Leopold Schlösser

Leopold Schlösser (Berlin ? - 1836 Düsseldorf)

Selbstbildnis, um 1830

Bleistift auf Papier, 9,5 x 6,7 cm

Provenienz:
Prof. Dr. Brinckmann, Köln-Marienburg
Privatsammlung, München

Literatur:
Hans Geller, Die Bildnisse der deutschen Künstler in Rom 1800-1830, Berlin 1952,
S. 101, Nr. 1256, Abb. 491

 

Das in feinem Bleistift ausgeführte Selbstbildnis des jungen Leopold Schlösser entstand Anfang der 1830er Jahre kurz nach seiner Rückkehr aus Rom. Von Leben und Werk des früh verstorbenen Leopold Schlösser ist wenig bekannt. Wir wissen aber, dass er 1828/29 mit Carl Blechen in Italien war. Das feine Selbstbildnis zeigt, den Einfluss der Nazarener mit denen der junge Schlösser in Rom zweifelsohne in Kontakt kam. Nach seiner Rückkehr aus Italien wechselte er ab 1832 für das weitere Studium an die Düsseldorfer Akademie zu Wilhelm Schadow (1789-1862) und Johann Wilhelm Schirmer (1807-1863).[1]

Im September 1828 machte sich Blechen von Berlin aus auf den Weg nach Italien.[2] Während seiner einjährigen Italienreise wurde er von seinem Malerfreund Leopold Schlösser begleitet. Schlösser ist in Berlin nachweisbar, vermutlich war er mit Blechen an der Berliner Akademie.[3] Die Reise führte die beiden von Venedig über die Städte Mittelitaliens bis Rom und Neapel. An den meisten Zielorten trafen sie auf deutsche Künstler. In Rom bezogen sie im selben Haus Quartier wie die Landschaftsmaler Joseph Anton Koch und Johann Christian Reinhard. August Kopisch, Christian Friedrich Ferdinand Thöming und Wilhelm Ahlborn trafen sie auf Capri.[4] Am 20. November 1829 kehrten Blechen und Schlösser wieder nach Berlin zurück. 1831 nahm Blechen die Professur an der Berliner Akademie an.

Ein nachträglich geschriebener Reisebericht, ein Reisepass sowie Skizzen und Studien Blechens dokumentieren ihre Reiseroute. Blechen bezeichnete Schlösser in seinen Notizbüchern als „Schloßer“ und „Schl“. In Blechens Skizzenbüchern finden sich mehrere individuelle Portraits, unter ihnen auch ein Zeichner (Abb. 1). Dabei könnte es sich um Schlösser handeln.

Carl Blechen, Skizze eines Zeichners, Bleistift auf Papier, 10 x 13 cm, Zweites Neapler Skizzenbuch (Skb. IV), fol. 10r, 1828/29, RV 1047, Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig, Kunstmuseum des Landes Niedersachsen (Inv. Nr. ZL 81/5793)

1832 kam Schlösser an die Düsseldorfer Akademie, die in dieser Zeit enge Bezüge nach Berlin unterhielt. So wurde Schadow 1826 Nachfolger von Peter von Cornelius als Direktor der Düsseldorfer Akademie, den er aus Rom kannte. Er erwarb besondere Verdienste durch die Neuorganisation des Instituts und integrierte die Landschaftsmalerei in die Malereiklasse. Zum Erfolg der Akademie trug bei, dass viele von Schadows Berliner Schülern ihm nach Düsseldorf folgten, unter ihnen Eduard Bendemann und Carl Friedrich Lessing.

Da Schlösser während seines Studiums in Düsseldorf 1836 sehr jung verstarb, ist aus seinem Leben wenig bekannt. Auch Arbeiten lassen sich nur wenige nachweisen. Jedoch verkaufte er die 1833 Abendlandschaft, die Fischerei am See an den Prinzen Friedrich Wilhelm Ludwig von Preußen (1794-1863) [5], Neffe des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III., welcher in Düsseldorf das kulturelle Leben förderte. Durch Gemäldeankäufe und Auftragsarbeiten unterstützte er die Kunstakademie, die einen bedeutenden Anteil an der Entwicklung der romantischen Malerei in Deutschland hatte.[6]

 

 

[1] Vgl. Atanazy Raczyński, übersetzt von Friedrich Heinrich von der Hagen aus dem Französischen, Geschichte der neueren deutschen Kunst, Bd. 1: Düsseldorf und das Rheinland, Berlin 1836, S. 117, 254.

[2] Vgl. Friederike Sack, Carl Blechens Landschaften – Untersuchungen zur theoretischen und technischen Werkgenese, Diss. Ludwig-Maximilians-Universität München 2007, S. 181ff.

[3] Vgl. Ulrich Thieme und Felix Becker, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Bd. XXX, 1936, S. 115.

[4] Rosa von Schulenberg (Hg.), Carl Blechen. Vom Licht gezeichnet. Das Amalfi-Skizzenbuch aus der Kunstsammlung der Akademie der Künste, Berlin, Kat. Ausst. Hamburger Kunsthalle; Alte Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin; Rom, Casa di Goethe, Berlin 2009, S. 37-39.

[5] Vgl. Jacob Höggerath (Hg.), Rheinische Provincial-Blätter für alle Stände, Band 3, Köln 1835, S. 197, Nr. 111. Folgende weitere Werke Schlössers sind ebenfalls bei Höggerath, op. cit. S. 197, Nr. 111 erwähnt: Gebirgslandschaft mit Wölfel von 1843 im Besitz des Grafen von Bismarck von Bohlen in Berlin und Landschaft, See mit Fichtengehölz umgeben, 1835.

[6] Vgl. Ernst Dietrich Baron von Mirbach, Prinz Friedrich von Preußen: ein Wegbereiter der Romantik am Rhein, Köln 2006.

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