Luigi Nono

Luigi Nono (Fusina bei Venedig 1850 - 1918 Venedig)

Skizze zu dem Gemälde 'Primo Novembre', Asolo 1912

Öl auf Papier, auf Karton, 20,8 x 31 cm
Vom Künstler eigenhändig datiert/ Asolo, 3 marzo 1912/ und mit diversen Vermerken zu Farbwerten und Nuancen versehen: / Il cielo gris-verde / Domenica di pioggia /più caldo/Il camino/più chiaro e più/freddo della parete/molto più / basso / tutto il muro)[1];
Rückseitiges Etikett Galleria d'Arte Eleuteri / Roma / Luigi Nono 'La finestra romita' und handschriftlicher Vermerk in schwarzer Tinte Dichiaro che questo „studio“ fu dipinto / da mio Padre, Luigi Nono. / [...] Nono / 6 Dicembre 1940.[2]

Provenienz:
Galleria d’Arte Eleuteri, Rom
Privatsammlung, Italien

Literatur:
Paolo Serafini, Il pittore Luigi Nono (1850-1918): catalogo ragionato dei dipinti e dei disegni, Werksverzeichnis, Torino 2006, Bd. 2, S. 192, Nr. 621 („Studio per 'I Novembre')

Nono war ab 1907 regelmäßig zu Studienzwecken in Asolo[3], wo am 20. Februar 1912 die erste Skizze für Primo Novembre entstand.[4] Die vorgestellte Ölskizze macht dem Betrachter die Spontaneität ihrer Entstehung erlebbar, lässt ihn gleichsam am künstlerischen Schaffensprozess teilhaben. Dem zufällig gewählten Ausschnitt einer Fotografie vergleichbar, zeigt sie ein L-förmiges Gebäude in starker perspektivischer Verkürzung. Der Künstler hat nicht nur den Ort und das genaue Datum der Entstehung mit dem Pinselrücken in die nasse Farbe eingekratzt. Er hat die plein-air gemalte Studie auch mit Kommentaren zu Farbnuancen versehen, die bei einer späteren Verwendung im Atelier zum Tragen kommen sollten – in diesem Falle für das im gleichen Jahr entstandene Gemälde Primo Novembre (Abb.1).[5] Nono stellte es 1912 auf der 10. Biennale in Venedig aus, wo es auch einen Käufer fand.[6]

Primo Novembre bildet zusammen mit La Raccolta delle Foglie (WVZ Nr. 655) und Frate al pozzo (WVZ Nr. 707) eine Motivfolge, die die Abgeschiedenheit klösterlichen Lebens thematisiert.[7]

Abb. 1 Luigi Nono, Primo Novembre, 1912

Abb. 1 Luigi Nono, Primo Novembre, 1912

Der in Fusina bei Venedig geborene Luigi Nono, Großvater des gleichnamigen Komponisten, verbrachte seine Kindheit im nördlichen Veneto, in Sacile. 1865 schrieb er sich an der Akademie der schönen Künste in Venedig ein und studierte bis 1871 bei Pompeo Molmenti (1819-1894). Dort kam er unter den Einfluss von Giacomo Favretto (1849-1887), den Hauptvertreter des venezianischen Realismus. 1873 stellte Nono drei Werke auf einer Ausstellung an der Accademia di Belle Arti in Mailand aus. Sein Malstil hatte sich von der akademischen Tradition gelöst und folgte jenem Favrettos.

Reisen nach Florenz, Rom und Neapel (1876) folgten. Zwei Jahre später hielt er sich in Wien und in Paris auf, wo ihn vor allem die Maler der Schule von Barbizon beeindruckten. Nach dem Tode seines Vaters 1879, verlegte er seinen Lebensmittelpunkt nach Venedig, wo er 1888 erstmals auf der I Esposizione Internazionale d’Arte della Città di Venezia in den Giardini vertreten war, dem Vorläufer der von 1895 bis zum heutigen Tage stattfindenden Biennale (Esposizione Internazionale Artistica),[8] die Nono regelmäßig beschickte. Ausstellungen in Berlin, München und Sankt Petersburg folgten. 1899 wurde er als Professor an die Akademie in Venedig berufen. Er zählt zu den populärsten venezianischen Künstlern des 19. Jahrhunderts.[9] Zusammen mit Favretto und Guglielmo Ciardi (1842-1917) prägte Nono am Ende des Jahrhunderts die veristische Malerei in Venedig. Seine Motive waren sozialkritischer Natur oder beschäftigten sich mit dem Leben der einfachen Leute, beispielsweise Ritorno dei Campi von 1873. Mit Refugium peccatorum, gewinnt er 1883 die Goldmedaille auf der Internationalen Kunstausstellung in München und steigt zu einem der Hauptvertreter des gesellschaftskritischen Realismus in Italien auf.[10]


[1] Übersetzung Vorderseite: „Der Himmel graugrün. Verregneter Sonntag, wärmer. Der Kamin heller und kälter als die Wand, viel tiefer die ganze Mauer.“ Rückseite: Luigi Nono 'Das Fenster der Einsiedelei'. Ich erkläre, dass diese „Studie“ von meinem Vater, Luigi Nono, gemalt wurde. […] Nono. 6. Dezember 1940.“

[2] Mario Nono (1890-1975), Ingenieur, war der Sohn des Malers. Vgl. Enzo Restagno, Nono, Turin 1987, S. 5.

[3] Aufenthalte in Asolo sind für die Jahre 1907, 1909, 1911-13 dokumentiert: vgl. Pavanello, La pittura nel Veneto op. cit., S. 777. Aus einem Brief an seine Frau Rina, datiert 26. Oktober 1911, geht hervor, dass er im Konvent von S. Anna in Asolo untergebracht war und am 11. November nach Venedig zurückkehren wollte. Im darauffolgenden Jahr plante er bereits einen erneuten Aufenthalt in Asolo. Vgl. Serafini op. cit., S. 58.

[4] Die hochformatige Bleistiftzeichnung (WVZ Nr. 616) gibt die ganze Fassade und den kahlen Baum wieder. Weitere Studien und Zeichnungen bezüglich der Fassade von S. Anna folgen. WVZ Nr. 617: Studio per „Primo Novembre“: Nennung der Farben des Fensters und des Risses an der Wand. WVZ Nr. 620: Studio per „Primo Novembre“ mit Farbangaben bezüglich des Kamins.

[5] Primo Novembre, 1912, Öl auf Leinwand, 122,5 x 75 cm, Privatsammlung, Sacile. Vgl. Serafini op. cit., Bd. 1, Tafel 96; Bd. 2, S. 194, WVZ Nr. 631 mit Abb.
Es existieren später entstandene Versionen des Gemäldes:
- Primo Novembre, 1915, Öl auf Leinwand, 85 x 44,5 cm, Privatsammlung, Bologna. Vgl. Serafini op. cit., S. 218, WVZ Nr. 700 mit Abb.
- Primo Novembre, ohne Datierung, Öl auf Leinwand, 23 x 13,6 cm, Privatsammlung, Belluno. Vgl. Serafini op. cit., S. 225, WVZ Nr. 720 mit Abb.

[6] Vgl. Serafini op. cit., S. 58 und S. 194.

[7] Vgl. Serafini op. cit., S. 58.

[8] Vgl. Jan Andreas May, La Biennale die Venezia. Kontinuität und Wandel in der venezianischen Ausstellungspolitik 1895-1948, Berlin 2009, S. 34.

[9] Vgl. Giuseppe Pavanello (Hg.), La pittura nel Veneto: l'Ottocento, Bd. 2, Mailand 2002, S. 776-779.

[10] Vgl. Giuseppe Pavanello u.a., 'La pittura dell'Ottocento a Venezia e nel Veneto', in La pittura in Italia. L'Ottocento, Bd. 1, Mailand 21991, S. 189.

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