Robert Zünd

Robert Zünd (1827 - Luzern - 1909)

Wolkenstudie, August 1862

Öl auf Leinwand, 17,6 x 28 cm
Datiert unten rechts 20. Aug. 62

Provenienz:
Privatbesitz, Schweiz

 

Das beste ist halt doch nach der Natur malen[1] (Robert Zünd an den Maler Rudolf Koller, Paris 2, Mai 1852)

Ab den fünfziger Jahren beschäftigte sich Robert Zünd immer intensiver mit der malerischen Umsetzung natürlicher Lichtwirkungen. Vorausgegangen waren Parisaufenthalte in den Jahren 1852, 1859 und 1861, wo Zünd mit den Malern von Barbizon und der Freilichtmalerei in Kontakt kam.[2] Wieder zu Hause setzte er die gewonnenen Erfahrungen in eigenen plein-air Skizzen um. Zünd verstand es meisterhaft, die Lichtverhältnisse und die besondere Atmosphäre des Ortes und der Stunde einzufangen. Obwohl er nach realistischer Naturwiedergabe strebte, bedeutet das letztlich nicht den Verzicht auf künstlerische Intervention im Sinne der idealen Landschaft.

Der tief angelegte Horizont und die hochgetürmten Wolken dieser Studie erinnern an die Wolkenstudien John Constables. Eingebettet in die waldige Hügellandschaft liegt ein Dorf, dessen Kirchturm gegen den Himmel kontrastiert. Trotz des groben Pinselstriches erreicht Zünd in seiner Studie eine erstaunlich nuancierte, stimmungsvolle Wiedergabe der Lichtsituation, besonders überzeugend sind die aufgetürmten Wolken. Damit sich die illusionäre Wirkung der Skizze optimal zur Geltung kommt, muss man sie mit etwas

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Abb. 1 Robert Zünd, Wolkenstudie, Mittag, 1857, Bleistift auf Papier, 21,4 x 34,4 cm, datiert unten links d 28. Aug.1857, Privatsammlung[3]

Abstand betrachten. Das Datum 20. Aug 1862 in die nasse Farbe geritzt, weist darauf hin, dass die Studie an einem einzigen Tag entstanden ist. Unklar bleibt der genaue Entstehungsort, wahrscheinlich ist es die nähere Umgebung Luzerns, die der Künstler zeitlebens nur ungern verlassen hat. Eine ähnlich aufgebaute Wolkenstudie in Bleistift (Abb. 1), einige Jahre früher ebenfalls im August entstanden, könnte am gleichen Ort entstanden sein.

 

Skizzen und Zeichnungen wurden von Zünd in aller erster Linie zum Selbststudium gefertigt. Obwohl sie in kleinerem Kreis große Bewunderung fanden, hat sie der Künstler trotz lukrativer Angebote, nie ausgestellt oder verkauft. Nur enge Freunde hatten Einblick in dieses Arbeitsmaterial, mit dem er seine Gemälde vorbereitete. Die besondere Stellung der Ölskizze in seinem Gesamtwerk wurde schon früh erkannt. So in einem Kommentar von 1912: Zünds Landschaftsstudien, die von den fünfziger bis in die siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts vor der Natur entstanden, gehören zum Unmittelbarsten und Interessantesten im Werke des Malers; vor allem sind es die Ölstudien, die sich in voller Frische erhalten haben und die schon zu Zünds Lebzeiten (sic!) sorglich gehütet – zwar wenig bekannt, aber von Künstlern und Kennern, die sie je zu Gesicht bekamen, ungemein geschätzt wurden. Die Naturtreue, die Kraft der Zeichnung, wie das moderne Empfinden für das Licht in der Farbe, machen diese Studien zu den wertvollsten Dokumenten für Zünds künstlerische Persönlichkeit.[4]

Nach erster zeichnerischer und malerischer Unterweisung im Atelier von Jakob Schwegler siedelte Robert Zünd 1848 nach Genf und arbeitete bei den beiden führenden Schweizer Landschaftern, François Diday (1802-1877) und Alexandre Calame (1810-1864). 1851 lernte er den Münchner Akademiebetrieb kennen und befreundete sich dort mit dem Tiermaler Rudolf Koller (1828-1905). 1852 reiste Zünd erstmals nach Paris, wo er sich vor allem für die Meister des 17. Jahrhunderts interessierte. Nach einer Reihe weiterer Parisaufenthalte sowie Reisen nach Dresden und München heiratete 1863 Zünd und ließ sich an der Peripherie der Stadt Luzern nieder, die er nur noch selten für längere Zeit verließ. In den umgebenden Landschaften fand er fortan seine Inspiration. Mit Diday, Calame, Giovanni Giacometti und Ferdinand Hodler steht er in der Reihe prominenter Landschaftsmaler der Schweiz.

 


[1] Zitiert in Peter Wegmann, Museum Stiftung Oskar Reinhardt Winterthur. Deutsche, österreichische und schweizerische Malerei aus dem 18., 19. und frühen 20. Jahrhundert, Frankfurt am Main und Leipzig 1993, S. 173.

[2] Vgl. Hermann Uhde-Bernays, Robert Zünd, Basel 1926, S. 19.

[3] Vgl. Susanne Neubauer (Hg.), Robert Zünd, Kat. Ausst. Luzern, Kunstmuseum Luzern, 12. Juni - 26. September 2004, Wabern-Bern 2004, S. 139.

[4] Literarische Chronik des Berner Bundes, 4. August 1912.

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