Stefan Johansson

Stefan Johansson (Vist, Östergötland 1876 - 1955 Karlstad)

"Nattljus över Klarälven" - Lichter über dem Fluss Klarälven, 1941

Aquarell und Tempera auf Leinwand, 47,5 x 37,1 cm

Signiert und datiert unten links STEFAN. -41

Provenienz:
Privatsammlung, Schweden, seit den 1940er Jahren

 

 

Wir danken dem Stefan Johansson Experten Dr. Stefan Hammenbeck für seine Hilfe bei dem Verfassen des Textbeitrags und für die Authentifizierung des Werks.

Obwohl Stefan Johanssons [1] Werk einigermaßen singulär ist, steht es, denkt man an Eugène Janssons, den frühen Edvard Munch oder Vilhelm Hammershøi, mit der zeitgleichen skandinavischen Malerei in einem Kontext. Johansson teilt mit diesen Malern die Introversion, mit Hammershøi darüber hinaus die meditative Beschäftigung mit ständing wiederkehrenden Motiven die dem direkten Umfeld entnommen sind.

In Johanssons Kunst offenbart sich seine Spiritualität. Er beschäftigte sich mit einer Art von Lichtmystik. Die Emanation des Lichtes war ihm ein zeitloses, göttliches Prinzip. Kandinskys „Über das geistige in der Kunst” und Okakura Kakuzos „Die Ideale des Ostens” waren für seine künstlerische Entwicklung entscheidende Werke. Als er 1956 starb, lagen Kakuzos’ Buch und die Bibel auf seinem Tisch.

Johansson war der Kunstakademie abgeneigt und insistierte darauf, dass seine in Stockholm genossene akademische Ausbildung keinen positiven Einfluss auf seine künstlerische Entwicklung genommen hatte. Formativ seien vielmehr seine 1909 bis 1913 unternommenen Reisen nach Deutschland und vor allem nach Italien gewesen. Dort hatte er sich mit der Malerei der Renaissance und mit italienischer zeitgenössicher Kunst befasst. Seine Werke wurden 1911 auf der großen internationalen Kunstausstellung in Rom [2] und 1920 auf der Biennale in Venedig gezeigt.[3]

Eventuell haben die alten Meister und die Freskomalerei Johansson zu seiner ungewöhnlichen Maltechnik inspiriert. Jedenfalls begann er sich für das Malen in Aquarell und Tempera auf ungrundierter Leinwand zu begeistern. Er benutzte dazu unregelmäßig gewebte Leinwand, sogenanntes Kreppgewebe, ohne Grundierung, auf das er Aquarell und Tempera direkt auftrug. Der optische Effekt gleicht einer Rasterung und erinnert an die Gemälde zeitgleicher italienischer Divisionisten, die er in Italien sicherlich gesehen hatte. An dieser zeitaufwendigen Technik, zwischen jedem Farbauftrag lag eine längere Trockenzeit, hielt der Künstler lebenslang fest.

johansson

Abb. 1 Stefan Johansson, Selbstbildnis, 1944, schwarze Kreide auf Leinwand, 34,7 x 31 cm, Värmlands Museum Karlstad

Stefan Johansson wuchs im nördlichsten Teil von Värmland auf, einer Landschaft die durch Selma Lagerlöfs Erzählungen weltberühmt geworden ist. Ende der 1890er Jahre siedelte er nach Stockholm, besuchte die Kunstakademie und wohnte dort bis 1931. Bereits um die Jahrhundertwende interessierte er sich für die Lichteffekte in den Nachtbildern Eugène Janssons und Karl Nordströms. Aber erst Anfang der 1920er Jahre begann er selbst atmosphärische Darstellungen nächtlich beleuchteter Städte und Stadtlandschaften zu malen. Die Emanation des Lichtes war für ihn etwas Spirituelles, in dem sich göttliches Wirken offenbarte – der Gegensatz von Dunkelheit und Erleuchtung.

Bedingt durch die Wirtschaftskrise zog Johansson 1931 von Stockholm nach Karlstad, bezog zusammen mit seinem Bruder Seth eine bescheidene Wohnung und beschäftigte sich weiterhin mit Nachtbildern deren Lichtquelle der Mond, das Kerzenlicht oder elektrisches Licht waren.

Ein neues Motiv, es sollte in den kommenden Jahre zu seinem Hauptmotiv werden, brachte der Umzug in ein Haus direkt am Klarälven, jenem Fluss der durch Karlstad fließt. Es war der Fensterblick über den Fluss. Die meditative Wiederholung des Ausblicks auf die Stadtlandschaft reflektiert in der Wasseroberfläche, bei Morgen- und Abenddämmerung und Nachts unbeleuchtet, oder im Licht von Strassenlaternen auf der Brücke und entlang des Ufers. Auf nächtlichen Spaziergängen studierte er die verschiedene Lichtwirkungen, um sie dann auf der Leinwand umzusetzen. Dazu bediente er sich einer zeitaufwendigen Maltechnik bei der er Aquarellfarben direkt auf ungrundierte Leinwand auftrug. Dies führte zu weichen Konturen, wie sie mit anderen Mitteln auch die italienischen Divisionisten anstrebten, deren Bilder er auf seiner Italienreise mit Sicherheit gesehen hatte.

Das vorgestellte Gemälde ist ein besonders beeindruckende Version dieses Motives. Mit dem Steg als Repoussoir im Vordergrund, den sich im Wasser spiegelnden Straßenlaternen auf der Brücke und der dunklen Baumsilhouette des Stadtteils Klara im Hintergrund, gehört es zu seinen Meisterwerken.

Für Johansson war der Rahmen integraler Bestandteil seiner Gemälde, weshalb er seine Werke oft selbst rahmte. Mit Bedacht wählte er Farbe, Oberfläche und Holzart. Der Rahmen sollte mit dem Gemälde zu einem autarken Ganzen verschmelzen.

Schon die zeitgenössische Kunstkritik hat Johansson mit seinem dänischen Zeitgenossen Vilhelm Hammershoi verglichen. Die Spiritualität, die meditative Wiederholung der immer gleichen Motive, die ausgeklügelte Maltechnik, legen dies auch aus heutiger Sicht nahe. Neben der Malerei beschäftigte er sich auch mit Philosophie und Dichtkunst. Manche seiner Gedichte nehmen die melancholische Stimmung seiner Malerei auf.

 


[1] Zu Johansson siehe Stefan Hammenbeck, Stefan Johansson. 1876-1955, Karlstad 2007.

[2] Esposizione Internazionale, Roma, 1911.

[3] L'Esposizione internazionale d'arte, Bienale di Venezia, XII, 1920 (15. April - 31. Oktober).

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