Johan Christian Clausen Dahl

Johan Christian Clausen Dahl (Bergen 1788 - 1857 Dresden)

 Wolken bei Sonnenuntergang

Öl auf Papier, auf Pappe, 14,5 x 22,5 cm

Provenienz:
Julius Freund (1869-1941), Berlin
Luzern, Fischer (Sammlung Julius Freund aus dem Besitz von Frau Dr. G. Freund, Buenos Aires), 21. Mai 1942, Los 87 (Abb. Nr. 19)
Alfred Guido Roth, Burgdorf, Schweiz
Restituiert an die Erben J. und G. Freund, 2016

Literatur:
Marie Lødrup Bang, Johan Christian Dahl. Life and Works, I, Oslo, 1987, S. 353, Nr. 1213.
Alfred Guido Roth, Die Gestirne in der Landschaftsmalerei des Abendlandes, Bern, 1945, S. 154, Abb. Nr. 103.

 

 

“Der Dahl malt doch sonderbaren Himmel. Er ist wohl eigentlich nicht fromm”[1]

Potrait_Dahl

Fig. 1 Carl Christian Vogel von Vogelstein, Porträt des Malers Johan Christian Dahl, 1823, schwarze Kreide auf Papier, 24 x 18,7 cm. Staatliche Kunstsammlungen Dresden.

 zitiert Carl Gustav Carus ganz im Einklang seine Gattin in einem Brief vom 19. Februar 1820 an den Freund Johan Gottlob Regis, den bekannten Literaten und Shakespeare Übersetzer. Vorausgegangen war ein gemeinsamer Atelierbesuch des Ehepaars Carus bei Dahl. Die Äußerung beschreibt das intellektuelle Klima, das Dahl bei seiner Ankunft in Dresden umfängt. Sie zeigt aber auch, dass die von seiner Malerei ausgehende Neuerung nicht unbemerkt blieb. Besonders seine Skizzen atmen den Geist der Aufklärung, sie waren dezidiert der Naturbeobachtung gewidmet, waren mehr Physik als Metaphysik. In keinem anderen Motiv äußert sich Dahls künstlerisches Wollen ähnlich reizvoll. Die ephemere Gestalt einer Wolke festzuhalten, erforderte eine wache Beobachtung gepaart mit virtuoser Maltechnik – einen sicheren, schnellen Farbauftrag, nass in nass, die Farben teils auf dem Bildträger angemischt.

 

Auch wenn Carus und Caspar David Friedrich bei Dahls Ankunft in Dresden dessen neue Ansätze nicht gleich würdigen konnten, haben doch beide in den folgenden Jahren von ihm gelernt und nicht nur Carus sondern auch Friedrich haben sich unter Dahls Einfluss der Naturbeobachtung zugewandt und die Ölskizze als Medium genutzt. Bei Friedrich wird dieser Einfluss um 1823/24 besonders greifbar, als beide Künstler in Dresden das gleiche Haus bewohnten.

Für die Kunst der Romantik waren Wolkenstudien besonders wichtig. Im England des frühen 19. Jahrhunderts wurden einige Künstler durch ein wachsendes wissenschaftliches Interesse an Meteorologie dazu ermuntert, Wolkenformationen und andere atmosphärische Effekte zu studieren. John Constables Wolkenstudien sind eines der berühmtesten Beispiele dafür. Außerdem fingen sowohl Künstler, als auch Wissenschaftler an, lebhaftes Interesse an der Ungreifbaren Masse in Sachsen zu zeigen. Johann Wolfgang von Goethe persönlich machte Carus mit dem Thema vertraut und lieh Dahl eine Kopie des Schlüsselwerks von Luke Horward On the modifications of clouds (1802).[2]

Dahl stellt eine Abendstimmung bei Gegenlicht dar. Ein dunkles Wolkenband verdeckt die untergehende Sonne. Dem akribischen Betrachter offenbart der Abendhimmel immer neue Farbnuancen. Der schmale Streifen summarisch angedeuteter Baumwipfel dient als Repoussoir. Dahinter liegt jene für die sächsische Schweiz typische gestaffelte Hügellandschaft. Aus der Nahsicht bestaunt man den virtuosen Pinselstrich, den differenzierten Farbauftrag. Mit etwas Abstand besticht die perspektivische Illusion und die Atmosphäre eines sich neigenden Sommertages – ein kleines Meisterwerk Johan Christian Clausen Dahls.

 


[1] Siehe Marie Lødrup Bang, Johan Christian Dahl. Life and Works, I, Oslo 1987, S. 258, IV/77a (Excerpts from the Letters of Carl Gustav Carus to Johann Gottlob Regis).

[2] Bang, im Ausstellungskatalog, Johan Christian Dahl, Ein Malerfreund Caspar David Friedrichs, München, Neue Pinakothek, 1989, S. 264.

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