Johan Christian Clausen Dahl

Johan Christian Dahl, genannt Clausen-Dahl (Bergen 1788 - 1857 Dresden)

 Blick auf den Vesuv von der Küste von Castellammare, September 1820

Öl auf Leinwand, 25 x 43,5 cm
Datiert unten rechts Septbr. 1820

Provenienz:
Johan Christian Dahl
Johan Randulf Bull [1] (1815-1894, Bruder von Anders Sandøe Ørsted Bull, dem Ehemann von Caroline Bull, der Tochter Dahls)
Dr. med. Edvard Isak Hambro Bull (1845-1925, Arzt, Sohn von Johan Randulf Bull)
Theodor Bull (1870-1958, Sohn von Edvard Isak Hambro Bull)
Norwegische Privatsammlung
Lempertz, Köln, Auktion 11.05.2013, Nr. 1206
Kanadische Privatsammlung

Literatur:
Andreas Aubert, Maleren Johan Christian Dahl: et stykke av forrige aarhundredes kunst- og kulturhistorie, Kristiana 1920, S. 454
Johan H. Langaard, J.C. Dahl’s verk, Minneutstilling, Oslo, Kunstnernes Hus, 1937, Nr. 133
Marie Lødrup Bang, Johan Christian Dahl 1788-1857: Life and Works, Oslo 1987,
Bd. 2, Oslo 1987, S. 105, Nr. 232.

Ausstellung:
Bergen, Billedgalleriet, 1880, Nr. 10
J.C. Dahl's verk, Minneutstilling, Oslo, Kunstnernes Hus, 1937, Nr. 133
Johan Christian Dahl, Kistefos-Museet, Kistefoss 2000, S.145, Kat. Nr. 6, Abb. S. 70
Wolken Wogen Wehmut: Johan Christian Dahl, München, Haus der Kunst und Schleswig, Stiftung Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum Schloss Gottorf, Köln 2002, Abb. S. 70, Kat. Nr. 18, S. 203

 

Im Mai 1820 erhielt der Maler Johan Christian Dahl von dem Dänischen Kronprinzen Christian Frederik (1786-1848) ein Reisestipendium verbunden mit einer Einladung in seine südlich von Neapel gelegene königliche Sommerresidenz Villa Quisisana.

Das Jahr, welches Johan Christian Dahl in Italien verbrachte, verhalf ihm zu neuer Virtuosität und großer Sicherheit in seiner Malerei. Die Themen und Aussichtspunkte, die er und manchmal auch Prinz Christian Frederik auswählten, waren meist traditionelle Ansichten des Vesuvs. Doch suchte Dahl jenseits der Vedute seinen Eindruck der Natur darzustellen, das Wetter, die Lichtverhältnisse. Er schuf Stimmungsbilder, die den fundamentalen Gleichklang von Natur und menschlicher Seele ausdrücken sollten. Seine plein-air Studien sind locker und spontan, verglichen mit seinen ausgeführten Ölgemälden.[2] Der Vergleich vorliegender Ölstudie, mit der wenige Wochen davor entstandenen ausgeführten Ansicht des gleichen Motives aus größerer Entfernung, ein Geschenk der Kronprinzessin an den Kronprinzen zu dessen Geburtstag am 18. September, macht dies deutlich (Abb. 1).

 

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Abb. 1 Johan Christian Dahl, Blick auf die Bucht von Neapel mit Vesuv, 1820, Öl auf Leinwand, 44,5 x 67 cm, Daxer & Marschall

Unsere Ölstudie zeigt die aufgepeitschten Wogen am Strand von Castellammare, dahinter den rauchenden Vesuv. Es dämmert. Das aufziehende Unwetter lässt den aschespuckenden Vulkan noch bedrohlicher wirken. Die Aufmerksamkeit des Malers gilt dem Kolorit sowie der besonderen Lichtsituation. Dahl ist ein Meister der Naturbeobachtung: Tosende schaumbekrönte Wellen modelliert aus einem Spektrum von Weiß, Rosa und Gelb. Der Wolkenhimmel, links in den warmen Farben der Restsonne, rechts bereits die kühlen Farben der heraufziehenden Nacht.

Im folgenden Jahr 1821 griff er das Motiv für ein weiteres Gemälde erneut auf. Die etwas größere Darstellung (Bang Nr. 338), bei der die See noch stürmischer ist und die Wellen gegen Felsen branden, befindet sich in der Sammlung der Universität Uppsala.

Dahl brach im Juni 1820, einen Tag nach seiner Hochzeit mit Emilie von Bloch, nach Italien auf. Nach Zwischenhalten in München, Florenz und Rom erreichte er die Villa Quisisana am 11. August 1820. Die Zeit bis Februar 1821 verbrachte Dahl auf Einladung des dänischen Kronprinzen Christian Frederik, dem späteren König Christian VIII., in der Villa Quisisana in Castellammare.[3] Der dänischen Königlichen Familie war die Villa von Ferdinand IV. von Neapel zur Verfügung gestellt worden. Im Dezember 1820 erfüllte sich für Dahl der Traum aller Künstler, die diese Region bereisten: er wurde Zeuge eines Vesuvausbruchs.

Für Dahl war sein italienisches Jahr eine ihn nachhaltig prägende und produktive Periode. Ende Oktober 1820 wollte er die Zwänge des formellen Hoflebens nicht länger erdulden und nahm sich in Neapel eine eigene Unterkunft. Dies bot ihm die Freiheit, für Malausflüge mit Franz Ludwig Catel (1778-1856) nach Pompeji und zu anderen Stätten zu reisen. Insgesamt drei Mal bestieg er den Vesuv, ehe er am 27. Juli 1821 von Rom seine Rückreise nach Dresden antrat.[4]

 


[1] Beiträge zu den einzelnen Familienmitgliedern der Familie Bull siehe Store norske leksikon https://nbl.snl.no/ (7.7.2016).

[2] Zitat aus Nature’s Way. Romantic Landscapes from Norway. Oil studies, watercolours and drawings by Johan Christian Dahl and Thomas Fearnley, Cambridge, Fitzwilliam Museum, 1993, S. 60.

[3] J. C. Dahl in Italien 1820-1821, Kat. Ausst., Kopenhagen, Thorvaldsen Museum, 1987.

[4] Bang, op. cit., Bd. 1, 1987, S. 49-63.

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