Helmer Osslund

Helmer Osslund
(Sundsvall 1866 - 1938 Stockholm)

Winterlandschaft, vor 1900

Öl auf Leinwand, 48,5 x 34 cm
Signiert unten rechts Helm. Osslund

Provenienz:
Privatsammlung, Schweden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das zentrale Thema der Gemälde Helmer Osslunds ist die schwedische Landschaft, vor allem der nördliche Landesteil Norrland mit seiner historischen Provinz Lappland. Zu Lebzeiten des Künstlers rückten vor allem diese nördlichen Regionen Schwedens, bisher künstlerisch nahezu unentdeckt, in den Focus. Eine neue Landschaftsmalerei in Schweden fern der Hauptstadt entstand.1 Die Rückkehr in die Provinz war in den 1880er und 1890er Jahren ein gesamteuropäisches Phänomen, die Suche nach unverfälschten und unzerstörten Kulturen und Landschaften global. Ein Lehrer Osslunds, Paul Gauguin (1848-1903) ist wohl der bekannteste Vertreter dieser Entwicklung, der sich zunächst in der Bretagne niederließ um schließlich auf der Flucht vor der Moderne bis in die Südsee zu reisen, auf der Suche nach ursprünglichem Leben. 2

1893 hatte Osslund seine Stellung als Porzellanmaler in der Manufaktur von Gustavsberg gekündigt um wie viele andere seiner skandinavischen Kollegen in Paris Erfahrungen zu sammeln und an der progressiven Académie Colarossi zu studieren. Paul Gauguin selbst unterrichte Osslund ab 1894 in Paris, ehe der berühmte Maler im Sommer 1895 nach Tahiti zurückkehrte. Gauguin war in formalen Aspekten von wegweisendem Einfluss auf den jungen Maler.

Die vorgestellte sehr frühe Schneelandschaft entstand noch vor 1900, kurz nach Osslunds Aufenthalt in Paris. 1898 war er aus Paris über Deutschland, die Niederlande und Schottland nach Schweden zurückgekehrt. Osslund adaptierte Gauguins neuartiger Umgang mit Farbe, Fläche und Raum wie auch die subjektive, geistige und symbolische Dimension seiner Bilder.3 Er schuf in der Darstellung stark vereinfachte und von der bloßen Abbildung gelöste Landschaften mit einer Hinwendung zum Ornamentalen und gestaltete seinen Bildaufbau mittels intensivfarbiger Felder. Er verschmolz das subjektive Naturerlebnis mit den nationalen Strömungen seiner Zeit. Der Katalog der Kölner Ausstellung 1998 spricht von einer Vereinigung von französischer Formensprache und nordischer Stimmung.4

Schlanke, kahle Bäume dominieren das Hochformat, teils ragen die dynamisch nach oben strebenden Äste gar über den Bildrand hinaus. Komposition und Farbigkeit stehen in glücklicher Verbindung. Groß ist Osslunds Interesse an der Wiedergabe der gedämpfte Farbigkeit der Schattenpartien im Kontrast zu den grell besonnten Teilen der Landschaft. Die kühlen, weiß-blauen Tönen der Schneeflächen und des Himmels gegen die warmen Rot- und Brauntöne der Scheune, der Bäume und des Zauns.

Später, 1899, reiste Osslund weiter in Richtung Norden: nach Norrland, dem nördlichsten schwedischen Landesteil. Dort fand er sein Lebensthema: die einsame Landschaft der historischen Provinz Hälsingland und die Gebiete um die Flüsse Ljungan und Indalsälven. Ab 1905 zog es ihn dann noch weiter nordwärts bis nach Lappland. Künstlerisch blieb Osslund lebenslang der nordschwedischen Landschaft treu.[5]

 


1 Michelle Facos, Nationalism and the Nordic Imagination. Swedish Art of the 1890s, Berkley 1998, S. 189.

2 Landschaft als Kosmos der Seele. Malerei des nordischen Symbolismus bis Munch 1880-1910, Kat. Ausst. Köln, Wallfarr-Richartz-Museum, 1998, S. 80.

3 Paul Gauguin, Kat. Ausst., Fondation Beyeler, Riehen/Basel, 2015, S. 29.

4 Landschaft als Kosmos der Seele, op. cit., S. 79.

5 Siehe A mirror of nature. Nordic Landscape Painting 1840-1910, Kat. Ausst., Statens Museum for Kunst, Ateneumin Taidemuseo Helsinki, Nationalmuseum Stockholm, Museet for Samtidskunst Oslo, 2006, S. 290.
Torsten Gunnarsson, Nordic landscape painting in the nineteenth century, New Haven (u.a.) 1998, S. 247-252.
Helmer Osslund: norrlands målare, Kat. Ausst. Nationalmuseum Stockholm, 1971.

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