Lovis Corinth

Lovis Corinth
(Tapiau, Ostpreußen 1858 - 1925 Zandvoort)

Bayerisches Madl tanzend, 1919

Gouache und farbige Kreide, 72,6 x 42,6 cm
Signiert und datiert unten rechts Lovis Corinth 1919
Rückseitige Beschriftung Bayerisches Dirndl (Walchensee Triptychon)

Provenienz:
Charlotte Berend-Corinth (Linker Teil eines Triptychons, das Corinth seiner Frau für das Haus am Walchensee malte);
Privatbesitz 1958 (siehe Ausstellung Wolfsburg 1958);
Galerie Wolfgang Ketterer, München, Lagerkatalog 121, 1979/1, Nr. 340;
Sammlung Cesar Zimnoch, Mannheim;
Ketterer Kunst, München, Auktion, 09.06.2012, Lot 38;
Privatsammlung, München.

Ausstellung:
Lovis Corinth, Gedächtnisausstellung: zur Feier des 100. Geburtsjahres, Stadthalle Wolfsburg, München 1958, Nr. 264;
Lovis Corinth. Die Bilder vom Walchensee. Vision und Realität, Kat. Ausst. Regensburg, Ostdeutsche Galerie, Kunsthalle Bremen, 1986, Nr. 91.I, Abb. S. 194-5

 

 

 

 

 

 

Nach einem ersten Urlaub im Sommer 1918 am Walchensee in Oberbayern, erwarb Lovis Corinth ein Jahr später ein Grundstück in Urfeld am Nordufer des Sees. Seine Ehefrau Charlotte Berend-Corinth kümmerte sich um den Bau des Holzhauses, das im Spätsommer 1919 fertiggestellt war. Das Haus am Walchensee – von Corinth nach dem Spitznamen seiner Frau Haus Petermann genannt – wurde bis zu seinem Tod 1925 ein Rückzugs- und Inspirationsort für den Künstler. Viele der Gemälde der letzten Jahre bilden die umgebende Natur, den See und die Berge ab.

Corinth hatte ursprünglich geplant, das ganze Haus mit Bildern zu auszustatten, letztlich blieb es aber bei wenigen Werken. Dazu zählt auch das sogenannte Walchensee Triptychon (Abb. 1). Charlotte Berend-Corinth beschreibt die Entstehung des ihr persönlich gewidmeten Gemäldes wie folgt: „Einen köstlichen Zärtlichkeitsbeweis ließ er mir in Urfeld eines Morgens zuteil werden, indem er mir ein triptychonartiges Aquarell mit der knappen Erläuterung gab: Petermannchen, damit die Sonne für dich immer über den Jochberg kommt, habe ich Dir das gemalt. Überwältigt von der Schönheit des über den noch dunklen Höhen von der emporsteigenden Sonne rosig verfärbten Himmels, hatte ich am Frühstückstisch wiederholt ausgerufen: seht, die Sonne kommt über den Jochberg! und Corinth hatte mich deshalb geneckt. Wie gut er meinen Enthusiasmus jedoch verstand, ja, dass er ihn teilte, zeigte das die rosenstreuende Aurora vergegenwärtigende schöne Aquarell; es wurde zum Schmuckstück unseres Bauernzimmers.“1

Im mittleren Teil des Triptychons sind die mythologischen Gestalten Helios und seine Schwester Aurora zu sehen. Der Sonnengott, vor dem die Göttin der Morgenröte Blumen streut, führt seinen Himmelswagen über den Jochberg. Die Allegorie wird flankiert von einem Paar in bayerischer Tracht. Unser Madl hebt ihre Arme zum Tanz und lässt ihr Kleid zur Musik schwingen. Zwei Kühe im vorderen Bildrand rahmen die Szene. Entsprechend dazu sind im rechten Flügel des Triptychons zwei Ziegen zu sehen, die – so scheint es – mit dem Schuhplattler tanzen.

Abb. 1 Der Walchensee-Triptychon, 1919 (von links nach rechts): Bayerisches Madl tanzend, 72,6 x 42,6 cm; Walchensee-Landschaft mit Gefährt des Helios und Aurora über dem Jochberg, 1919, Gouache, 73 x 88 cm (Privatbesitz); Bayerisches Bua Schuhplattler tanzend, 1919, Gouache, 72 x 42 cm (zuletzt Ketterer, München, Auktion 1999, Lot 9).

 


1 Lovis Corinth. Die Bilder vom Walchensee. Vision und Realität, exhib. cat., Regensburg, Ostdeutsche Galerie and Kunsthalle Bremen, 1986, p. 270.

Kommentare sind deaktiviert

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen