Jean-Baptiste-Camille Corot

Jean-Baptiste-Camille Corot (1796 - Paris - 1875)

Sainte-Adresse, Normandy, um1830

Öl auf Papier, 15 x 22,8 cm
Nachlassstempel unten rechts VENTE / COROT
Verso Vente Corot Wachssiegel auf dem Spannrahmen

Provenienz:
Jean-Baptiste-Camille
Nachlassauktion Vente Corot, Paris, Hôtel Drouot, 26.05.1875, Nr. 335, gekauft für 100 Francs von Détrimont[1] Alexis-Eugène Détrimont, Paris
Privatsammlung, Frankreich
Salander-O'Reilly Galleries, New York, 2002
Privatsammlung, Kanada

Literatur:
Alfred Robaut, L'oeuvre de Corot: catalogue raisonné et illustré, Paris 1905, Bd. 2, S. 82, Nr. 235, Abb. S. 83; Bd. 4, S. 232, Nr. 335 der Nachlassauktion
Jean Selz, La Vie et l'oeuvre de Camille Corot, Courbevoie 1988, S. 74

 

Zahlreiche bedeutende Maler des 19. und frühen 20. Jahrhunderts kamen in das normanische Sainte-Adresse, ein kleines Städtchen westlich von Le Havre am Ärmelkanal. Geplagt von der Rastlosigkeit der Großstadt suchten sie die Ruhe der Normandie. Künstler wie Gustave Courbet, Alfred Stevens, Albert Marquet, Claude Monet und auch Jean-Baptiste-Camille Corot fanden hier Motive und Inspiration.

Unsere Ölstudie der Dünen in Sainte-Adresse entstand nach Corots erster Italienreise, von der er 1828 zurückkehrte. Die in Rom gesammelten Erfahrungen, vor allem eine Vervollkommnung seine Meisterschaft der plein-air Malerei, sind in diesem Werk eindrucksvoll belegt. Corot versucht in diesen Jahren dem zufälligen Bildausschnitt einer plein-air Skizze eine feste Komposition zu geben. Peter Galassi schreibt: Durch künstlerische Distanz und Überlegung hat Corot die empirische Genauigkeit der Freilichtmalerei mit der malerischen Strenge der klassischen Tradition verschmolzen.[2]

Der Strand von Sainte-Adresse und die dahinterliegende Landzunge von Hève, der untergehenden Sonne abgewandt, sind bereits in kühlen Schatten gehüllt. Dahinter glüht der Himmel warm in der Abenddämmerung. Corot fand den Ort so anziehend, dass er ihn 1829 sowie 1830 - und erneut 1840 besuchte.[3] Die Nadelstiche an den Ecken des Papiers, die durch die Befestigung an dem Malbrett entstanden sind, machen klar, dass Les Dunes de Sainte-Adresse direkt vor Ort entstanden ist – ganz konzentriert auf die Wirkung von Licht und Farbe. Besonderes Interesse zollt der Maler den Dünen, die in ihren flächig aufgetragenen Grau-, Braun- und Grüntönen fast abstrakt anmuten und mit der warmen Farbigkeit des Himmels und der Wolken kontrastieren.

Corot war einer der wichtigsten Landschaftsmaler des 19. Jahrhunderts. Von den Malern Achille-Etna Michallon und Jean-Victor Bertin lernte Corot die Grundlagen der klassischen Landschaftsmalerei. Sie hielten ihn von Anfang an zu Naturstudien an, ganz so wie sie dies schon ihr Lehrer Pierre-Henri de Valenciennes gelehrt hatte[4]. Corot stellte regelmäßig auf dem Pariser Salon aus, meist Landschaften, die direkt auf seinen plein-air Studien basierten. Diese spontanen Studien gehören heute zu seinen gesuchtesten Arbeiten. Häufig hielt sich der Künstler in der Gegend um Fontainebleau auf und traf sich gerne mit Malern der Schule von Barbizon wie Daubigny und Diaz. Stark beeinflusst wurde er nach seiner Ankunft in Rom 1826 von den Ölskizzen Pierre-Henri de Valenciennes, der bereits 1777 nach Rom gekommen war.

 

 

[1] Alexis-Eugène Détrimont (born 1825) was a picture dealer who also dealt in canvases. He started a small framing business in the rue Notre-Dame-des-Champs in Paris before setting up in the rue Lafitte. Vgl. Roquebert, ‘Quelques observations sur la technique de Corot’, in Corot, un artiste et son temps. Actes des colloques organisés au Musée du Louvre par le Service Culturel les 1er et 2 mars 1996 à Paris et par l’Académie de France à Rome, Villa Médicis, le 9 mars 1996 à Rome, Paris and Rome 1998, pp. 73-97 and p. 95, note 14.

[2] Peter Galassi, Corot in Italien. Freilichtmalerei und klassische Landschaftstradition, München 1991, S. 143.

[3] Vgl. Bruno Delarue, Les peintres au Havre et Sainte-Adresse 1516-1940, Yport 2008, S. 321-322.

[4] 1799 veröffentlichte De Valenciennes eines der wichtigsten Maltheoretischen Traktate seiner Zeit, welches für die Folgegeneration sehr wichtig war: Éléments de perspective pratique à l'usage des artistes, suivis de réflexions et conseils à un élève sur la peinture et particulièrement sur le genre du paysage.

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