Friedrich Gauermann

Friedrich Gauermann (Miesenbach, Wien 1807 - 1862 Wien)

Felswand mit Bewuchs, Naturstudie, frühe 1830er Jahre

Öl auf Papier, 39,9 x 31,7 cm

Provenienz laut Angaben des Vorbesitzers:
- Familie Klinckowström, Schloss Stafsund, Schweden
- deren Nachlassauktion 1970er Jahre in Schweden

Wir danken Dr. Wolfgang Krug, St. Pölten, für die Bestätigung der Autorschaft Gauermanns.

 

Trotz ihres Detailreichtums ist die vorliegende Arbeit eine Studie vor der Natur. Die spontane Umsetzung der Naturbeobachtung ist äußerst reizvoll - die Felsen mit lasierenden Farben schnell aufgetragen, danach der Bewuchs detailreich deckend aufgesetzt.[1] Lediglich ein anderer großer Landschaftsmaler Österreichs, Ferdinand Georg Waldmüller, kann qualitativ vergleichbares bieten. Tatsächlich haben die beiden Künstler in den 30er Jahren immer wieder zusammen vor der Natur gearbeitet und ihre Arbeiten gegenseitig geschätzt. In der vorliegenden in den frühen 1830er Jahren entstandenen Studie wirkt vor allem in der poetischen Behandlung des Baumschlages die romantische Naturauffassung der Nazarener nach. Gauermann war diese beispielsweise über das Werk der zeitweise in Wien ansässigen Brüder Ferdinand und Friedrich Olivier zugänglich.

In seinen Studien wählt Gauermann das Motiv manchmal schon mit Blick auf die spätere Verwendung als Vorlage im Atelier. Oft wählt er Felswände die, gleich einer Bühne, als geschlossener Hintergrund für eine seiner typischen Tierdarstellungen dienen können. Dennoch versucht der Künstler in seinen Naturstudien stets das ‚Typische’ einer Landschaft zu charakterisieren.

Gerade der Modernität seiner Naturstudien verdankt der bis dahin weitgehend in Vergessenheit geratene Künstler seit den 1950er Jahren wieder das Interesse einer breiten Öffentlichkeit. Sabine Grabner, Kuratorin an der Österreichischen Galerie Belvedere, Wien, schreibt dazu: Einprägsamer als in den ausgeführten Gemälden äußerte sich der Künstler aber in den vorbereitenden Studien, die durch eine spontane Schilderung im Detail gekennzeichnet sind. Diese sind durchwegs vor der Natur entstanden, etwa in der Gegend seiner Kindheit, ebenso auf den Wanderschaften durch das Salzkammergut. …[2]

Der hervorragende Erhaltungszustand der Studie verlangt Erwähnung. Fast alle bekannten Studien, beispielsweise jene die aus dem Nachlass des Künstlers stammen, wurden auf einen Träger (Leinwand oder Pappe) aufgebracht, gereinigt, gefirnisst und soweit notwendig retouchiert. Da diese Arbeiten zumeist schon im 19. oder frühen 20. Jahrhundert durchgeführt wurden, sind sie nach heutigen Begriffen selten fachgerecht ausgeführt und haben somit oft zu einer Beschädigung oder zumindest einer Beeinträchtigung der Studien geführt. Die vorliegende Studie ist von solchen Eingriffen unbelastet.

Aufgewachsen in Miesenbach, einer südwestlich von Wien gelegenen Ortschaft am Schneeberg, schuf Gauermann unter der Anleitung seines Vaters, des Malers Jakob Gauermann, bereits in frühen Jugendjahren Ansichten und Skizzen seiner näheren Umgebung. Nach seinem Studium bei dem der barocken Tradition folgenden Josef Mößmer an der Wiener Akademie (1824-1827) zählte Gauermann in seinem Frühwerk gemeinsam mit Franz Steinfeld, Friedrich Loos und Ferdinand Georg Waldmüller zur ersten Künstlergeneration der realistischen Landschaftsmalerei und somit zu ihren Wegbereitern. Bereits während seines Studiums unternahm Gauermann mehrere Reisen in das Salzkammergut und an den Königsee nach Berchtesgaden – in ein Gebiet, dessen Schönheit bereits einige Zeit vor ihm von den Malern der Romantik, allen voran den Dessauer Brüdern Ferdinand (1785-1841) und Friedrich Olivier (1791-1859), entdeckt und für die Malerei erschlossen wurde. Dort entwickelte er, wie auch Steinfeld und Loos, eine völlig neue, "entmystifizierte" Landschaftssicht, die er auf die Gegend seiner näheren Heimat übertrug. Die Einfachheit in der Komposition, die ohne merkliches Bedürfnis einer Inszenierung die Gegend in normalem Tageslicht wiedergibt, offenbart eine Reinheit in der Naturanschauung, die in diesem Maß in den Werken der darauffolgenden Jahre nicht mehr wiederzufinden ist. Eigene Beobachtungen in seiner Heimat, sicher aber auch das während seiner Akademiezeit betriebene Studium der Gemälde von Nicolaes Pietersz Berchem (1620-1683), Paulus Potter (1625-1654), Jacob von Ruisdael (1628/1629-1682) und Philips Wouwermans (1619-1668) in der Kaiserlichen Gemäldegalerie im Oberen Belvedere und in privaten Sammlungen, veranlassten ihn in der Folge, seine Landschaftsansichten mit Erzählungen zu erweitern. Anfangs als Beiwerk behandelt, wurden sie immer stärker zum bestimmenden Bildinhalt. Tierkämpfe und Episoden aus dem bäuerlichen Leben zählten zu seinem bevorzugten Themenkreis, die direkte Naturbeobachtung diente ihm aber immer als Ausgangsbasis.[3]

Mit unserer Studie vergleichbare Arbeiten Gauermanns finden sich, unter anderen, in der Österreichischen Galerie Belvedere, Wien, der Sammlung des Niederösterreichischen Landesmuseums, St. Pölten und im Kupferstichkabinett der Akademie der Bildenden Künste Wien.[4]


[1] Vgl. Feuchtmüller, Rupert, Friedrich Gauermann. 1807-1862. Der Tier- und Landschaftsmaler des österreichischen Biedermeier, Wien 1962, S. 148, 206 und 216.

[2] Sabine Grabner, in: Romantik, Klassizismus, Biedermeier. In der Österreichischen Galerie Belvedere, Wien 1997, S. 96-97.

[3] Zitiert nach: < http://digital.belvedere.at/emuseum, Suche Gauermann, Landschaft bei Miesenbach> (Zugriff 22.01.2013).

[4] Wolfgang Krug, Friedrich Gauermann 1807-1862, Wien 2001, S.122, 140, 146. Friedrich Gauermann 1807-1862, Ölskizzen und Zeichnungen, Kat. Ausst. Wien, Kupferstichkabinett der Akademie der Bildenden Künste, 8.Mai - 8.Juni 1987, S. 97, 118, 123.

 

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