Hans Thoma

Hans Thoma (Bernau 1839 - 1924 Karlsruhe)

„Am stillen Bach“, 1901

Öl auf Leinwand, 86,5 x 100 cm
Monogrammiert und datiert unten links HT 1901

Provenienz:
Robert Schwarzenbach-Zeuner (1839-1904), Zürich (1902)[1] Frau R. Schwarzenbach-Zeuner, Zürich (bereits 1909, noch 1924)[2] Theodor Fischer, Luzern
Kunsthandel München
Privatsammlung Georg Schwäfer, Schweinfurt
Privatsammlung, Deutschland

Ausstellung:
Deutsche Kunst-Ausstellung, Düsseldorf, Kunstaustellungs-Gebäude, 1. Mai - 20. Oktober 1902, Kat. Nr. 148
Hans Thoma, Bern, Kunsthalle Bern, 11. Mai - 9. Juni 1924, Kat. Nr. 141.
Hans Thoma: Gemälde und Zeichnungen aus der Sammlung Georg Schäfer Schweinfurt, Schweinfurt, Altes Rathaus der Stadt, 21. Oktober - 26. November 1989, Augsburg, Städtische Kunstsammlungen, 9. Dezember 1989 - 4. Februar 1990, Karlsruhe, Staatliche Kunsthalle, 17. Februar - 8. April 1990, Kiel, Kunsthalle zu Kiel der Christian-Albrechts-Holsteinischer Kunstverein 16. April - 27 Mai 1990,
Kat. Nr. 47

Literatur:
Kunstwart (Hg.), Thoma-Mappe, München 1902 (mit Abb.)
Henry Thode, Thoma, des Meisters Gemälde, Stuttgart, 1909, Abb. S. 431

 

Hans Thoma malte die friedliche Flusslandschaft wohl im Sommer 1901, kurz vor dem überraschenden Tod seiner Ehefrau Cella im November diesen Jahres. Trotz der bereits erfolgten Berufung nach Karlsruhe lebte er noch in Frankfurt. Die dargestellte Landschaft, es handelt sich wohl um die Aue des kleinen Flusses Nidda, der bei Frankfurt in den Main fließt, findet sich bereits auf zwei Gemälden des Künstlers aus dem Jahre 1890.[3] Wie auch in anderen Gemälden Thomas haben die Dargestellten pysiognomische Ähnlichkeit mit der Gattin des Künstlers Cella als junge Frau und deren Nichte Ella, die seit 1878 als Adoptivkind bei den Thomas lebte.

Dargestellt ist eine Landschaft mit Wiesen, Büschen und Pappeln an den Ufern der Nidda oder eines Baches in der Umgebung von Frankfurt. Im Vordergrund im Schatten der Büsche sitzen zwei Mädchen engumschlungen nebeneinander. Vor ihnen und exakt in der Mitte des Gemäldes kniet ein jüngeres Kind ganz in Rot gekleidet auf der Wiese. Überrascht blicken die beiden jüngeren Kinder – von ihrem Spiel unterbrochen – in Richtung des Betrachters. Ungeachtet der Störung grast eine weiße Ziege am rechten Bildrand.

Die Maltechnik von Am stillen Bach ist für Thomas Spätwerk typisch. Der magere Farbauftrag und die starke Betonung der Umrisslinie erinnern an eine kolorierte Zeichnung. Das kräftige Rot des Kleides setzt einen Akzent gegen die tonigen Farben der umgebenden Natur.

Nach autodidaktischen Anfängen wurde Hans Thoma 1859 bis 1866 an der Großherzoglichen Kunstschule in Karlsruhe Schüler von Johann Wilhelm Schirmer. Von besonderer Wichtigkeit war sein Paris Besuch 1868 zusammen mit seinem Freund Otto Scholderer. Der Kontakt vor allem mit Gustave Courbet, Théodore Rousseau und Jean-François Millet, sowie mit dem Werk von Edouard Manet war sicherlich prägend für seine Entwicklung, auch wenn er selbst den Einfluss dieser Maler eher als Bestätigung seiner bereits gefestigten künstlerischen Auffassung verstand. In dieser Zeit lebte Thoma abwechselnd in Bernau, Säckingen und Karlsruhe. 1877 verlegte er zusammen mit seiner Frau Cella den Lebensmittelpunkt nach Frankfurt. Es folgten weitere Reisen nach Florenz, England und Holland. Eine Ausstellung von 36 Werken Thomas im Münchner Kunstverein 1890 brachte ihm den Durchbruch. Der Verkauf seiner Gemälde stieg sprunghaft an, und die öffentlichen Ehrungen häuften sich. 1895 wurde er Ehrenmitglied der Akademie, 1898 preußischer Professor, 1899 erfolgte die Berufung als Galeriedirektor und Leiter der Kunstschule nach Karlsruhe (Rücktritt 1919), 1903 wurde er Ehrendoktor in Heidelberg und 1904 Ritter des bayerischen Maximiliansordens. Den Zenith seines Ruhmes erreichte er um die Jahrhundertwende.[4]


[1] Robert Schwarzenbach-Zeuner, Seidenindustrieller und Kunstmäzen aus Zürich, der u.a. die fünfte Fassung von Arnold Böcklins Villa am Meer besaß. Urs Widmer, ‚Schwarzenbach’ in Neue Deutsche Biographie , Bd. 24 (2010), S. 15-16: Onlinefassung http://www.deutsche-biographie.de/pnd129517666.html (18.0.12016).

[2] Wohl Renée Schwarzenbach-Zeuner, geborene Wille (1883-1959), Tochter des Schweizer Generals im 1. Weltkrieg, Ulrich Wille-v. Bismarck (1848-1925), und Ehefrau von Roberts zweitem Sohn Alfred (1876-1940). Sie war Schriftstellerin, Journalistin und Fotografin und laut Thode 1909 im Besitz eines zweiten Thoma Gemäldes Vgl. Thode, op. cit., S. 413 (Frühlingsmärchen).

[3] Hans Thoma, Stiller Bach, 1890, Öl auf Leinwand, 88 x102 cm. Vgl. Thode, op. cit., Abb. S. 324 und S. 515, Nr. XXXVII.

[4] Vgl. Hans Thoma, 1839-1924, op. cit., S. 9-11; Thode 1909, op. cit.; Gustav Keyssner, Thoma, Stuttgart und Berlin 1922.

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