Peder Balke

Peder Balke (Hedemarken 1804 - 1887 Christiana)

Der Wasserfall Rjukanfossen, um 1860

Öl auf Holz, 11,5 x 8,2 cm
Signiert unten links Balke
Rückseitiges Etikett Fru Thekla Balke Lange / Eilert Sundts gt 57 / Kristiania und Bezeichnung Aarnæs
Ausstellungsetikett auf dem Rahmen Kunstnernes Hus, Oslo und Kunstnerforbundet, Oslo

Provenienz:
Thekla Lange Balke (die Tochter des Künstlers)[1] Astri Aarnæs (*1916), Oslo (im Besitz 1980)
Privatsammlung, Norwegen

Ausstellung:
Peder Balke 1804-1887, Kunstnernes Hus, Oslo 4.-28. November 1954, Kat. Nr. 83
Malerier av Peder Balke og Matthias Stoltenberg, Kunstnerforbundet, Oslo 9.-29. Januar 1980, Kat. Nr. 70

 

 

 

 

 

Der Naturkundler Professor Jens Rathke (1769-1855), ein Förderer Peder Balkes, überredete ihn im Sommer 1830 zu einer Reise durch Zentralnorwegen. Der junge Künstler wanderte zunächst durch die Provinz Telemark und das Vestfjord Tal im Südosten des Landes. Dort traf er auf den Berg Gausta und den Wasserfall von Rjukan. Dieser Moment erweckte ihn ihm das tiefgreifende Interesse an der wundervollen norwegischen Landschaft und an der überraschenden Schönheit, das sie in alle Richtungen zeigt.[2] Leider haben sich Balkes Skizzen dieser Reise nicht erhalten. Die Motive sollten ihn aber lebenslang begleiten und fanden immer wieder Eingang in sein Werk. Besonders der Berg Gausta oder der hier dargestellte Rjukan Wasserfall - wörtlich etwa Rauchfall (Abb. 1). Kurz vor seiner Abreise hatte er Werke Johan Christan Dahls in Kopenhagen studiert und zeigte sich beeindruckt von dessen Naturschilderung Norwegens. Möglicherweise sah er damals das 1830 datierte Gemälde Blick auf den Rjukanfoss von Dahl (Abb. 2).

Abb. 1 Peder Balke, Der Rjukanfoss, 1836, Öl auf Leinwand, 167 x 125 cm

Abb. 1 Peder Balke, Der Rjukanfoss, 1836, Öl auf Leinwand, 167 x 125 cm

Abb. 2 Johan Christian Clausen Dahl, Blick auf  den Rjukanfoss, 1830, Öl auf  Leinwand, 78 x 69 cm, Oslo, Norsk Hydro.

Abb. 2 Johan Christian Clausen Dahl, Blick auf den Rjukanfoss, 1830, Öl auf Leinwand, 78 x 69 cm, Oslo, Norsk Hydro.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Obgleich Balke unter den Zeitgenossen keinerlei Anerkennung erfuhr, folgte er seiner Berufung.[3] Ab den späten 1850er Jahren befreite er seine Motive zunehmend von Details und ging zu ungewöhnlichen Maltechniken über. Seine besondere Liebe galt dem Kleinformat, in dem er über die folgenden Jahrzehnte erstaunliche Meisterschaft entwickelte. Gerne malte er nass in nass auf weißem Grund, oft in Grisaille. Er vermied pastosen Farbauftrag und verrieb stattdessen verdünnte Farben mit dem Pinsel, dem Schwamm und wie in unserem Fall mit den Fingerspitzen. Deutlich sind die Fingerabdrücke des Künstlers sichtbar. Die Grundierung blieb dabei graduell sichtbar. Mitunter zeigt er den weißen Grund auch im Sinne einer konventionellen Weißhöhung. Die Hauptformen betont linear, der weiße Grund vereint das gesamte Bild, konstituiert Licht und Tiefe.[4]

Balkes Autobiographie überliefert uns ein außergewöhnlich lebendiges Bild seiner ersten Lebenshälfte. Aus extrem einfachen Verhältnissen stammend, musste er schon in jüngsten Jahren seine Familie unterstützen. Er verdingte sich als Saisonarbeiter, war Verkäufer, arbeitete als Dekorationsmaler. 1827 schließlich wurde er an der Königlichen Zeichenschule in der Malereiklasse in Christiana angenommen. Er begann nach der Natur zu zeichnen und Norwegen zu bereisen.

Da es in Norwegen keine Kunstakademie gab, entschloss sich Balke 1828 an der Stockholmer Kunstakademie zu studieren. 1830 reiste er nach Kopenhagen. Dort beeindruckten ihn besonders die Gemälde von Johan Christian Dahl. Die Sommermonate verbrachte er auf ausgedehnten Reisen in Norwegen und 1832 erstmalig Nordnorwegen. Nachdem er 1835 mehrere Monate bei Dahl und Caspar David Friedrich in Dresden verbracht hatte,[5] reiste Balke nach Paris weiter, wo er seinen Landsmann Thomas Fearnley traf.

In den 1840er Jahren, nach seiner Rückkehr nach Norwegen, erreichte Balkes Malerei, von seinen Zeitgenossen weitgehend unbeachtet, einen ersten Höhepunkt. 1844 sah er sich aus einem Mangel an Aufträgen gezwungen Norwegen erneut zu verlassen um nach Paris zu reisen. Es gelang ihm eine Audienz bei König Louis-Philippe zu bekommen, der als junger Mann in den Jahren nach der Revolution den Norden Norwegens bereist hatte und deshalb sehr daran interessiert daran war Balke kennenzulernen. Balke legte dem König eine Auswahl von Ölskizzen mit Motiven aus Nordnorwegen vor, aus der dieser einige auswählte, die ihm der Maler in großem Format als Gemälde ausarbeiten sollte. 26 dieser Ölskizzen haben sich erhalten und sind heute im Museé du Louvre ausgestellt. Balkes künstlerische Zukunft schien gesichert, allein die Revolution 1848 setzte den Plänen des Königs ein jähes Ende. Louis-Philippe musste abdanken. Ende 1847 sah sich Balke gezwungen, Paris zu verlassen. Zunächst ging er nach für eine kurze Zeit nach Dresden, doch im Frühjahr 1849 brach er nach London auf. Dort hatte er die Gelegenheit, William Turners Werk zu studieren, dessen Bilder ihn in der Radikalisierung seiner Maltechnik bestärkt haben dürften.[6]

1850 kehrte er endgültig nach Norwegen zurück. Er trat der sozialistischen Arbeiterbewegung bei und nahm verschiedene soziale und politische Ämter an. Er beschäftigte sich fortan öffentlich mit Sozialutopien und der Gründung einer nach diesen Utopien ausgerichteten Siedlung. Unbeachtet von der Öffentlichkeit widmete er sich auch weiterhin der Malerei um eben jene Gemälde zu schaffen für die er heute geschätzt wird.[7]
 


[1] Thekla war Balkes jüngstes Kind, geboren 1858. Im Jahr 1889 heiratete sie Alexander Lange (1857-1905) in Buenos Aires. Nach dem Tod ihres Ehemannes zog sie zurück nach Christiania.

[2] Zitiert in Paintings by Peder Balke, Kat. Ausst. London, National Gallery, und Tromsø, Northern Norway Art Museum, London 2014, S. 14.

[3] Marit Ingeborg Lange in P. Kvaerne and M. Malmanger (eds.), Un peintre norvégien au Louvre. Peder Balke (1804-1887) et son temps, Oslo, Instituttet for sammenlignende kulturforskning, 2006, S. 40f.

[4] Siehe Marit Ingeborg Lange in: Un peintre norvégien au Louvre, op. cit., S. 51f und Dieter Buchhart und Anne-Brigitte Fonsmark (Hg.), Peder Balke. Ein Pionier der Moderne, Kat. Ausst., Krems, Kunsthalle Krems und Kopenhagen, Ordrupgaard, Heidelberg 2008, S. 28-45.

[5] Balke geriet während seiner Aufenthalte in Dresden unter den Einfluss von Friedrich und dessen Mitbewohner Dahl, Norweger wie Balke selbst. Es war vor allem Friedrichs Landschaftsauffassung, die dem Temperament Balkes entsprach und ihn nachhaltig beeinflusste. Vgl. Knut Ljøgodt, ‚In Quest of the Sublime: Peder Balke and the Romantic Discovery of the North’, in Paintings by Peder Balke, op. cit., S. 52

[6] Vom 14. November 2014 bis 15. April 2015 fand in der National Gallery in London die erste Einzelausstellung Balkes in England statt.

[7] Vgl. Marit Ingeborg Lange, ‚Peder Balke: Vision and Revolution’, in Paintings by Peder Balke, op. cit., S. 6-41.

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