Hans Thoma

Hans Thoma (Bernau 1839 - 1924 Karlsruhe)

Tritonenpaar, 1892

Öl auf Leinwand, 69 x 85 cm
Monogrammiert und datiert unten rechts HTh 1892
Verso auf dem Keilrahmen Besitzeretiketten Sammlung Hermann Matthis

Provenienz:
Mary Elisabeth Codman-Beikamp (1836-1929), Laufenburg[1]
Sammlung Hermann Matthis, Berlin-Charlottenburg
Sammlung Carl Laszlo (1923-2013), Basel

Ausstellung:
Markus Ewel (Hg.), Hans Thoma: Lebensbilder. Gemäldeausstellung zum 150. Geburtstag, Kat. Ausst. Freiburg im Breisgau, Augustinermuseum, Königstein im Taunus 1989, S. 278-279, Kat. Nr. 94

Literatur:Henry Thode, Thoma, des Meisters Gemälde in 874 Abbildungen, Stuttgart und Leipzig 1909, S. 365 (als Tritonenpaar)

 

Hebt sich die Sonne strahlend über den Horizont, dann steigt aus den blauen Tiefen das Tritonenpaar empor, der Jüngling mit Muschelklang den Tag begrüßend, wie noch traumumfangen das Geheimnis des Wasserabgrundes grüßend die Frau.[2]

So schreibt Henry Thode, Freund und Biograph Thomas über das vorzustellende Gemälde. Der Einzug der Fabelwesen, der Faune, Sartyrn, Nymphen und Meeresweiber[3] in Thomas Werk ist auch der seit 1874 bestehenden Freundschaft zu Arnold Böcklin geschuldet. Böcklins 1874 für den Grafen Schack gemaltes Gemälde Triton und Nereide[4] war Thoma sicherlich bekannt, als er 1892 sein Tritonenpaar schuf. Das Thema hatte ihn aber bereits davor und in weiteren Variationen auch danach beschäftigt.[5]

 

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Abb. 1 Hans Thoma, Schalmeien blasende Jünglinge und Satyrknaben unter der Laube, 1890-91

Das Gemälde entstand in den Frankfurter Jahren (1877-1899), Thomas kreativster Schaffensphase. [6] Die konkrete Anregung brachte im Frühjahr des Jahres 1892 eine Reise nach Venedig, die er zusammen mit seiner Ehefrau und dem Ehepaar Thode unternahm. Gemeinsam haben Thode und Thoma dort den Gedanken der ‚Federspiele’ ersonnen, einen Dialog in Worten und Bildern. Ein kleiner Band mit Thodes Gedichten von Thoma illustriert. Thomas Illustrationen zu den Gedichten Meeressehnen sowie Hass und Liebe zeigen Meereswesen und Tritonen.[7] Wiederholt schilderte Thoma in Briefen und Notizen die Schönheit des Meeres. Vor allem faszinierten ihn die Farben und das sich im Wasser reflektierende Licht. Als silbern strahlenden Fächer stellt Thoma dann auch die über dem Meer aufgehende Sonne dar. Das gleisende Licht des Sonnenaufgangs taucht nicht nur die Wellen, sondern auch die nassen Leiber der Meereswesen in goldenen Glanz. Der Meeresgott Triton ist als Mischwesen mit dem Unterleib eines Fisches abgebildet. Auf ihm reitend, mit dem Arm seinen Brustkorb umfangend, die Nereide. Ihre Gesichtszüge gleichen jenen von Thomas Ehefrau Cella. Der im Profil dargestellte auf dem Muschelhorn blasende Triton ähnelt in seiner Haltung jenen Schalmeien blasenden Jünglingen und Satyrknaben unter der Laube[8] die Thoma ein Jahr davor für den Musiksalon des Hauses der Familie Pringsheim in München fertigte und der ihm dort zu künstlerischem Durchbruch und Anerkennung verhalf.

Die Anlage der Farbigkeit in dunklem Blau, Silber und Gold, der vereinfachte Bildaufbau und die ornamentale Auffassung der strahlenden Sonne lassen Einflüsse des Jugendstils erkennen. Thoma – Gründungsmitglied der Münchner Sezession – war bestens mit zeitgenössischen Tendenzen, dem Symbolismus und dem Jugendstil vertraut, auch wenn er zu ihnen immer eine gewisse Distanz gehalten hat.[9]

Zunächst befand sich Triton und Nereide im Besitz von Mary Elisabeth Codman-Beikamp (1836-1929). Die Amerikanerin zog mit ihrem Ehemann Arthur Amory Codman (1833-1896)[10] in die elterliche Heimat nach Laufenburg. Zuvor lebte das Ehepaar in Zürich. Dort lernte Mary Codman Arnold Böcklin kennen, der sie 1889 portraitierte.[11] In ihrem Besitz befand sich außerdem das Gemälde Frühlingshymne von Böcklin.

Hans Thomas künstlerische Entwicklung vollzog sich zunächst an der Akademie in Karlsruhe, bald aber – nicht untypisch für einen Künstler seiner Generation – in zunehmender Distanz zu ihr. Bis 1890 stand er in zäher und geduldiger Opposition zu einem Kunstbetrieb, der ihm den Erfolg weitgehend versagte. Er hatte engen Kontakt zu anderen Malern seiner Generation, denen größtenteils ein ähnliches Schicksal beschieden war. In München waren dies in den 70er Jahren der Kreis um Wilhelm Leibl, Viktor Müller, Wilhelm Trübner sowie Arnold Böcklin und später Hans von Marées. Von besonderer Wichtigkeit war sein Paris Besuch 1868 zusammen mit seinem Freund Otto Scholderer. Der Kontakt vor allem mit Gustave Courbet, Théodore Rousseau und Jean-François Millet, sowie mit dem Werk von Edouard Manet war sicherlich prägend für seine Entwicklung, auch wenn er selbst den Einfluss dieser Maler eher als Bestätigung seiner bereits gefestigten künstlerischen Auffassung verstand. Thoma lebt vier Jahre in Italien und danach wieder in München. 1877 verlegte er seinen Lebensmittelpunkt nach Frankfurt. Es folgten weitere Reisen nach Italien, England und Holland. Er pflegte Kontakte nach Bayreuth zu Cosima Wagner, für die er Kostüme entwarf und die er auch porträtierte. Ab 1890, sicherlich auch begünstigt durch eine gewisse Internationalisierung des Kunstgeschmacks in Deutschland, nicht zuletzt durch den zunehmenden Einfluss der zeitgenössischen französischen Malerei, wandte sich die öffentliche Meinung zu seinen Gunsten. Eine Ausstellung von 36 Werken Thomas im Münchner Kunstverein brachte ihm den Durchbruch. Der Verkauf seiner Gemälde stieg sprunghaft an, und die öffentlichen Ehrungen häuften sich.[12]

Thoma

Abb. 2 Hans Thoma, Triton, rote Kreide auf Papier, 37,2 x 33,2 cm, Privatsammlung, USA


[1] Vgl. Thode, op. cit., S. 365.

[2] Thode, op. cit., S. LV.

[3] Bruno Bushardt, Hans Thoma, 1839-1924, Kat. Ausst., Schweinfurt, Sammlung Georg Schäfer, Schweinfurt 1989-90, S. 18.

[4] Arnold Böcklin, Triton und Nereide, 1874, Tempera auf Leinwand, 105,3 x 194 cm, München, Schackgalerie, Inv. Nr. 11534.

[5] 1882 erstmalige Beschäftigung mit Triton und Nereide als Rückenansichten: Triton und Nereide, 1882, Öl auf Karton, 44 x 54 cm, Heidelberg, Privatbesitz. Wiederholungen unseres Gemäldes folgten laut Thode 1896 und 1906. Vgl. Thode, op. cit., S. 546. Eine spätere, kleinformatige Fassung in Öl von 1900, die nicht bei Thode erwähnt ist, befindet sich im Besitz des Hans-Thoma-Kunstmuseums in Bernau (vgl. Hans Thoma. Stationen eines Künstlerlebens, Kat. Ausst. Kunstmuseum Bernau, Petersberg 2014, Kat. Nr. 81, S. 170-1). Thoma verwendete das Motiv 1895 auf einer Algraphie (vgl. Beringer 1922, Farbabb. Tafel 62) und auf zwei Radierungen von 1917 und 1920 (vgl. Beringer 1923, Nr. 207 und 264).
Eine Vorzeichnung des Triton befindet sich im Besitz eines amerikanischen Sammlers (Abb. 2).

[6] Vgl. Ewel, op. cit., S. 72.

[7] Vgl. Hans Thoma und Henry Thode, Federspiele, Frankfurt a.M. 1892, S. 23 und S. 63.

[8] Hans Thoma, Schalmeien blasende Jünglinge und Satyrknaben unter der Laube, 1890-91, Öl auf Leinwand, 129 x 155,5 cm, Staatsgalerie Stuttgart, Inv. Nr. 126.

[9] Vgl. Bushart, op. cit., S. 19.

[10] The New England Historical and Genealogical Register, Bd. 51, 1897, S. 365-6.

[11] Arnold Böcklin, Bildnis Mary Elisabeth Codman, 1889, Öl auf Holz, 70,5 x 50 cm, Kunsthalle Mannheim, Inv. Nr. 575 (Andree, Nr. 414).

[12] 1895 wurde er Ehrenmitglied der Akademie, 1898 preußischer Professor, 1899 erfolgte die Berufung als Galeriedirektor und Leiter der Kunstschule in Karlsruhe, 1903 wurde er Ehrendoktor in Heidelberg und 1904 Ritter des bayerischen Maximiliansordens.

 

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