Franz Ludwig Catel

Franz Ludwig Catel
(Berlin 1778 - 1856 Rom)

Blick auf Tivoli, um 1825

Öl auf Zinkblech, 14 x 20 cm

Das Gemälde wird in das in Vorbereitung befindliche Verzeichnis der Werke Franz Ludwig Catels von Dr. Andreas Stolzenburg, Hamburg, aufgenommen.

 


Wir danken Dr. Stolzenburg für den Katalogtext für dieses Werk.

Franz Ludwig Catels Standpunkt ist auf dem Monte Catillo, der sich hinter Tivoli erhebt, ungefähr dort, wo sich heute die Via Quintilio Varo befindet[1]. Man blickt über das tief eingeschnittene Tal des Flusses Aniene hinweg auf einen Ortsteil Tivolis und den Wasserfall nahe der sogenannten Villa des Mäcenas, hinter dem Ort gelegen. Etwas aus der Mitte gerückt öffnet sich das Tal in Richtung der römischen Campagna mit dem Blick auf die weit entfernt liegenden Albaner Berge. Den Vordergrund der Komposition bildet eine Straße, an der sich links mehrere Bäume erheben. Links ein vornehm gekleidetes Paar und rechts zwei Bauern mit einem Esel.

Die vorliegende kleinformatige Malerei in Öl auf Zinkblech stammt zweifellos von der Hand des Berliner Malers Franz Ludwig Catel, der ab Ende 1811 in Rom lebte und arbeitete. Sowohl die Pinselführung mit dem partiell sehr pastos Farbauftrag, wie die typische Lichtführung und die nur skizzierten Staffagefiguren tragen die Handschrift des Künstlers.

Ausflüge in die nähere Umgebung Roms wird der Künstler, nach einem Aufenthalt in Neapel und eine längeren Kalabrienreise im Sommer 1812, spätestens ab 1813/14 unternommen haben, doch findet sich die Topographie des berühmten Ortes Tivoli erst ab 1820 im Werk des Künstlers.[2] Motivisch kommt der kleinen Ölmalerei auf Zinkblech[3] dabei ein um 1830/31 entstandenes Gemälde im Museum Folkwang in Essen am nächsten, ebenfalls mit einem Blick über das Tal des Aniene.[4]

Das kleine Bild ist mit seiner freien und duftigen Pinselführung – man beachte besonders die sich prachtvoll vor dem blauen Himmel ausbreitenden, scheinbar leicht hingetupften Blätter der Bäume – wie eine plein air entstandene Ölstudie gestaltet. Sie wird jedoch aufgrund des Bildträgers Zinkblech als erschwingliches Erinnerungsbild für einen unbekannten Romreisenden im römischen Atelier Catels an der Piazza di Spagna entstanden sein. Das macht eine exakte Datierung des Bildes kaum möglich, vorgeschlagen sei hier der Zeitraum zwischen 1825 und 1840.


[1] Vgl. den von Claude Gellée, gen. Lorrain (1600 oder 1604/05-1682) um 1646 wiedergegebenen Blick auf Tivoli, dessen Ausblick aber mehr in Richtung Rom und nicht in Richtung der Albaner Berge ausgerichtet ist; vgl. Das Licht der Campagna. Die Zeichnungen Claude Lorrains aus dem British Museum London, hrsg. v. Andreas Stolzenburg und David Klemm, Ausst.-Kat. Hamburger Kunsthalle, Petersbwerg 2017, S. 82-83, Nr. 14.

[2] Vgl. Franz Ludwig Catel. Italienbilder der Romantik, hrsg. von Andreas Stolzenburg und Hubertus Gaßner, Ausst.-Kat. Hamburger Kunsthalle, Petersberg 2015, S. 280283, Nr. 91-94.

[3] Im Nachlass des Künstlers in der Fondazione Catel in Rom befindet sich eine vergleichbare kleine, noch unveröffentlichte Ölmalerei auf Zinkblech.

[4] Ausst.-Kat. Hamburg 2015, S. 283, Nr.93.

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