Pietro Antonio Rotari

Pietro Antonio Rotari
(Verona 1707 - 1762 St. Petersburg)

Mädchen mit Fächer

Pastell auf Papier auf Leinwand, 46 x 37 cm
Original gefasster und geschnitzter Goldrahmen

Provenienz:
Privatsammlung, Deutschland

Pietro Antonio Rotari, herausragender Künstler und Höfling mit sozialer Intelligenz, war ein Kind seiner Zeit. Er unterrichtete den königlichen Nachwuchs in der Zeichenkunst, er korrespondierte und manchmal verschenkte er eines seiner Werke, wenn ihn dünkte, dies könne für ihn von Vorteil sein. 1749 von der venezianischen Republik in den Stand eines Grafen erhoben, positionierte er sich an den führenden Höfen Europas und beendete seine Karriere als Hofmaler Elisabeths I. von Russland.[1]

Der neckische Blick der jungen Frau, der uns direkt ins Auge fasst, muss wohl eher als erotisch geladenes Spiel, statt als Porträt im klassischen Stil gesehen werden. Sowohl Betrachter als auch Betrachtete verlieren sich im Wechselspiel der Täuschung aus Anblicken und Angeblickt werden, bis hin zum Verschwimmen von Realität und Illusion. Die Galanterie war fester Bestandteil höfischen Lebens und fand besonders während des Rokoko Eingang in die Kunst.

Eine praktisch identische Komposition Rotaris befindet sich in dem nach ihm benannten Zimmer in Schloss Peterhof, Sankt Petersburg. Die extravaganten Ohrgehänge mit großen Barockperlen unterstreichen den sozialen Status der Dargestellten und vielleicht auch Rotaris besonderes Interesse an Schmuck, von dem sein Dresdner Freund Graf Wackerbarth berichtet. Rotari sei kein normaler Künstler, der seine Bilder für Geld verkaufe, sondern lieber würde er sich von ihnen fürwunderbare Geschenke oder Juwelen trennen. Das wertvollste Geschenk dieser Art sei eine von Gemmen gesäumte Porträtminiatur des Königs gewesen.[2]

Pastelle waren an den europäischen Höfen des 18. Jahrhunderts äußerst beliebt. Das Medium kombinierte die Vorzüge der Zeichnung mit denen der Malerei. Die samtige Oberfläche war ideal geeignet, den Charakter von Haut und Textilien zu imitieren. Die starke Leuchtkraft der Farben war auch bei wenig Tageslicht noch sehr eindrucksvoll. Der berühmteste Pastellist der Zeit war wohl Jean-Etienne Liotard (1702-1789), dessen Werk Rotari während seines Aufenthalts am Hof der Habsburger in Wien ausführlich studieren konnte. Es haben sich nur eine kleine Zahl von Rotaris Pastellen erhalten, so dass vorliegendes, sehr gut erhaltenes Pastell in originalem Rahmen von großer Seltenheit ist.


[1] Gregor J. M. Weber, Pietro Graf Rotari in Dresden. Ein italienischer Maler am Hof König Augusts III. Bestandskatalog anläßlich der Ausstellung im Semperbau, Kat. Ausst., Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister, Emsdetten/Dresden 1999, S. 7-15.

[2] Biographische Details: Gregor J. M. Weber, Pietro Graf Rotari in Dresden. Ein italienischer Maler am Hof König Augusts III. Bestandskatalog anläßlich der Ausstellung im Semperbau, Kat. Ausst., Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister, Emsdetten/Dresden 1999, S. 9

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