Ottmar Elliger der Ältere

Ottmar Elliger d.Ä. (Göteborg 1633 - 1679 Berlin)

Ein Fruchtgehänge mit Insekten, 1665

Öl auf Holz, 64,1 x 46,6 cm
Signiert und datiert unten links Ottmar. Elliger. Fecit / Anno 1665; oberhalb des Nachnamens eine gemalte offene Krone[1]

Provenienz:
Andreas Cords (1784-1876), Hamburg bis 1815
Wilhelmine und Louise Marie Sack, Hamburg
Johann Gottfried Schramm Senior bis 1922, Hamburg
Johann Gottfried Schramm Junior bis 1975, Hamburg
In Erbschaft an die Nachfahren

Literatur:
Niels von Holst, ‚Beiträge zur Geschichte des Sammlertums und des Kunsthandels in Hamburg von 1700 bis 1840’ in Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte, Hamburg 1939, Bd. 38, S. 277 (als Trauben, Pfirsiche und Pflaumen)

 

 

 

 

 

Dem holländischer Maler und Kunsthistoriker Arnold Houbraken (1660-1719) zufolge war Ottmar Elliger d.Ä. von der Stilllebenmalerei so fasziniert, dass er seinen Geburtsort Göteborg verließ, um in Antwerpen Schüler des berühmten Daniel Seghers (1590-1661) zu werden.[2] Seghers Spezialität, Blumen- und Fruchtgirlanden, sollte auch Elliger inspirieren, ebenso wie die Werke des dort ansässigen Stilllebenmalers Jan Davidsz de Heem (1606-1684). Nach seiner Studienzeit wechselte Elliger 1654 als selbstständiger Maler nach Kopenhagen, wo er eine Stellung am Hofe des dänischen Königs Frederik III. (1609-1670) antrat. Er malte ein Porträt des Königs und säumte es mit einer Girlande aus Blumen und Früchten. Es befindet sich im Nationalhistoriske Museum auf Schloss Frederiksborg. 1657 ist der Maler dann in Amsterdam nachweisbar. Er ehelichte 1660 Anthonia van Walscapelle, die Schwester des Stilllebenmalers Jakob van Walscapelle (1644-1727). Unbekannt ist, wann genau Elliger von dort nach Hamburg wechselte. 1666 wurde dort jedenfalls sein Sohn Ottmar d.J [3] geboren und ein Jahr zuvor, als er unser Gemälde schuf, war er sicherlich auch schon in Hamburg – die bis ins 18. Jahrhundert zurückreichende Hamburger Provenienz unseres Gemäldes legt dies jedenfalls nahe. 1670 wurde er zum Hofmaler von Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620-1688) ernannt und lebte fortan in Berlin. Obwohl Elliger sich auch mit anderen Genres beschäftigte, verdankt er seine Berühmtheit der Stilllebenmalerei.

Im Hamburg des 17. Jahrhunderts war das Blumenstillleben eine beliebte malerische Gattung. Um die Stadt entstanden nach englischem und holländischem Vorbild Landsitze und Gärten, in denen seltene und kostbare Zierpflanzen kultiviert wurden, die Gartenpassion ihrer vermögenden Besitzer befriedigten.[4]

Elliger malte das vorgestellte Tafelbild 1665 in Hamburg auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Es ist in einem außergewöhnlich guten Erhaltungszustand. Die farbenfrohen Fruchtgirlanden besetzt mit allerlei Getier kontrastieren effektvoll mit dem dunklen Hintergrund. Elligers Feinmalerei erinnert an jene De Heems. Weiße Pfirsiche, Trauben, Kirschen, Pflaumen und Aprikosen bilden ein Fruchtgehänge das von Schmetterlingen – Admiral (Vanessa atalanta) und Kleiner Fuchs (Aglais urticae) – Motten, Marienkäfer, Fliegen und Schnecken bevölkert wird. Darunter sind auf einer Marmorplatte weiße und blaue Trauben arrangiert. Die überreifen Früchte weisen bereits Druckstellen auf. Die Blätter, in den für Elliger typischen Gelb- und Grüntönen ausgeführt, sind bereits von den Insekten zerfressen - das barocke Stillleben als Verweis auf die Vanitas, auf die Vergänglichkeit aller irdischen Existenz.

Weitere Stillleben Ottmar Elligers finden sich in den Gemäldegalerien in Berlin, dem Rijksmuseum in Amsterdam, der Kunsthalle Hamburg, der Gemäldegalerie Dresden, dem Statens Museum for Kunst in Kopenhagen, dem Ashmolean Museum in Oxford und anderen Museen.


[1] Weitere Werke Elligers tragen die gemalte Krone, beispielsweise Ottmar Elliger, Fruchtgehänge, 1666, Öl auf Eichenholz, 64 x 44 cm, signiert und datiert unten rechts Ottmar Elliger fecit anno 1666, Braunschweig, Herzog Anton Ulrich-Museum, Inventar-Nr. 555.

[2] Vgl. P. T. A. Swillens (Hg.), De Groote Schouburgh der Nederlantsche Konstschilders en Schilderessen door Arn. Houbraken, Bd. II, Maastricht 1944, S.230.

[3] Ottmar Elliger d.J. (1666-1732) arbeitete vor allem als Historienmaler und Kupferstecher in Amsterdam. Vgl. Carmen Roll, Ottmar Elliger d.J. (1666-1732). Leben und Werk, Diss., 3 Bde., Augsburg 2002.

[4] Vgl. Stepahnie Hauschild, '«Planten un Blomen». Zur Geschichte des Blumenbildes in Hamburg', in Dietrich Roth (Hg.), Die Blumenbücher des Hans Simon Holtzbecker und Hamburgs Lustgärten, Ergebnisse einer Tagung und Kat. Ausst. Hamburg, Universitätsbibliothek, Keltern-Weiler 2003, S. 130.

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