Giuseppe De Nittis

Giuseppe De Nittis
(Barletta 1846 - 1884 St.-Germain-en-Laye)

Impressione del Vesuvio, 1872

Öl auf Holz, 14,4 x 25 cm
Signiert unten links De Nittis

Provenienz:
Angelo Sommaruga (1857-1941), Paris;
Giovanni Finazzi, Bergamo, 1942;
C. Calegari, Mailand;
S.Carini, Mailand;
Galleria d'Arte Fogliato, Turin;
Umberto Zanatta (1913-1990), Turin, siehe rückseitiges Etikett;
Bottega d'Arte Livorno, Montecatini Terme.

Literatur:
Attilio Podestà, Collezione Giovanni Finazzi, Bergamo 1942, Abb. 156;
Enrico Piceni De Nittis, Mailand 1955, S. 166;
Alfredo Schettini, La Scuola napoletana, Mailand 1960, Abb. 56;
Mary Pittaluga, Enrico Piceni, De Nittis, Mailand 1963, Nr. 166;
Pino Dini , G.L. Marini, De Nittis. La vita, i documenti, le opere dipinte, Turin 1990, Bd. 1, S. 391, Nr. 404, Bd. 2, Abb. 404.

 

Innerhalb des Œuvres Giuseppe de Nittis’ nehmen die zwischen 1871 und 1872 entstandenen Studien des Vesuvs eine herausragende Stellung ein. Sie zählen zu seinen kühnsten, modernsten Arbeiten. De Nittis, zu dieser Zeit bereits ein arrivierter Maler, verließ Paris im Herbst 1870 zusammen mit seiner Frau zu einer kurzen Reise in seine italienische Heimat. Durch den Ausbruch des deutsch-französischen Krieges verlängerte sich sein Aufenthalt jedoch auf drei Jahre. Zunächst wohnte er in Neapel, dann bis 1873 in Resina, einem kleinen Dorf malerisch an den Hängen des Vesuvs gelegen. Fernab der Großstadt, inspiriert von der umgebenden Natur widmete er sich, wie zu Anfang seiner Karriere, erneut der Landschaftsmalerei. Der Vesuv, zu dieser Zeit ungewöhnlich aktiv, zog in seinen Bann.

Ein Jahr lang bestieg der Maler täglich auf dem Pferderücken den Vesuv, den er in stetig wechselnden Motiven festhält – detailliert nachzulesen in seinem lebhaften, an Anekdoten reichen taccuino1. Das Tagebuch hielt seine Beobachtungen, mit besonderem Fokus auf der vulkanischen Aktivität, eindrücklich fest. Auch am Tag des eigentlichen Ausbruchs am 26. April 1872, war er unterwegs. Während dieser Monate entstanden zahlreiche kleinformatige, en plein-air Studien, die „wilde Schönheit“ der Natur zeigend. Das Ergebnis sind kleinformatige Gemälde, fast immer auf Holztafeln gemalt, in denen der Künstler, formal und chromatisch eine neue Synthetisierung seiner Landschaftsmalerei entwickelt. Nichts Vergleichbares ist in der italienischen Malerei dieser Epoche zu finden.2 Losgelöst von den bis dahin gängigen pittoresken Darstellungen des ausbrechenden Vulkans, die den Grand Tour Reisenden als Souvenir dienten – etwa von Volaire, Wright of Derby, Catel, Fabris und Hackert – setzte sich De Nittis mit der Vielfalt verschiedener Wetter- und Lichtverhältnisse auseinander, entwickelte eine Vorliebe für außergewöhnliche Blickwinkel und Ausschnitte, für Licht und Farbe.

De Nittis nimmt den Betrachter bei unserer Ölstudie mit hinauf auf die mit Gras bewachsenen Hängen am unteren Teil des Berges. Dunkle Wolken geben nur einen kleinen Blick auf den Gran Cono frei. Das Bild lebt von dem Kontrast des grünen Grases, des sandfarbenen Bodens mit dem schwarzen Vesuv im Hintergrund. Der Maler wählt den Farbauftrag teilweise so transparent, dass die Struktur der Holztafel in den oberen Partien des Himmels und bei Teilen der Wiese des durchscheint und zum bestimmenden Mittel wird. Die Fläche des Vordergrundes ist durch den typisch raschen, großzügigen Pinselduktus des Künstlers gestaltet. Die daraus resultierende Komposition wirkt in Teilen fast abstrakt und für das heutige Auge überaus modern – den Erwartungen an eine plein-air Skizze entsprechend, sensibel und spontan zugleich.

Giuseppe De Nittis zählt zu den bekanntesten italienischen Malern des 19. Jahrhunderts. Nach begonnener Ausbildung am Istituto di Belle Arti in Neapel wandte er sich schon bald vom akademischen Betrieb ab, knüpfte Verbindungen zu einer Gruppe junger Florentiner Künstler, von der Kunstkritik Macchiaioli getauft, und beschäftigte sich wie diese auch mit der Freilichtmalerei. Bereits 1868 siedelte er nach Paris über, wo er bald eine hervorragende Stellung in der Kunstwelt einnahm. 1874 war er auf der ersten Ausstellung der Impressionisten im Atelier des Fotographen Nadar vertreten. Sein finanzieller Hintergrund erlaubte ihm, ein großes Haus zu führen, in dem sich Künstler und Intellektuelle trafen, neben anderen Degas, Manet, Caillebotte, Zola und die Goncourts.3 In den letzten Jahre wurde der Maler mit mehreren Einzelausstellungen geehrt, 2010 im Petit Palais in Paris, in der Pinacoteca Giuseppe De Nittis in Barletta, 2013 im Palazzo Zabarella, Padua, und aktuell noch bis April 2020 im Palazzo dei Diamanti in Ferrara.4

 


1 De Nittis Tagebuch, Enzo Mazzoccoli und Nelly Rettmeyer (Hgg.), Giuseppe De Nittis, Taccuino 1870/1884, Bari 1964.

2 Vgl. Christine Farese Sperken, ‚Alle Falde del Vesuvio’, in De Nittis. Impressionista italiano, Kat. Ausst. Rom, Chiostro del Bramante ,Mailand 2004, S. 33-38.

3 Vgl. Dini, Marini, op. cit., Bd. I, S. 83-161.

4 Gilles Chazal, Dominique Morel und Emanuela Angiuli (Hgg.), Giuseppe De Nittis: la modernité élégante, Kat. Ausst. Paris, Petit Palais, Musée des Beaux-Arts de la Ville de Paris und Barletta, Pinacoteca Giuseppe De Nittis, Paris 2010. Emanuela Angiuli und Fernando Mazzocca (Hgg.), De Nittis, Kat. Ausst. Padua, Palazzo Zabarella, Venedig 2013.

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