Johan Christian Clausen Dahl

Johan Christian Clausen Dahl (Bergen 1788 - 1857 Dresden)

Blick auf die Bucht von Neapel mit Vesuv, 1820

Öl auf Leinwand, 44,5 x 67 cm
Signiert und datiert unten links Dahl Sept. 1820

Provenienz:
Kronprinz Christian Frederik von Dänemark (später König Christian VIII.)
König Frederick VII. von Dänemark
Louise Christine Rasmussen, Gräfin Danner (Gemahlin von König Frederick VII.)
Kopenhagen, Auktion Grevinde Danner, 24. August 1874, Lot 9
H.H. Lynge, Kopenhagen (erworben bei obiger Versteigerung)
Sammlung Oscar Johannesen, Oslo
Johannes Sejersted Bødtker, Oslo (1937)
Wahrscheinliche Sinding-Larsen, Oslo
Sammlung Georg Schäfer, Schweinfurt
Privatsammlung, Deutschland

Ausgestellt:
Kopenhagen, 1926, Nr. 29 (?)
J.C. Dahl's verk, Minneutstilling, Oslo, Kunstnernes Hus, 1937, Nr. 132
Pompeji: Leben und Kunst in den Vesuvstädten, Recklinghausen, Villa Hügel, 1973,
Nr. 345

Literatur:
Carl Reitzel, Fortegnelse over Danske Kunstneres Arbeider paa de ved det Kgl. Akademi for de Skjönne Kunstler I Aarene 1807-1882 afholdte Charlottenborg-Udstillinger, Copenhagen 1883, S. 106 [1] Andreas Aubert, Maleren Johan Christian Dahl: et stykke av forrige aarhundredes kunst- og kulturhistorie, Kristiana 1920, S. 76
Marie Lødrup Bang, Johan Christian Dahl 1788-1857: Life and Works, Oslo 1987, Bd. 2, Nr. 226, S. 103f.

 

 

Ich habe die Aussicht von Monte Coppolo gemalt [sic] – die ich vor einigen Tagen für die Prinzessein begann. Sie ist für den Geburtstag des Prinzen bestimmt. (Tagebucheintrag von Johan Christian Dahl, 4./5. September 1820) [2]

Im Mai 1820 erhielt Dahl ein Reisestipendium vom Dänischen Kronprinzen Christian Frederik (1786-1848) und gelichzeitig die Einladung, sein Gast in der südlich von Neapel gelegenen königlichen Sommerresidenz Villa Quisisana (Abb. 1) zu sein. Die Villa in der Nähe von Castellammare überblickte den Golf von Neapel und wurde der königlich dänischen Familie von Ferdinand IV. von Neapel ausgeliehen. Dahl reiste im Juni 1820, einen Tag nach seiner Hochzeit mit Emilie von Bloch, nach Italien. Nach Zwischenhalten in München, Florenz und Rom erreichte er die Villa Quisisana am 11. August 1820.

Das Gemälde zählt zu den ersten Arbeiten, die Dahl kurz nach seiner Ankunft anfertigte, und wurde von der dänischen Prinzessin für den Geburtstag ihres Gemahls am 18. September in Auftrag gegeben. Es zeigt die Aussicht, die das königliche Paar von seiner Terasse in Richtung Norden zum Golf von Neapel blickend genoss. Um die Landschaft in ihrer ganzen Erhabenheit darzustellen, wählte Dahl einen erhöhten Blickpunkt vom Bergrücken des Monte Coppola direkt hinter der Villa. Castellammare, Pompeii und Torre del Greco können im Golf von Neapel ausgemacht werden. Der Vesuv ist zur Rechten abgebildet und ragt mit einer Vulkanwolke in den ruhigen Abendhimmel. Der warme Schein der letzten Sonnenstrahlen erhellt den mit Wolken bedeckten Himmel während die Abenddämmerung naht.
Dahl führte einige Vorzeichnungen [3] sur le motif aus. Weiterhin malte er eine großformatige, aber weniger detaillierte Ölstudie, die bis zu seinem Tode in seinem Besitz blieb und sich heute in der Sammlung des Nationalmuseums in Oslo befindet [4].

Die vorliegende Komposition weist viele traditionelle Charakteristika einer Verdute auf. Dies war vor dem Hintergrund des konservativen Geschmacks seines königlichen Auftraggebers sicherlich Dahls Absicht. Dennoch beschränken sich die Qualitäten des Bildes nicht auf eine konventionelle malerische Beschreibung, wie sie üblicherweise in einem Erinnerungsstück einer Grand Tour zu finden ist. Der Entwurf topografischer Details ist akribisch genau und die Darstellung der Natureffekte meisterhaft. Besonders evident ist dies in der feinen Wiedergabe des diffusen Dunstschleiers über der Bucht und dem warmen Leuchten des Abendhimmels. Das Gemälde zeigt einen Bezug zu der kontemplativen, atmosphärischen Malerei Caspar David Friedrichs, den Dahl 1818 in Dresden getroffen hatte. [5]   [7]

Goethe vermerkte: In solch einer Umgebung kann man nicht anders als Künstler werden.[6] Für Dahl stellte diese Zeit eine nachhaltig prägende und besonders produktive Periode dar. Ende Oktober 1820 nahm er sich in einem in Pizzofalcone gelegenen Gästehaus Christian Fredericks, einem damals eleganten Küstengebiet von Neapel, eine eigene Unterkunft, um den Zwängen des formellen Hoflebens zu entgehen. Dies bot ihm die Freiheit, für Malausflüge mit Franz Ludwig Catel (1778-1856) nach Pompeji und zu anderen Stätten zu reisen. Drei Mal bestieg er ehe er seine Rückreise nach Dresden von Rom aus am 27. Juli 1821 antrat den Vesuv. [7]

Abb. 1 Johan Christian Clausen Dahl, Blick auf die Villa Quisisana von einer Terasse mit Mitgliedern des königlichen Haushaltes, 1820, Museo di Capodimonte, Neapel (inv. 1388)

Abb. 1 Johan Christian Clausen Dahl, Blick auf die Villa Quisisana von einer Terasse mit Mitgliedern des königlichen Haushaltes, 1820, Museo di Capodimonte, Neapel (inv. 1388)

 

 

 

 

 

 

 

 

 


[1] Bang schreibt, dass Reitzel eine ähnliche Landschaft von Dahl mit unserer Provenienz 1826 in einer Ausstellung in Kopenhagen unter der Nr. 39 beschrieb, nimmt aber an, dass Reitzel sich irrte, vgl. Bang Bd. 2, Nr. 226.

[2] Bang, op. cit., Bd. 2, 1987, S. 103f.

[3] Johan Christian Dahl, Blick auf den Vesuv von der Villa Quisisana, Öl auf Leinwand, 1820, Nationalmuseum, Stockholm (Inv. Nr. NM 7287), ehemals Daxer & Marschall, München.

[4] Nasjonalmuseet for kunst, arkitektur og design, Oslo (Inv. Nr. 766, erworben 1903); Bang, op. cit., Bd. 2, Nr. 225, (Abb.).

[5] Die enge Freundschaft zwischen Dahl und Friedrich wird beschrieben in Dahl und Friedrich. Romantische Landschaften, Kat. Ausst. Staatlichen Kunstsammlungen Dresden 2015.

[6] Johann Wolfgang von Goethe, Italienische Reise, 1786-8.

[7] Bang, op. cit., Bd. 1, 1987, S. 49-63.

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