Pieter Holsteijn der Jüngere

Pieter Holsteijn der Jüngere (Haarlem 1614 - 1673 Amsterdam)

Laternenträger

Feder und Pinsel, Aquarell- und Deckfarben, Gummi arabicum
Papier, zwei glatte Kanten, rechts Schnittspuren, unten ausgefranst, Wasserzeichen: angeschnittene Buchstaben LD(?)(WZ: B), 166 x 211 mm
Bezeichnet zwischen den Füßen der Zikade: Monogramm PH (ligiert); rechts unten in Braun Baron de Wassenaer // et Warmondt.

Provenienz:
Privatsammlung, Schweiz

 

 

Der Laternenträger (Fulgora laternaria) gehört der Familie der Zikaden an. Das abgebildete Insekt ist in Südamerika beheimatet. Die verlängerte Stirnpartie wirkt von oben gesehen wie eine Erdnuss, während der Kopf seitlich gesehen dem langgestreckten Maul eines Alligators ähnelt. Das Insekt wird Laternenträger genannt, weil man meinte, dass sein blasig aufgetriebener, zweibuckeliger Kopffortsatz leuchtet.

Abb. 1 Jacques de Gheyn II, Lanternenträger, 1620; Amsterdam, Stichting P. en N. de Boer.

Die südamerikanische Zikade ist hellbraun. Feine schwarzbraune Federstriche konturieren das Insekt und strukturieren das zerbrechliche Gewebe seiner Flügel. Die zarte Lavierung und die Aquarellierung beleben die Wiedergabe des Kopfes und der Beinchen. Maria Sibylle Merian, die das Insekt während ihrer Expedition nach Surinam beobachtete, gab es in Metamorphosis insectorum Surinamensium, Amsterdam 1705, wieder und verbreitete so die Kenntnis des Tieres. Holsteijns Darstellung entstand aber etwa ein halbes Jahrhundert früher. Sie war dennoch nicht die erste; die früheste lebensnahe Darstellung ist ein auf Pergament in Wasserfarben gemaltes Exemplar von Jacques de Gheyn II. (Abb. 1).[1] Sie ist 1620 datiert und setzt thematisch die kleinformatigen Naturstudien im Album von De Gheyn in Paris fort, die zwischen 1600 und 1604 zu datieren sind.[2] Pieter Holsteijn hat de Gheyns Darstellung nicht benützt, sondern schuf ein eigenständiges Porträt des beeindruckenden Insekts – wie de Gheyn nach einem Präparat.


[1] Wasserfarben auf Pergament, 115 x 170 mm; bezeichnet l.u. in Goldbuchstaben: „IDGheyn fe. An.1620“. Links vertikal bezeichnet: „Phosphoricus of Lamptaren drager // uit Westindien“. Amsterdam, Stichting P. und N. de Boer.

[2] Paris, Institut Néerlandais, Fondation Custodia.

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