Franz Keiserman

Franz Keiserman (Yverdon 1765 - 1833 Rom)

Ansicht von Tivoli, Rom 1802

Aquarell auf Papier, 65,5 x 101,5 cm
Signiert unten rechts Keiserman Rom
Auf der Rückseite vom Künstler beschriftet Vue de la ville de Tivoli et la tour de Messéne avec la Campagne de Rome peint d´après nature par F Keiserman artiste a Rome 1802

Provenienz:
Privatsammlung, Deutschland

 

Der gebürtige Schweizer Landschaftsmaler Franz Keiserman[1] kam 1789 auf Vermittlung seines berühmten Landsmanns Abraham-Louis-Rodolphe Ducros (1748-1810), nach Rom. Ducros hatte sich in Rom als begabter Aquarellist einen Ruf gemacht. Der junge Keiserman sollte in Ducros erfolgreicher Werkstatt mitarbeiten, zu beidseitigem Vorteil. 1792 jedoch beendete Keiserman die Zusammenarbeit mit Ducros und bezog ein eigenes Atelier. Ab 1795 ist ein Aufenthalt in Neapel und eine Reise nach Sizilien dokumentiert. In Neapel lernte er Jakob Philipp Hackert (1737-1825) kennen, der seit 1786 Hofmaler des Königs von Neapel, Ferdinand IV. von Bourbon, war.

Im Jahr 1798 ließ sich Keiserman dauerhaft in Rom nieder. Er wohnte und arbeitete im Palazzetto dei Borgognoni an der Piazza di Spagna. Bald darauf war er im Kunstleben Roms eine feste Größe und machte sich besonders bei jenen Sammlern einen Namen, die Rom und Neapel auf ihrer Grand Tour besuchten. Von der Reise zurückgekehrt schmückten sie ihre Häuser mit Ansichten der wichtigsten Sehenswürdigkeiten, die sie auf ihrer Bildungsreise durch Italien besucht hatten. Zu Keisermans Kunden zählten auch berühmte Zeitgenossen wie Prinz Friedrich von Sachsen-Gotha, der russische Fürst Wolkonskij, Prinz Gustav von Schweden, der englische Diplomat Stratford-Canning, Herzogin Elizabeth von Devonshire und Camillo Borghese.

Ungefähr ab 1800 nahm Keiserman den jungen Bartolomeo Pinelli (1781-1835) in seinen Dienst, der die Figurenstaffagen in seinen Landschaften komponierte. Auch für die vorliegende Ansicht von Tivoli kann davon ausgegangen werden, dass die Figuren von Pinellis Hand stammen.[2] 1809 endete die erfolgreiche Zusammenarbeit der beiden Künstler, die sich freundschaftlich verbunden blieben. Ab 1806 ist Keisermans Neffe Franz Knébel d.Ä. ebenfalls als Mitarbeiter dokumentiert. Nach dessen frühen Tod 1822 folgte ein weiterer Neffe, Franz Knébel d.J.[3], nach Rom. Keiserman adoptierte ihn und setzte ihn trotz Meinungsverschiedenheiten und getrennten beruflichen Wegen als Universalerben seines beträchtlichen Vermögens ein.

Tivoli zog nicht nur die Reisenden der Grand Tour in seinen Bann, sondern auch Landschaftsmaler wie Keiserman waren begeistert von dem malerischen Tivoli mit seinen berühmten Wasserfällen die man aus verschiedensten Perspektiven festhalten konnte. Unser großformatiges Aquarell mit der wunderbar reduzierten, an Ducros erinnernden Farbpalette, ist 1802 datiert und zählt somit zu den frühen Darstellungen. Keisermans Inschrift, Vue de la ville de Tivoli et la tour de Messéne avec la Campagne de Rome peint d´après nature par F Keiserman artiste a Rome 1802, stellt die Authentizität der Darstellung auf die der Grand Tour Reisende natürlich besonderen Wert legte, klar heraus. Auf der linken Bildseite unseres Aquarells erscheint die Ansicht der Stadt Tivoli. Die Bildmitte wird beherrscht von dem berühmten, Gischt sprühenden Wasserfall. Im Hintergrund breitet sich die weite Campagna Romana aus. Am Horizont erahnt man im Dunst die Kuppel von St. Peter, wie man sie an besonders klaren Tagen sehen kann. Die Rückenfigur stammt ebenso wie der schwer beladene Esel und der Hund von Pinellis Hand.


[1] Vgl. Fabio Benzi, Franz Keiserman: un paesaggista neoclassico a Roma e la sua bottega, Roma 2007, v.a. S. 4-15 und S. 32-35. Pier Andrea de Rosa, Francois (Franz) Keisermann, nota biografica, in Pier Andre de Rosa und Paolo Emilio Trastulli, La Campagna Romana da Hackert a Balla, Kat. Ausst. Rom, Museo del Corso, Rom 2002, S. 260-61.

[2] Zu Keisermans und Pinellis Zusammenarbeite siehe Roberta J. M. Olson, ‚Are two really better than one? The collaboration of Franz Kaiserman and Bartolomeo Pinelli’, in Master drawings, 48.2010, Nr. 2, S. 195-226.

[3] Biographische Angaben zu Franz Knébel d.J., der auch unter seinem Taufnamen Charles- François bekannt ist, vgl. Pier Andrea De Rosa, 'Charles-François Knébel, pittore svizzero-romano', in Lazio ieri e oggi, Jg. 35, Nr. 11 und 12, Rom 1999, S. 324-327 und S. 356-360.

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