Lovis Corinth

Lovis Corinth
(Tapiau, Ostpreußen 1858 - 1925 Zandvoort)

Rote Rosen, 1925

Öl auf Leinwand, 59 x 44 cm
Signiert und datiert mittig rechts Lovis Corinth 1925

Provenienz:
Dr. jur. Arthur Rosin (1879-1972), Berlin und New York (direkt vom Künstler erworben);
Karen Gutmann, geborene Rosin, Tochter Arthur Rosin (1905-2000), Berlin und New York;
Sotheby's, London, Auktion, 10.10.2001, Nr. 24;
Bernd Schultz, Galerie Pels-Leusden, Berlin, 2001-2002;
Privatsammlung Schweiz;
Villa Grisebach, Berlin, Lovis Corinth zum 150. Geburtstag, Auktion, 28.11.2008, Nr. 23;
Privatsammlung, Deutschland.

Ausstellung:
Lovis Corinth. Ausstellung von Gemälden und Aquarellen zu seinem Gedächtnis, Berlin, Nationalgalerie 1926, Kat. Nr. 412;
Lovis Corinth am Walchensee: späte Bilder, Berlin, Galerie Pels-Leusden, 8. April - 29. Mai 2002, S. 38, Kat. Nr. 7;
Lovis Corinth. Seelenlandschaften, Kochel am See, Franz Marc Museum, 2009, Kat. Nr. 20, Abb. S. 69.

Literatur:
Charlotte Berend-Corinth, Die Gemälde von Lovis Corinth, Werkkatalog, München 1958, Nr. 981;
Charlotte Berend-Corinth, Lovis Corinth, die Gemälde: Werkverzeichnis, München 1992, Nr. 981.

 

Lovis Corinth zählt mit Max Liebermann und Max Slevogt zu den bedeutendsten Vertretern des deutschen Impressionismus. In seinem Werk verwischen sich ab 1912 die Grenzen zwischen Impressionismus und Expressionismus. Bedingt durch den gesundheitlichen Zusammenbruch im Dezember 1911 veränderte Corinth seine Malweise, die fortan von einer zunehmend spontanen, impulsiven Faktur bestimmt wird. Atmosphäre, Farbigkeit und Licht werden zu den eigentlichen Themen seiner Gemälde. Vor allem die Werke der Spätzeit, von denen viele in seinem Haus am Walchensee entstanden, zeichnen sich durch einen freien Pinselduktus und die zunehmende Auflösung des Gegenständlichen aus.

Rote Rosen, 1925 in Corinths Todesjahr entstanden, gruppiert sich in eine kleine Gruppe eindrucksvoller Stillleben der letzten Jahre. Der mit dem Stillleben von jeher verbundene Vanitas-Gedanke artikuliert sich in diesen Werken in besonderer Art. Der Vitalität und Schönheit der dargestellten Blumen weist auf ihr Vergehen. Blühen und Verblühen bedingen sich. Die Farben, besonders jenes locker und impulsiv aufgetragene Rot der Rosen beherrschen das Bild. Er spielt mit den Reflexen der hohen geschliffenen Kristallvase ebenso wie mit dem volutierten Rand des Buffets, auf dem sie steht.

Lovis Corinth, Portrait Dr. Arthur Rosin, 1924, Öl auf Leinwand, 61 x 46 cm, Jerusalem, The Israel Museum, Inv. Nr. B70.1036 506/453

„Jeder Pinselstrich ist zuckendes Leben“1 schrieb der Kunstkritiker Gustav Pauli 1924. Damals, ein Jahr vor Lovis Corinths Tod, war sein temperamentvolles Alterswerk anerkannt und wurde nicht nur als wichtiger Teil seines Oeuvres, sondern auch als Ausdruck jener künstlerischen Potenz geschätzt, die ihm einen herausragenden Platz unter den Malern seiner Generation reserviert.

Der jüdische Bankier Dr. jur. Arthur Rosin (1879-1972) aus Berlin war der erste Besitzer des Stilllebens Rote Rosen. Ab den 1920er Jahren sammelte er Werke von Corinth und wurde ihm Freund und Förderer zugleich. Corinth portraitierte ihn 1924 (Abb. 1). In den Anfangsjahren des Naziregimes floh Dr. Rosin mit seiner zweiten Frau nach Italien. Sie emigrierten schließlich nach New York und nahmen ihre gesamte Sammlung von Werken Corinths mit. Das Stillleben kam nach dem Tod des Vaters in den Besitz seiner Tochter Karen, die 1935 in die USA emigriert war.

 


Zitiert nach Ulrich Luckhardt, Lovis Corinth und die Hamburger Kunsthalle, Ostfildern 1997.

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