Franz Christoph Janneck

Franz Christoph Janneck
(Graz 1703 - 1761 Wien)

Festgesellschaft im Park - ein Paar, um 1750

Öl auf Kupfer, je 42 x 57 cm
Signiert unten links F.C. Janneck fe: (linkes Gemälde)

Provenienz:
Captain W.S. Mitford, Pitshill, Petworth, England[1] Christie's, London, Auktion 16.05.1952
Gekauft von Morrison für £580
Dorotheum, Wien, 1956, Auktion Nr. 567
Sammlung Georg Schäfer, Schweinfurt
Deutsche Privatsammlung

Literatur:
Peter Pötschner, Wien und die Wiener Landschaft. Spätbarocke und biedermeierliche Landschaftskunst in Wien, Salzburg 1978, S. 18, S. 19 mit Abb. 7 und S. 293

Frau Dr. Christina Pucher wird das vorliegende Gemäldepaar in das Werkverzeichnis unter den Nummern 103 und 104 aufnehmen.

 

Das Motiv der Fête champêtre bedient das Bedürfnis des Rokoko nach Luxus und höfischer Unterhaltung jenseits des Pathos und der machtvollen Rhetorik der Historienmalerei des Barock. So waren Franz Christoph Jannecks Gemälde bereits zu seinen Lebzeiten in adeligen und bürgerlichen Kreisen hochbegehrt. Strebte der Wiener Adel im 16. Jahrhundert noch nach einem Palais in der Innenstadt, möglichst nahe bei Hofe gelegen, so war nunmehr das Gartenpalais vor den Mauern der Stadt das Maß der Dinge. Als Leitbild sind hier Schloss Schönbrunn und das Belvedere Prinz Eugens zu nennen.

Die historisierende Kleidung und die ideale parkähnliche Landschaft versetzen den Betrachter in das 17. Jahrhundert zurück, in die Zeit der Hoffeste Ludwigs XIV., dessen Hofhaltung bis über die Mitte des 18. Jahrhunderts Vorbild für Europas Höfe war. Auch wenn die Realität zwischenzeitlich eine andere war.[2]

Auf den Gemälden wird das barocke Fest in seiner ganzen Üppigkeit zelebriert. Der reichlich genossene Wein hat die Zungen gelockert und die Sinne entfacht. Einige Teilnehmer der Gesellschaft konversieren, andere ziehen sich schon zu erotischen Freuden zurück.

Die Kupferplatte ist für Franz Christoph Janneck bevorzugter Malgrund. Auch wenn seine Auftraggeber dafür um einiges tiefer in die Tasche greifen mussten, rechtfertigte das Ergebnis den Aufwand. Der polierte Kupfergrund sorgte für eine an Porzellan erinnernde glatte Oberfläche und eine ungeahnte Leuchtkraft der Farben.

Nach seiner Ausbildung in der väterlichen Werkstatt in Graz, zog Janneck im Jahre 1721 nach Wien. Dort studierte er an der 1726 wiedereröffneten Wiener Akademie unter dem neuen Direktor Jacob van Schuppen (1670-1751), der die Strömungen sowohl der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts, wie auch der zeitgenössischen französischen Genremalerei in der Nachfolge Jean-Antoine Watteaus an seine Studenten vermittelte. 1751 wurde Janneck zusammen mit Paul Troger zum Honorarius der Akademie gewählt und ein Jahr später zum Assessor bestellt. 1755 veröffentlichte der spätere Dresdner Galerieinspektor Christian Ludwig Hagedorn (1712-1780) seinen Lettre à un Amateur de la Peinture. Die dazu notwendigen Recherchen stammten vorwiegend von Janneck.[3] Hagedorn überliefert auch Jannecks enge Freundschaft zu dem Südtiroler Maler Johann Georg Platzer (1704-1761). Janneck und Platzer gelten als die herausragenden Kabinettmaler des österreichischen Rokoko.

 


[1] William Slade Mitford (1898-1966), Lieutenant 17th Lancers,

https://www.wikitree.com/wiki/Mitford-62 (29.06.2017).

[2] Roswitha Juffinger, Reich mir die Hand, mein Leben. Einladung zu einem barocken Fest mit Bildern von Johann Georg Platzer und Franz Christoph Janneck, Kat. Ausst. Salzburg, Residenzgalerie 1996, S. 7.

[3] Bezüglich Jannecks Biographie siehe Juffinger, op. cit., S. 9-14. AKL LXXVII, 2013, S. 305.

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