Johann Gottfried Steffan

Johann Gottfried Steffan (Wädenswil/Zürichsee 1815 - 1905 München)

Wolkenstudie, nach 1860

Öl auf Leinwand, 26 x 35,5 cm
Rückseitig Nachlassstempel J.G. Steffan München

 

 

 

 

Der Landschaftsmaler Johann Gottfried Steffan hinterließ ein umfängliches Werk von etwa 500 vollendeten Gemälden, welche sich vorzugsweise der Darstellung des Alpenraumes und seiner Gebirgszüge widmet.[1] Erst nach dem Tod des Künstlers 1906 wurden in einer Ausstellung auch seine Studien gezeigt und fanden begeisterten Anklang. Der größte Teil wurde in kürzester Zeit verkauft.

Die vage angedeutete Topographie der vorgestellten Arbeit ist nicht ihr zentrales Motiv. Das eigentliche Thema ist der bewegte Wolkenhimmel, der zwei Drittel der Bildfläche einnimmt. Die Studie ist im Gegensatz zu den Atelierbildern ausschließlich der Atmosphäre sowie dem Zusammenspiel von Licht und Farbe gewidmet. Nur selten hat der Künstler seine Freilichtstudien direkt in Gemälden umgesetzt. Im Gegensatz zu den frühen Studien der 40er und 50er Jahre, die heller in der Farbpalette und lasierend dünn im Farbauftrag sind, wirken die späteren in Strich und Farbe pastoser und konsistenter.

 Nach Absolvieren einer Lehre als Lithograph in Wädenswil übersiedelte Steffan 1833 nach München, wo er sich an der Akademie zum Maler ausbildete. Bestimmend für seine stilistische Entwicklung war der Zyklus italienischer Landschaftsfresken von Carl Rottmann in den Hofgartenarkaden, der damals gerade im Entstehen war. Seit 1840 arbeitete Steffan nur noch als Landschaftsmaler; 1845 unternahm er eine Reise nach Oberitalien und 1855 nach Paris. Zahlreiche Studienreisen führten ihn immer wieder auch in die Schweiz, wo ihn der Kontrast von See und Gebirge mit seinen schnell wechselnden Lichtverhältnissen besonders reizte.

 Neben dem für seine Frühzeit wichtigen Einfluss von Carl Rottmann öffnete er sich später dem allgemeinen Trend zu einem spätromantischen Naturalismus, wie er vielleicht mehr noch als in München bei den Schweizern um Alexandre Calame zum Tragen kam, angespornt von der allgemeinen Begeisterung für die pittoreske Bergwelt der Alpen. Entsprechend war das Interesse bei privaten Sammlern aber auch Museen erwarben in großer Zahl seine Werke. Heute werden die vor dem Motiv entstandenen kleinformatigen Ölstudien, die in ihrer frischen naturnahen Palette und atmosphärischen Energie überzeugen, noch mehr geschätzt als seine Ateliergemälde.[2]


[1] Der Künstler hinterließ einen handschriftlichen Werkkatalog, der auch die meist undatierten und unsignierten Studien listet. Hierauf basierend vgl. das Werkverzeichnis bei Sandor-Schneebeli, Eva, Johann Gottfried Steffan. Landschaftsmaler 1815-1905, Wädenswil 2009, S. 190ff.

[2] Biographischer Abriss nach Heilmann, Christoph, in: Hepp, Frieder u.a. (Hg.), Natur als Kunst, Heidelberg 2007, S. 188.

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