Telemaco Signorini

Telemaco Signorini
(1835 - Florenz - 1901)

Haus bei Piagentina, 1862-6

Öl auf Leinwand auf Holz, 12,4 x 19,8 cm
Monogrammiert unten links TS

Provenienz:
Sammlung des Architekten Aldo Avati, Mailand (1885-1971) (Rückseitiger Sammlerstempel)
Mündliche Bestätigung des Istituto Matteucci, Viareggio

 

Telemaco Signorini war eine der Hauptfiguren der Macchiaioli, einer Gruppe italienischer Realisten, die in der Zeit des Risorgimento in Florenz aktiv waren, geeint durch den Wunsch, die italienische Kunst wiederzubeleben.1 Nach den ersten stürmischen Jahren, begann ab 1861 mit der Fokussierung auf die Landschaften der Toskana eine neue Phase. Erstmals im August 1861 besuchten die Maler Giuseppe Abbati, Michele Tedesco und Signorini den Kunstkritiker und Förderer Diego Martelli2 auf dessen Landgut bei Castiglioncello in der Maremma. Über die nächsten Jahre wurde sein Haus zu ihrem Stützpunkt, sodass Martelli den Terminus „Schule von Castiglioncello“ prägte.

Ein zweiter Treffpunkt der Maler – allen voran Signorini, Abbati, Silvestro Lega und Odoardo Borrani – war Piagentina, ein kleiner, ländlich geprägter Ort außerhalb von Florenz. Der Tod des Vaters im August 1862 hatte dazu geführt, dass die Familie Signorini an den Stadtrand nach Piagentina gezogen war, wo auch Lega lebte. Während der schönen Wintertage, an denen es zu mühsam war, Castiglioncello zu erreichen, trafen sich die Maler außerhalb der Porta la Croce, um gemeinsam zwischen den Villen und Gemüsegärten und entlang des Flüsschens Affrico bis zum Arno zu spazieren. Signorini berichtet, wie voller Leidenschaft, Begeisterung, fieberhafter Aktivität wir waren [...] diese schönen Tage in dieser Landschaft und in diesem kleinen Kreis fleißiger Freunde.... vereint im gleichen künstlerischen Ideal [...]. Und was für ein herrlicher Tag war es, entlang der Deiche des Affrico oder unter den Pappeln am Ufer des Arno zu malen.3 Im Vergleich zur stilistischen und thematischen Homogenität jener in Castiglioncello entstandenen Gemälde, erscheinen die Werke der „Schule von Piagentina“ heterogener. Die Individualität des einzelnen Künstlers drängt jetzt in den Vordergrund.4

Abb. 1 Telemaco Signorini, Campagna fiorentina, 1862-6, Bleistift auf Papier, 119 x 198 mm.

Die Zeichnung Campagna fiorentina (Abb. 1) aus einem der Skizzenbücher Signorinis5 kann als prima idea unseres Bildes angesehen werden. Noch deutlicher als auf der Zeichnung ist die scharfe Silhoeutte eines alleinstehendes Hauses vor einem Wolken verhangenen Himmel zum Hauptmotiv geworden, zur Straße hin begrenzt von einer diagonal stehenden Mauer. Bedingt durch die reduzierte Palette und die hermetische Komposition der fensterlosen Hauswand und der diagonalen Mauer im Vordergrund erzeugt der Maler eine melancholisch-lyrische Atmosphäre. Signorini öffnet sich in diesem Bild frühimpressionstischen Einflüssen, die er 1861 in Paris aufgenommen hatte, allen voran durch Werke von Francois Millet und Jules Breton, ebenso wie von Jean-Baptiste Camille Corot und Gustave Courbet.


1 Die bekanntesten Künstler dieser Bewegung waren neben Telemaco Signorini Giuseppe Abbati, Cristiano Banti, Odoardo Borrani, Vincenzo Cabianca, Adriano Cecioni, Vito D´Ancona, Serafino De Tivoli, Giovanni Fattori, Raffaello Sernesi und Silvestro Lega.

2 Vgl. Piero Dini und Francesca Dini, Diego Martelli, l’amico dei Macchiaioli e degli Impressionisti, Kat. Ausst. Castiglioncello, Galleria comunale d’arte contemporanea - Castello Pasquini, 1996.

3 Zitiert nach Les Macchiaioli 1850-1874. Des Impressionnistes italiens?, Kat. Ausst. Paris, musées d’Orsay et de l’Orangerie, Madrid, Fundación MAPFRE, 2013-14, S. 49.

4 Vgl. Francesca Dini, ‚Poesia dei Macchiaioli’, in I Macchiaioli. Sentimento del vero, Kat. Ausst. Rom, Chiostro del Bramante, 2007/8, S. 25-31, vor allem S. 30-1.

5 Vgl. Mostra di Disegni di Telemaco Signorini, Kat. Ausst. Rom, Galleria Nazionale d’Arte Moderna, 1969, S. 26, Nr. 98.

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