Friedrich Loos

Friedrich Loos (Graz 1797 - 1890 Kiel)

Abendliche Wolkenstudie, nach 1846

Öl auf Papier, auf Pappe aufgezogen, 10 x 23,5 cm
Rückseitig bezeichnet XXXI. Friedr. Loos. / h. 10 x br. 23,5 cm. / Abendliche Wolkenstudie um 1848

Provenienz:
Sammlung Alois Schardt (1889-1955), Direktor der Nationalgalerie, Berlin, a.D.
Sammlung William Dieterle (1892-1972)
seitdem in Familienbesitz

 

Die Ölskizze en plein-air ist ganz darauf ausgerichtet die Atmosphäre des Sonnenunterganges einzufangen, die Veränderung der Farben im Abendlicht, der Anstieg der Luftfeuchtigkeit. Das ausgedehnte Querformat und der tief angelegte Horizont erzeugen eine panoramaartige Wirkung. Der Vordergrund mit der summarisch angedeuteten Häusergruppe und der wolkenlose Bereich des Himmels werden farblich von der Lichtsituation am Horizont unterschieden. Hier konzentriert sich das Farbenspiel des Sonnenunterganges aus gelben, orangen und violetten Tönen.

Die entscheidenden Anregungen für die atmosphärische Ölstudie nach der Natur lieferten primär jene Künstler die Anfang des 19. Jahrhunderts in Rom arbeiteten und sich mit der Naturstudie befassten. Beispielhaft sei hier auf den Franzosen Valenciennes, den Engländer Jones, den besonders auf den in Dresden ansässigen Norweger Johan Clausen Dahl (1788-1857) verwiesen. Dahl betrieb während und nach seiner Italienreise 1820/21 solche Naturstudien, insbesondere atmosphärische Aufnahmen des Abendhimmels immer wieder.[1]

Der 1797 in Graz geborene Loos wuchs in Wien auf. Seit 1816 besuchte er die Wiener Akademie und erhielt durch Mößmer und J. Fischer eine noch in der akademischen Tradition des 18. Jahrhunderts wurzelnde Ausbildung. Die entscheidende Anregung zur Naturstudie en plein air erhielt er auf seinen Reisen. Nach Salzburg und einem Aufenthalt von 1835 bis 1846 in Wien und Klosterneuburg reist er über Florenz nach Rom. Gemäß seinem Interesse verkehrt er weniger mit den Deutsch- Römern als mit der europäischen Malergemeinde, die in Rom und seiner reizvollen Umgebung nach der Natur malt.[2] 1852 verlässt er Rom und reist über die Schweiz rheinabwärts nach Düsseldorf, wo seine Panoramen und Bilder die Anerkennung Johann Wilhelm Schirmers finden. Nach weiteren Stationen in Berlin, Oldenbourg, Hamburg und Kopenhagen lässt Loos sich 1855 in Kiel nieder, wo er 1890 verstarb.

Die Kunsthalle zu Kiel befindet sich in Vorbereitung einer Ausstellung zu Friedrich Loos, die im Jahr 2015 zu sehen sein wird.


[1] Bang 1987, Bd. I, S. 99f, mehrere Beispiele in Folge.

[2] Das Werk von Loos wurde erst 1924/25 wieder entdeckt als sein Nachlass in Leipzig, Berlin und Dresden ausgestellt war (sh. Thieme-Becker, Künstlerlexikon, Leipzig 1927). Eine Literaturauswahl zu Loos ist: Kurt Eberlein, Friedrich Loos, Westermanns Monatshefte, Mai 1934; Exh. cat. Graphisches Kabinett, Guenther Franke, Friedrich Loos, Hundertzwanzig Landschaften um Wien und Salzburg aus den Jahren 1819-1845, München 1937; Ulrich Christoffel, Friedrich Loos, Ein unbekannter Maler aus dem Salzkammergut, München, 1937, mit Abb..; Peter Pötschner, Wien und die Wiener Landschaft, Salzburg, 1978, S.34, 68, 92, 96, 297, Abb. 156-160; Schulte-Wülwer, Ulrich, Sehnsucht nach Arkadien, Schleswig Holsteinische Künsler in Italien, o.O. 2009, S. 228-235.

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