahl an Zeichnungen, wie auch seine Tagebücher.

 


[1] Zu Frans Vervloet siehe Denis Coeckelberghs, ‚Francois Vervloet’, in Les peintres belges à Rome de 1700 à 1830, Brüssel 1976, S. 328-349.

[2] Um 1820 eröffnete Pitloo eine private Malschule in seinem Haus in der Vico del Vasto in Chiaia, die zum Anlaufpunkt junger Talente wie Achille Vianelli, Giacinto Gigante, Gabriele Smargiassi und Teodoro Duclère, seinem zukünftigen Schwiegersohn, wurde. Daraus entwickelte sich die auf der Erneuerung der Vedutentradition des 18. Jahrhunderts aufbauende 'Schule von Posillipo' mit der Hinwendung zur plein air Malerei. Vgl. Marina Causa Picone und Stefano Causa (Hgg.), Pitloo. Luci e colori del paesaggio napoletano, Kat. Ausst. Neapel, Museo Pignatelli, Neapel 2004, S. 89-118.

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