Odilon Redon

Odilon Redon (Bordeaux 1840 - 1916 Paris)

Etude d’Arbres, 1870-85

Öl auf Papier und Pappe, 24,6 x 20,1 cm

Signiert unten rechts Od.R.

Provenienz:
Gustav Fayet, bis ca. 1900
Privatsammlung, Frankreich
Durch Erbfolge an Privatsammlung, England
Bei Jill Newhouse, New York, 2006 [1]

Literatur:
Alec Wildenstein, Odilon Redon: Catalogue Raisonne de L'Oeuvre Peint et Dessine, Bd. III, Nr. 1757, S. 235, Abb. S. 228

 

 

Auch Naturphämomene, der Baum, das Wasser und das Gras, erscheinen mysteriös durch eine geschickte Verbindung zwischen der bewussten Unklarheit der Details und der lebendigen Auseinandersetzung der Tonwerte.[2]

Diese Charakterisierung von Redons frühem Stil ist recht passend, da sie ihn vom Naturalismus der früheren Generation, wie beispielsweise durch Gustave Courbet veranschaulicht, unterscheidet. Natur spielt in der Tat eine wichtige Rolle in Odilon Redons Leben und Oeuvre. Etude d’Arbres, inspiriert von der Schule von Barbizon, wurde en plein-air gemalt. Davon zeugen Nadeleinstiche in den Ecken des Papiers. Redon hat naturgetreue Waldlandschaften nicht klassisch gemalt, sondern bevorzugte es, ein Element hervorzuheben. In diesem Fall ist es ein gespaltener Baum, ein Motiv, welches er einige Male wiederholte. Er behielt die meisten derartiger Ölskizzen bis zu seinem Tod. Allerdings nicht dieses Werk, welches das Interesse des Malers Gustave Fayet weckte. Fayet war Mäzen von Gaugin und Redon. Mit Letzteren war er außerdem freundschaftlich verbunden. Seine bedeutende Sammlung umfasste Werke von Degas, Manet, Corot, Pissarro, Redon, Gauguin und vielen anderen.

Die Skizze zeigt den Einfluss von Corots späten romantisierenden Werk auf Redon, doch wenn Corot realistische Landschaften mit einem Übermaß an Details malte, vereinfachte Redon die Komposition und ließ weniger wichtige naturalistische Elemente eine untergeordnete Rolle spielen. Feine Nuancen werden hier mit einer kräftigen Trennung von hellen und dunklen Flächen kombiniert. Diese Bestreben ähneln jenen Bildern, die ein Jahrzehnt später von den Post-Impressionismus und Avantgarde Malern, die sich selbst Les Nabis nannten, geschaffen wurden.[3]

Vor 1890 wurde Redon fast ausschließlich aufgrund seiner schwarz-weiß Werke geschätzt. Er fertigte eine große Anzahl von Kohlezeichnungen, die er selbst noirs nannte, und zahlreiche Lithographien an. Sie lassen eine fantastische Welt von oft melancholischer Metaphorik entstehen. Bis zu diesem Zeitpunkt benutzte er Farben lediglich für Landschaftsstudien, wie die gegenwärtige, die vermutlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren. In den frühen 1890er Jahren begann er öfter Farben zu verwenden, um damit die Themen der noirs zu entfalten. Bedeutsam wurde Farbe in den Öl- und Pastellbildern ab 1900.


[1] Die gesamte Provenienz wurde von Jill Newhouse. bereit gestellt.

[2] Even the natural phenomena, the tree, water and grass, are made mysterious by a skillful marriage between a deliberate vagueness of detail and a lively exploration of tonal values. Richard Hobbs, Odilon Redon, Boston 1977, S. 18.

[3] John Rewald, Odilon Redon, Gustave Moreau, Rodolphe Bresdin, Kat. Ausst. Museum of Modern Art, New York und Art Institute of Chicago 1961-1962, S. 29.

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