Martinus Christian W. Rørbye

Martinus Christian W. Rørbye (Dammen 1803 - 1848 Kopenhagen)

Sermoneta, Italien, 1834

Öl auf Papier auf Leinwand, 32,5 x 41,5 cm
Bezeichnet und datiert unten rechts Seremoneta / 1834

Provenienz:
Alfred Benzon (1855-1932), Kopenhagen und Tårbæk [1]
Erbfolge bis zum jetzigen Besitzer

Ausstellung:
Fortegnelsen over M. Rørbyes Arbejder, Kat Ausst. Kopenhagen, Kunstforeningen, März-April 1905, S. 10, Kat. Nr. 55

Literatur:
Martinus Rørbye 1803-1848, Thorvaldsens Museum, Werksverzeichnis, Kopenhagen
1981, Nr. M 87

 

Martinus Rørbye gehört zu den wichtigsten Vertretern des dänischen goldenen Zeitalters, das im frühen 19. Jahrhundert den Höhepunkt dänischer Malerei markiert. Das goldene Zeitalter läuft synchron mit der deutschen Romantik und steht mit ihr über den geistigen und künstlerischen Austausch der Kopenhagener Akademie mit jenen in Hamburg und Dresden in Verbindung. Auch München, für die Künstler aus dem Norden an der Reiseroute nach Rom gelegen, spielte eine Rolle.[2]

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Abb. 1 Constantin Hansen, Eine Gruppe von dänischer Künstler in Rom, 1837, Öl auf Leinwand, 62 x 74 cm, Statens Museum for Kunst, Kopenhagen, Inv. Nr. kms3236: von links nach rechts: Constantin Hansen, Gottlieb Bindesbøll, Martinus Rørbye, Wilhelm Marstrand, Albert Küchler, Ditlev Blunck und Jørgen Sonne

1834 startete Rørbye auf seine erste Reise nach Italien und erreichte am 22. Oktober Rom. Er frequentierte den Künstler Kreis um den berühmten dänischen Bildhauer Bertel Thorvaldsen, der in Rom ein großes Atelier unterhielt und für viele der jüngeren Künstler eine erste Anlaufstelle war (Abb. 1). In unterschiedlicher Gesellschaft unternahm er Malexkursionen in die Umgebung Roms.  Von 2. bis 8. September machte er zusammen mit seinen Freunden, Peter Wulff und Graf Holk eine Exkursion in die Gegend von Sermoneta. Das Städtchen, 70 km südöstlich von Rom, liegt auf einem Ausläufer der Monti Lepini. In seinem Tagebuch schrieb er am 5. Dezember, seine beiden Freunde seien beim Jagen gewesen, während er selbst an einer Ansicht des Burgtores des Kastells in Seremoneta gearbeitet hatte. (Jeg maler Borg-Porten).
Laut Tagebuch hatte ihn diese Ansicht bereits am Tage zuvor beschäftigt. [3]

Die grau-braune Farbigkeit des Mauerwerkes, die Licht- und Schatteneffekte sind fein abgestuft. Im Vordergrund platziert der Maler einen Hirten in ortstypischer Tracht. Am Burgtor, dem Eingang zum mittelalterlichen Castello Caetani[4], erscheint, angetan mit Zylinder und schwarzem Umhang, wohl sein Reisebegleiter Graf Holk. Rørbyes Meisterschaft im Erfassen der spezifischen Lichtsituation kommt in dieser en plein-air gemalten Ölskizze wunderbar zur Geltung. Sein Interesse gilt natürlich auch der Architektur der mittelalterlichen Anlage. Rørbye war Schüler von Christoffer Wilhelm Eckersberg an der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen, mit dem ihn zeitlebens eine enge Freundschaft verband. Seine Architekturstücke, die geprägt sind von einer scharfen Beobachtung der Motive und dem ausgeprägten Interesse an exakter linearperspektivischer Konstruktion, sind dem Vorbild Eckersbergs verpflichtet. Dieses neue, wirklichkeitsgreifende Sehen verdichtete Rørbye in dem für ihn charakteristischen sorgfältigen Umgang mit dem Licht, der seinen Bildern eine unverwechselbare Stimmung verleiht.

Martinus Rørbye unternahm ausgedehnte Reisen: von 1834 bis 1835 war er überwiegend in Rom und Neapel anzutreffen, von Oktober 1835 bis Mai 1836 in Griechenland und der Türkei, um anschließend über Italien, München, Wien und Prag nach Dresden zu reisen, wo er Johan Christian Dahl besuchte. Nach einem Aufenthalt in Berlin, bei dem er Christian Daniel Rauch traf, reiste er über Hamburg und Kiel nach Kopenhagen. Von 1839 bis 1841 weilte er erneut in Italien.

 


[1] Alfred Benzon war ein Apotheker in Kopenhagen, Maler und Kunstsammler. 1883-84 erhielt er Unterricht bei Peder Severin Krøyer. Sein Bruder Otto Benzon war Schriftsteller und Dichter ebenfalls mit Kroyer befreundet. Vgl. http://gravsted.dk/person.php?navn=alfredbenzon (08.07.2016).

[2] Literatur zu Rørbye siehe: Kasper Monrad, Danish Painting, The Golden Age, The National Gallery, London, London 1984, v.a. S.179. Danish Paintings of the Golden Age. Artemis Fine Arts, Inc., New York, 1999. Im Lichte Caspar David Friedrichs. Frühe Freilichtmalerei in Dänemark und Norddeutschland, Hamburger Kunsthalle, 2000, Hamburg, S. 49.

[3] Vgl. Martinus Rørbyes dagbogen fra udenlandsrejsen 1834-37: http://www.kb.dk/da/nb/materialer/haandskrifter/HA/e-mss/martinus_roerbye.html (19.07.2016).

[4] Vgl. http://www.fondazionecaetani.org/castello.php? (19.07.2016).

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