Honoré Daumier

Honoré Daumier
(Marseille 1808 - 1879 Valmondois)

Homme sur un Cheval Blanc - Reiter auf einem Schimmel, ca. 1860

Öl auf Holz, 38 x 25 cm
Monogrammiert unten links h.D.

Provenienz:
- Nachlass Honoré Daumier
- Marie-Alexandrine Daumier (1822-1895), Witwe Daumiers1
- James Staats Forbes (1823-1904), London, Kunstsammler
- E. A. Fleischmann’s Hofkunsthandlung, Gemälde-Sammlung (II. Teil) des Herrn J. S. Forbes, Chelsea, London, München, Auktion XIX, 21. März 1906, S. 15, Lot 29, Abb. Tafel 12
- Galerie Heinemann, München, Nr. 8216, seit 4.4.1906, verkauft am 5.5.1906 an
- Dr. Hermann Eissler (1860-1953), Wien, Großindustrieller und Kunstsammler
- Eduard Fuchs (1860-1940), Berlin, Paris, vor 1926
- Margarete Fuchs, Witwe Eduard Fuchs (1885-1953) Paris, New York
- Michael N. Altman Fine Art, New York
- Rolf und Margit Weinberg, Zürich, New York, seit 1986
- Michael N. Altman Fine Art, New York
- Englische Privatsammlung, seit 2009

Ausstellung:
Exposition des peintures et dessins de Honoré Daumier, Paris, Paul Durand-Ruel, 1878, S. 63, Nr. 77 (L'abreuvoir", Leihgabe Honoré Daumier)
Honoré Daumier 1808 - 1879, Wien, H.O. Miethke, November /Dezember 1908, Nr. 43, Leihgabe Eissler
Honoré Daumier 1808 - 1879. Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Plastik, Berlin, Galerie Matthiesen, 21. Februar bis 31. März 1926, Nr. 31, Leihgabe Fuchs
Corot, Daumier, New York, Museum of Modern Art, 16. Oktober bis 23. November, 1930, S. 32, Nr. 55, Leihgabe Fuchs
El Greco bis Mondrian: Bilder aus einer Schweizer Privatsammlung, Stiftung und Sammlung Weinberg, Aarau, Aargauer Kunsthaus, Wuppertal, Von der Heydt-Museum, Dresden, Gemäldegalerie Neue Meister, Köln 1996, S. 58

Literatur:
Arsène Alexandre, Honoré Daumier, l'homme et l'oeuvre, Paris 1888, S. 375
Erich Klossowski, Honoré Daumier, München 1908, S. 55, S. 88, Nr. 31 (identisch mit Nr. 34)
A. Roessler, H. Daumier, Bildende Kuenstler, Wien 1911, S. 209
L'Amour de l'Art, Paris, 1926, S. 160
Paul Westheim, ‚Das Haus eines Sammlers’, in Das Kunstblatt, 10. Jg., Potsdam 1926, S. 110, Abb. S. 101
Eduard Fuchs, Der Maler Daumier, München 1927, S. 49, Abb. Nr. 79
Christian Zervos, Eduard Fuchs, ‚Revisions Honoré Daumier und Honoré Daumier’, in Cahiers d’Art, III, Paris 1928, S. 186, Abb.
Eduard Fuchs, Der Maler Daumier, München 1930, Nr. 79, Abb.
Cahiers d'Art, I/II, Paris 1932, S. 39
Jean Adhémar, Honoré Daumier, Collection Prométhée Paris 1954, Tafel 108
Karl Eric Maison, Honoré Daumier: A Catalogue Raisonné of the Paintings, Watercolors, and Drawings, Werkverzeichnis, Bd. 1, London und Greenwich 1968, Nr. I-75, Tafel 67
P. Georgel, Gabriele Mandel, Tout l'Oeuvre Peint de Daumier, Paris 1972, Nr. 93
Ulrich Weitz, Salonkultur und Proletariat: Eduard Fuchs Sammler, Sittengeschichtler, Sozialist, Stuttgart 1991, S. 304
Ulrich Weitz, Der Mann im Schatten Eduard Fuchs, Berlin 2014, S. 8, Abb.

 

 

Das Motiv vom Reiter fand er [Honoré Daumier] in der Schwemme. Er hatte das Schauspiel alle Abende vor seiner Tür am quai d’Anjou. Für jeden Maler gewiss hinreißend durch die Aufgeregtheit der schnaubenden Tiere, getummelt von halbnackten Kerlen, durch die Verbindung mit dem Wasser, den unaufhörlichen Wechsel mannigfaltiger Gruppierung.2

Aus seinem Atelierfenster, am Quai d'Anjou auf der Ile Saint-Louis gelegen, konnte Daumier die zur Tränke an die Seine geführten Pferde direkt beobachten.3 So entstand ab Mitte der 1850er Jahre eine Gruppe von Gemälden mit dem Motiv von Pferden und Reitern an der Schwemme. Zu nennen sind L’Abreuvoir im Cardiff National Museum und Les Cavaliers, heute im Museum of Fine Arts in Boston.4

Auch das vorzustellende Bild gehört dieser Gruppe an. Es zeigt einen jungen, nur mit einer kurzen Hose bekleideten Reiter auf einem ungesattelten und ungezäumten Schimmel. Pferd und Reiter nehmen fast die gesamte Bildfläche des Hochformats ein. Auf eine detaillierte Darstellung des Hintergrunds wird verzichtet, der Himmel erscheint blaugrün, der Boden braungrau. Die tänzelnde Drehbewegung des Pferdes nach links erzeugt zusammen mit der Gegendrehung des Jungen nach rechts eine Spannung, die an Géricaults Reiterbildnisse erinnert und dem kleinen Format zu monumentaler Wirkung verhilft. Der Autodidakt Daumier, der erst ab 1848 als Maler in Erscheinung trat, erhebt die Alltagsszene zur Historienmalerei.

Die Darstellung von Pferd und Reiter durchzieht das ganze Schaffen Honoré Daumiers. Zeitgleich mit der vorgestellten Werkgruppe beginnt auch Daumiers Beschäftigung mit der Don-Quijote-Thematik, für die Daumier mit Don Quijotes Pferd, Rosinante, einen ganz anderen Typus prägt.

Abb. 1 Blick in das Daumier-Zimmer in der Villa Fuchs in Berlin-Zehlendorf

Zwei Ausstellungen auf denen Homme sur un cheval blanc zu sehen war, seien explizit erwähnt: Eine Einzelausstellung, nur ein Jahr vor seinem Tod, von Freunden ausgerichtet, allerdings mit äußerst bescheidener Wirkung. Ganz anders war der Effekt auf das Publikum im Jahr 1930, als das Metropolitan Museum in New York die Ausstellung Corot and Daumier zeigte: The attendance at this exhibition was so great that it was at times almost impossible to see the pictures, and notices were posted calling attention to the fact that the exhibition was open in the evenings, as well as during daylight hours.5 Unser Gemälde war als Leihgabe von Eduard Fuchs (1860-1940), Verfasser eines umfangreichen Daumier Werkkatalogs und Eigentümer einer beachtlichen Daumier Sammlung, die Lithographien, Zeichnungen und Gemälde beinhaltete6 (Abb. 1).

 

 

 


1 Siehe Arsène Alexandre, Honoré Daumier, l'homme et l'oeuvre, Paris 1888, S. 375: à Mme veuve Daumier.

2 Erich Klossowski, Honoré Daumier, München 1908, S. 54.

3 Robert Rey, Honoré Daumier, New York 1965, S. 122.

4 Siehe dazu Daumier, 1808-1879, Kat. Ausst. Ottawa, Musée des Beaux-Arts du Canada, Paris, Réunion des Musées Nationaux, Washington, The Phillips Collection, 1999-2000, S. 306-307:
Honoré Daumier, L’Abreuvoir (The Watering Place), 1855-1860, Öl auf Holz, 44,7 x 55,7 cm, Cardiff, National Museum and Gallery, Inv. Nr. NMW A 2451.
Honoré Daumier, Les Cavaliers (Horsemen), um 1855, Öl auf Leinwand, 58,4 x 83,8 cm, Boston, Museum of Fine Arts, Inv. Nr. 41.726.

5 ‚Corot and Daumier: A Notable Exhibition, The Museum of Modern Art’, in The American Magazine of Art, 1930, Bd. 21, Nr. 12, S. 708 (http://www.jstor.org/stable/23931954, Zugriff am 10.10.2018).

6 Vgl. Ulrich Weitz, Salonkultur und Proletariat: Eduard Fuchs Sammler, Sittengeschichtler, Sozialist, Stuttgart 1991, S. 315-318.

Siehe auch Fuchs Buch über Daumier von 1930, laut Karl-Eric Maison (op. cit. S. 42) das erste Werkverzeichnis Daumiers, das mittels Abbildungen versucht, einen kompletten Werkkatalog aller Gemälde und Zeichnungen darzustellen. 1930 besaß er 25 Gemälde von Daumier, jedoch sind nach heutigen Erkenntnissen nur 14 Gemälde als echt einzustufen. Siehe Weitz, op. cit. S. 316.

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