Peder Balke

Peder Balke (Hedemarken, Norwegen 1804 - 1887 Christiania)

Der Berg Stetind, Nordnorwegen, ca. 1850

Öl auf Papier, 10,1 x 12,7 cm
Signiert unten links Balke

Provenienz:
Privatbesitz, Norwegen

 

 

 

 

[...] denn in diesen nördlichen Gegenden sind es die Naturschönheiten, die die Haupt­rolle spielen, während die lebendigen Kinder der Natur, die Menschen, ihnen gegenüber nur eine untergeordnete Stellung einnehmen.[1]

Peder Balkes Landschaftsbilder sind inspiriert von der Natur Nordnorwegens, der er erstmals auf einer Finnmarkreise von Frühjahr bis Herbst 1832 begegnete.[2] Diese Reise war für seine weitere Entwicklung von zentraler Bedeutung. Er sammelte Land­schaftsmotive, die in seinen Arbeiten beständig wiederkehren. Neben der Darstellung des Nordkaps ist es der bizarr geformte Berg Stetind (Abb. 1)[3], der Balkes eigenständi­ges Sinnbild für die dramatische Natur dieser Landschaft[4] wird. Balke strebte keine naturgetreue Darstellung des Berges am Tysfjord an, sondern versucht durch übertriebene Proportionen die überwältigende Wirkung seines Anblicks auf den Betrachter spürbar zu machen.[5] Die kleinen Boote versinnbildlichen die Bedeu­tungslosigkeit des Menschen in dieser erhabenen Natur. Von unserer Ölstudie existiert eine weitere Version mit kleinen Varianten.[6]

Balke_Vgl

Abb. 1 Peder Balke, Stetind im Nebel, 1864, Öl auf Leinwand, 71 x 58 cm

Die dick aufgetragene weiße Farbe akzentuiert das Spiel der Wellen und den Schnee auf dem Bergmassiv im Hintergrund. Dem pastosen Farbauftrag entgegen steht ein lasierender Auftrag in anderen Partien des Bildes, der den Malgrund sichtbar lässt.

Balkes Autobiographie überliefert uns ein außergewöhnlich lebendiges Bild seiner ersten Lebenshälfte. Aus extrem einfachen Verhältnissen stammend, musste er schon in jüngsten Jahren seine Familie unterstützen. Er verdingte sich als Saisonarbeiter, war Verkäufer, arbeitete als Dekorationsmaler. 1827 schließlich wurde er an der Königlichen Zeichenschule in der Malereiklasse in Christiana angenommen. Er begann nach der Natur zu zeichnen und Norwegen zu bereisen.

Da es in Norwegen keine Kunstakademie gab, entschloss sich Balke 1828 an der Stockholmer Kunstakademie zu studieren. 1830 reiste er nach Kopenhagen. Dort beeindruckten ihn besonders die Gemälde von Johan Christian Dahl. Die Sommermonate verbrachte er auf ausgedehnten Reisen in Norwegen und 1832 erstmalig Nordnorwegen. Nachdem er 1835 mehrere Monate bei Dahl und Caspar David Friedrich in Dresden verbracht hatte,[7] reiste Balke nach Paris weiter, wo er seinen Landsmann Thomas Fearnley traf.

In den 1840er Jahren, nach seiner Rückkehr nach Norwegen, erreichte Balkes Malerei, von seinen Zeitgenossen weitgehend unbeachtet, einen ersten Höhepunkt. 1844 sah er sich aus einem Mangel an Aufträgen gezwungen Norwegen erneut zu verlassen um nach Paris zu reisen. Es gelang ihm eine Audienz bei König Louis-Philippe zu bekommen, der als junger Mann in den Jahren nach der Revolution den Norden Norwegens bereist hatte und deshalb sehr daran interessiert daran war Balke kennenzulernen. Balke legte dem König eine Auswahl von Ölskizzen mit Motiven aus Nordnorwegen vor aus der dieser einige auswählte, die ihm der Maler in großem Format als Gemälde ausarbeiten sollte. 26 dieser Ölskizzen haben sich erhalten und sind heute im Museé du Louvre ausgestellt. Balkes künstlerische Zukunft schien gesichert, allein die Revolution 1848 setzte den Plänen des Königs ein jähes Ende. Louis-Philippe musste abdanken. Ende 1847 sah sich Balke gezwungen, Paris zu verlassen. Zunächst ging er nach für eine kurze Zeit nach Dresden, doch im Frühjahr 1849 brach er nach London auf. Dort hatte er die Gelegenheit, William Turners Werk zu studieren, dessen Bilder ihn in der Radikalisierung seiner Maltechnik bestärkt haben dürften.[8]

1850 kehrte er endgültig nach Norwegen zurück. Er trat der sozialistischen Arbeiterbewegung bei und nahm verschiedene soziale und politische Ämter an. Er beschäftigte sich fortan öffentlich mit Sozialutopien und der Gründung einer nach diesen Utopien ausgerichteten Siedlung. Unbeachtet von der Öffentlichkeit widmete er sich auch weiterhin der Malerei um eben jene Gemälde zu schaffen für die er heute geschätzt wird.[9]


[1] Dieter Buchhart und Anne-Brigitte Fonsmark (Hgg.), Peder Balke. Ein Pionier der Moderne, Kat. Ausst. Krems, Kunsthalle Krems, Kopenhagen, Ordrupgaard, Heidelberg 2008, S. 10.

[2] Der Bezirk Finnmark liegt im äußersten Nordosten des Landes und teilt hier die einzige direkte Grenze Norwegens mit Russland. Balke reiste von Trondheim zum Nordkap und weiter ostwärts nach Vardø und Vadsø. Reiseroute vgl. Paintings by Peder Balke, Kat. Ausst. London, National Gallery, Tromsø, Northern Norway Art Museum, London 2014, S. 64.

[3] Peder Balke, Stetind im Nebel, 1864, Öl auf Leinwand, 71 x 58 cm, Nasjonalmuseet for kunst, arkitekur og design, Oslo, Inv. Nr. NG.M.03335. Balke ließ sich zusammen mit dem Gemälde fotografieren.

[4] Buchhart, op. cit., S. 10.

[5] Der Stetind ist seit 2002 Norwegens National Berg.

[6] Vgl. Paintings by Peder Balke, op. cit., S. 72, Kat. Nr. 8.

[7] Balke geriet während seiner Aufenthalte in Dresden unter den Einfluss von Friedrich und dessen Mitbewohner Dahl, Norweger wie Balke selbst. Es war vor allem Friedrichs Landschaftsauffassung, die dem Temperament Balkes entsprach und ihn nachhaltig beeinflusste. Vgl. Knut Ljøgodt, ‚In Quest of the Sublime: Peder Balke and the Romantic Discovery of the North’, in Paintings by Peder Balke, op. cit., S. 52

[8] Vom 14. November 2014 bis 15. April 2015 findet in der National Gallery in London die erste Einzelausstellung Balkes in England statt.

[9] Vgl. Marit Ingeborg Lange, ‚Peder Balke: Vision and Revolution’, in Paintings by Peder Balke, op. cit., S. 6-41.

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