Robert Zünd

Robert Zünd (1827 - Luzern - 1909)

Vierwaldstättersee mit Blick auf die Rigi, 1855

Öl auf Leinwand, 23,7 x 36 cm
Datiert unten rechts 6. Oct. 55
Verso auf der Leinwand Nachlass-Stempel und Vermerk Blick auf (die) Rigi

Provenienz:
Nachlass Robert Zünd
Privatsammlung, Schweiz

Literatur:
Hermann Uhde-Bernays, Robert Zünd, Basel 1926, Tafel 6

 

Studien gebe ich absolut keine weg![1] Brief von Robert Zünd an Ulrich Gutersohn, 14. Feburar 1904

Nach erster zeichnerischer und malerischer Unterweisung im Atelier von Jakob Schwegler siedelte Robert Zünd 1848 nach Genf und arbeitete bei den beiden führenden Schweizer Landschaftern, François Diday (1802-1877) und Alexandre Calame (1810-1864). 1851 lernte er den Münchner Akademiebetrieb kennen und befreundete sich dort mit dem Tiermaler Rudolf Koller (1828-1905). 1852 reiste Zünd erstmals nach Paris, wo er sich vor allem für die Meister des 17. Jahrhunderts interessierte. Nach einer Reihe weiterer Parisaufenthalte sowie Reisen nach Dresden und München verheiratete Zünd sich 1853 nach Luzern. In den umgebenden Landschaften fand er fortan seine Inspiration. Mit Diday, Calame, Giovanni Giacometti und Hodler steht er in der Reihe prominenter Landschaftsmaler der Schweiz.

Abb. 1 Robert Zünd, Studie vom Vierwaldstättersee, 1858, Öl auf Papier auf Karton, 26 x 41 cm, datiert unten rechts 14. Oct. 1858

Abb. 1 Robert Zünd, Studie vom Vierwaldstättersee, 1858, Öl auf Papier auf Karton, 26 x 41 cm, datiert unten rechts 14. Oct. 1858

Immer wieder war Zünd vom Vierwaldstättersee fasziniert und bearbeitete das Motiv sein ganzes Leben in vielen Variationen. Unsere Ölstudie entstammt dem Frühwerk Zünds und ist auf den Tag genau am 6. Oktober 1855 datiert. Die Skizze gibt einen Blick über den herbstlichen Vierwaldstättersee auf eine beeindruckende Bergkulisse wieder. Zum Vergleich sei hier noch auf eine andere, drei Jahre spätere ebenfalls im Oktober entstandene Skizze Zünds verwiesen. Er wählte exakt denselben Standpunkt um das Motiv diesmal bei Abendstimmung wiederzugeben. (Abb.1)[2].

Er verstand es meisterhaft, die Lichtverhältnisse und die besondere Atmosphäre des Ortes und der Stunde einzufangen, so wie sein Lehrer Calame, dessen Einfluss in Zünds frühen Werken nachklingt.[3] Obwohl er nach realistischer Naturwiedergabe strebt, bedeutet das letztlich nicht den Verzicht auf künstlerische Intervention im Sinne der idealen Landschaft.

Skizzen und Zeichnungen wurden von Zünd in aller erster Linie zum Selbststudium gefertigt. Obwohl sie in kleinerem Kreis große Bewunderung fanden, hat sie der Künstler trotz lukrativer Angebote, nie ausgestellt oder verkauft. Nur enge Freunde hatten Einblick in dieses Arbeitsmaterial, mit dem er seine Gemälde vorbereitete.

Die besondere Stellung der Ölskizze in seinem Gesamtwerk wird schon früh erkannt. So in einem Kommentar von 1912: Zünds Landschaftsstudien, die von den fünfziger bis in die siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts vor der Natur entstanden, gehören zum Unmittelbarsten und Interessantesten im Werke des Malers; vor allem sind es die Ölstudien, die sich in voller Frische erhalten haben und die schon zu Zünds Lebzeiten (sic!) sorglich gehütet – zwar wenig bekannt, aber von Künstlern und Kennern, die sie je zu Gesicht bekamen, ungemein geschätzt wurden. Die Naturtreue, die Kraft der Zeichnung, wie das moderne Empfinden für das Licht in der Farbe, machen diese Studien zu den wertvollsten Dokumenten für Zünds künstlerische Persönlichkeit.[4]


[1] Susanne Neubauer (Hg.), Robert Zünd, Kat. Ausst. Luzern, Kunstmuseum Luzern, 12. Juni - 26. September 2004, Wabern-Bern 2004, S. 164, Quelle Nr. 30.

[2] Robert Zünd, Studie vom Vierwaldstättersee, 1858, Öl auf Papier auf Karton, 26 x 41 cm, datiert unten rechts 14. Oct. 1858, vgl. Hermann Uhde-Bernays, Robert Zünd, Basel 1926, Tafel 12.

[3] Vgl. Alexandre Calame, La Tour am Genfer See, 1845, Öl auf Karton, 23 x 50 cm, bezeichnet und datiert unten links La Tour. Août 13. 1845. Daxer & Marschall, Paintings and Oilsketches, 1600-1920, Nr. XXII, München 2015, S. 32.

[4] Literarische Chronik des Berner Bundes, 4. August 1912.

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